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Raumfahrt mit Starliner-Kapsel : Boeing verfehlt die ISS

Nicht völlig losgelöst: Der Start des Boeing-Raumschiffs verlief zwar noch planmäßig, doch dann begannen die Schwierigkeiten. Bild: Reuters

Eine Panne auf einem Testflug für eine neue Raumkapsel könnte den Konzern weiter hinter Elon Musks Space X zurückfallen lassen. Das bedeutet die nächste Verzögerung im milliardenschweren Raumfahrtprogramm der amerikanischen Regierung.

          3 Min.

          Es schien zunächst alles nach Plan zu laufen: Pünktlich um 6.36 Uhr am Freitagmorgen hob in Cape Canaveral in Florida eine Rakete ab, um eine neue Raumkapsel des Luft- und Raumfahrtkonzerns Boeing ins All zu bringen. Nach einigen Minuten löste sich die Kapsel mit dem Namen „CST-100 Starliner“ plangemäß von der „Atlas V“-Rakete.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber kurze Zeit später kam eine Fehlermeldung. Die Kapsel habe nicht die korrekte Höhe erreicht. Sie sei zwar in stabiler Position und unter Kontrolle, aber es sei nicht gelungen, sie auf den geplanten Kurs zur Raumstation ISS zu bringen. Jim Bridenstine, der Chef der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, sprach hinterher von einer „Anomalie“ und sagte: „Wir hatten heute einige Herausforderungen.“ Die genaue Ursache für den Fehler sei noch nicht identifiziert. Anstatt zur ISS zu fliegen, soll die Kapsel nun wohl am Sonntag auf die Erde zurückkehren.

          Die Panne könnte Boeing bei einem seiner wichtigsten Vorhaben in der Raumfahrt zurückwerfen. Die Mission ist für den Konzern von enormer Bedeutung. Die „Starliner“-Kapsel ist konzipiert, um Astronauten ins All zu bringen. Und mit ihr ist Boeing eines von zwei rivalisierenden Unternehmen, die den Vereinigten Staaten die Rückkehr in die bemannte Raumfahrt ermöglichen sollen. Neben Boeing arbeitet daran auch Space X, das Unternehmen, das Elon Musk neben dem Elektroautohersteller Tesla führt. SpaceX ist ohnehin weiter als Boeing und hat im März erfolgreich einen unbemannten Testflug seiner Kapsel „Crew Dragon“ absolviert, die einmal Astronauten an Bord haben soll.

          Für Boeing bot die am Freitag begonnene und ebenfalls unbemannte Mission die Chance, zu Space X aufzuschließen. Nasa-Chef Bridenstine sagte, wenn Astronauten an Bord gewesen wären, wäre ihre Sicherheit nicht gefährdet gewesen. Da es sich um ein Problem mit der Automatik gehandelt habe, hätten Astronauten womöglich sogar den Fehler beheben können. Er wies auch darauf hin, dass viele Aspekte an dem Start nach Plan verlaufen seien.

          Amerikaner brauchen Geduld

          Seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms 2011 sind Amerikaner nicht mehr in der Lage, selbst Astronauten ins All zu bringen. Wenn sie das tun wollen, zum Beispiel für Missionen zur ISS, müssen sie Plätze in russischen Sojus-Maschinen buchen. Aber schon seit einiger Zeit bereitet die Nasa die Rückkehr in die bemannte Raumfahrt vor. Und sie hat entschieden, dazu verstärkt auf private Unternehmen zurückzugreifen. 2014 vergab sie hochdotierte Aufträge an Space X und Boeing, um entsprechende Raumfahrzeuge zu entwickeln. Der Auftrag für Space X hatte ein Volumen von 2,6 Milliarden Dollar, derjenige für Boeing lag sogar bei 4,2 Milliarden Dollar. Die Unternehmen arbeiten nun separat an ihren jeweiligen Programmen, und in beiden Fällen kam es – wie in der Raumfahrt nicht selten – zu erheblichen Verzögerungen. Ursprünglich hatte die Nasa gehofft, 2017 wieder Astronauten ins All zu bringen, aber der Zeitplan kam wiederholt durcheinander.

          Im Februar versprach der amerikanische Präsident Donald Trump in seiner Rede zur Lage der Nation, dass noch in diesem Jahr „amerikanische Astronauten auf amerikanischen Raketen ins All zurückkehren“. Wäre das gelungen, hätte es viel Symbolik gehabt, da sich im Juli die „Apollo 11“-Mission, auf der die ersten Menschen den Mond betraten, zum 50. Mal jährte. Zum Zeitpunkt von Trumps Rede bestand tatsächlich noch Hoffnung, dass ein Flug mit Astronauten stattfinden könnte. Wenig später gelang Space X ein erfolgreicher unbemannter Testflug mit seiner Raumkapsel. Damals sah es auch noch so aus, als ob Boeing bald seinen ersten Testflug absolvieren könnte. Aber dann warf eine Panne bei einem anderen Test Space X wieder zurück, auch bei Boeing kam es zu weiteren Verzögerungen.

          Nach dem jüngsten Stand ist für Space X im Januar ein nächster unbemannter Test auf dem Programm, und sollte dabei alles reibungslos laufen, könnte es nach Einschätzung von Fachleuten noch im ersten Quartal zu einem Testflug mit Astronauten kommen. Die Boeing-Panne am Freitag hat freilich einmal mehr unterstrichen, dass Zeitvorgaben in der Raumfahrt sehr schnell Makulatur werden können. Nasa-Chef Bridenstine sagte am Freitag, es sei zu früh, um etwaige Auswirkungen der Panne auf den Zeitplan abzuschätzen. Boeing ist in der Raumfahrt schon seit langem ein wichtiger Partner der Nasa und spielte zum Beispiel eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der „Saturn V“-Raketen für die „Apollo“-Flüge.

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