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Starke Marke (1) : Naschkatzen sind bei Niederegger im Paradies

Ein süßes Bild: Marzipan, von Hand bemalt Bild: F.A.Z., Jesco Denzel

Der 200 Jahre alte Marzipanhersteller Niederegger arbeitet hart am Erhalt der Marke. Ohne Werbung, nur mit Mund-zu-Mund-Propaganda und einem innovativen Image schaffte er es, im hart umkämpften Markt zu überleben.

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          Am schönsten ist es in der Rösterei. Dort werden die zerkleinerten Mandeln, vermischt mit Zucker, in rotierenden Kupferkesseln auf 95 Grad erhitzt und anschließend mit Stickstoff abgekühlt. Röstmeister Michael Krüger löst mit einem Schaber einen dicken Fetzen aus der noch warmen Rohmasse und läßt den Besucher probieren. Verzückung. Frischer kann Marzipan nicht sein, köstlicher kann es nicht schmecken. Noch viermal greift der Besucher zu, um sich dann selbst zu zügeln.

          Johannes Ritter
          (rit.), Wirtschaft

          Die Besichtigung der Niederegger Marzipanfabrik hat gerade erst begonnen. Und es gibt noch sehr viel zu probieren. Auf allen Fertigungsstufen darf man frei zugreifen, sich mit Kartoffeln, Herzen, Sternen, Schweinen aus Marzipan oder feinen Schokopralinen genüßlich den Magen vollschlagen. Ein Paradies für Naschkatzen.

          Ein Selbstläufer ist Marzipan nicht

          Holger Strait ist dort aufgewachsen: „Ich bin neben den Röstkesseln geboren.“ Strait ist Geschäftsführer und Eigentümer der J.G. Niederegger GmbH & Co. KG in Lübeck, die vor 200 Jahren von dem Konditor Johann Georg Niederegger gegründet wurde. Der 56 Jahre alte Strait führt die Firma in der siebten Generation. Viel hätte nicht gefehlt, und Niederegger wäre heute nicht mehr im Besitz der Familie, sondern ein Anhängsel eines Schweizer Süßwarenherstellers.

          Holger Strait: „Ich bin neben den Röstkesseln geboren.”
          Holger Strait: „Ich bin neben den Röstkesseln geboren.” : Bild: F.A.Z., Jesco Denzel

          „Mein Onkel wollte das Unternehmen verkaufen“, erzählt Strait. Das war 1986. Doch Strait entschied sich für ein „Family-buyout“ und kaufte dem Onkel die Anteile ab. Dazu mußte er sich hoch verschulden. Und einiges Neues in Angriff nehmen. Denn ein Selbstläufer ist Marzipan, und sei es noch so gut, nicht.

          Von 130 Marzipanherstellern haben vier überlebt

          Früher gab es in Lübeck 130 Marzipanhersteller - davon sind heute nur noch vier übrig. Daß Niederegger nicht nur zu den Überlebenden zählt, sondern unter den Premium-Anbietern zum absoluten Marktführer avancierte, verdankt die Firma dem Markengedanken, dem schon Straits Vorfahren gefolgt sind. Allerdings kann sich Niederegger nicht auf seinem guten Namen ausruhen, denn der Markt ist eher rückläufig: „Marzipan ist ein tradiertes Produkt. Die Leute denken nur zu Weihnachten daran“, sagt Strait.

          Königsberger Marzipan sei früher einmal ähnlich bekannt gewesen wie Niederegger. Heute sei diese Marke nur noch bei Menschen bekannt, die 70 Jahre und älter seien. Die Marke sterbe deshalb langsam weg. Wie kann Niederegger dieses Schicksal erspart bleiben? „Wir müssen die Marke aktuell halten und breitere Verwendungsanlässe finden, sonst schläft der Markenname ein.“

          Marzipan-Tee und 5,8-Kilo-Schwein

          Daher hat sich Strait allerlei einfallen lassen: Das Naschwerk, das aus dem Orient nach Europa kam und einst nur für Hofdamen, Fürsten und gekrönte Häupter erschwinglich war, gibt es versetzt mit verschiedensten Aromen wie Orange oder Birne, zudem in den unterschiedlichsten Formen - von der Banane bis hin zum handbemalten 5,8-Kilo-Schwein. Es gibt Süßigkeiten für Kinder („Mandelino“) und „Fruchtkonfekt“ mit Cranberry-Füllung für die schwierigen Sommermonate.

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