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Starinvestor Carl lcahn : Ein Vorstandsschreck für Trump

Der Vorstandsschreck vom Dienst: Carl Icahn Bild: Reuters

Carl lcahn hat sich als aggressiver Investor einen Namen gemacht. Jetzt soll er Donald Trump bei Wirtschaftsfragen beraten. Wer ist der Mann, den manche als „Unternehmensplünderer“ verteufeln?

          Wenige Dinge betont Donald Trump so gerne und so regelmäßig wie seine Erfolge als Geschäftsmann. Sein Faible für „great deals“ spiegelt sich auch in seinem Kabinett wieder. Der designierte Außenminister Rex Tillerson etwa leitet momentan noch den weltgrößten Mobilölkonzern Exxon-Mobil. Trumps Mann fürs Wirtschaftsministerium, Wilbur Ross, trägt den Beinamen „König der Pleiten“, weil er sein beträchtliches Vermögen mit dem Aufkauf und Umbau insolvenzgefährdeter Firmen gemacht hat. Wie der ehemalige Goldman-Sachs-Manager und designierte Finanzminister Steven Mnuchin arbeitete Ross jahrelang an der Wall Street.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dort ist auch Carl Icahn reich geworden, Trumps künftiger Sonderberater für Regulierungsfragen. Obamas Maßnahmen auf diesem Feld lehnt Icahn vehement ab: Sie schränkten die einheimische Wirtschaft zu sehr ein und verhinderten neue Arbeitsplätze. Wie das „Wall Street Journal“ schreibt, soll Icahn auch an der Suche nach einem neuen Chef für die Börsenaufsicht beteiligt sein. Schon im Wahlkampf hatte er Trump unterstützt, einen Posten in der Regierung aber immer abgelehnt. Wohl auch, weil ihn der von seinen Geschäften abgehalten hätte.

          Mit diesen hat es Icahn zu einem geschätzten Vermögen von 16,5 Milliarden Dollar gebracht. Mit dieser Summe steht der 80 Jahre alte Investor auf Platz 43 der Forbes-Liste. Sein Geld verdient der Vater zweier erwachsener Kinder mit einer Investment-Strategie, die ihm bei manchen den Beinamen „Unternehmensplünderer“ eingebracht hat. Für Trump ist Icahn dagegen „einer der großartigsten Geschäftsmänner der Welt“.

          „Wenn du einen Freund suchst, kaufst du dir am besten einen Hund“

          Der Sohn eines jüdischen Lehrerehepaars studierte Philosophie in Princeton und begann danach noch ein Medizin-Studium in New York. Dieses schmiss er aber nach kurzer Zeit und ging zur Armee. Zwei Jahre später zog es ihn an die Wall Street. 1961 startete er als einfacher Aktienhändler. Mit seiner Firma Icahn Co. and Inc. begann er in den achtziger Jahren, reihenweise in Unternehmen zu investieren. Für angeschlagene Firmen entwickelte er bald ein besonderes Faible. Seine Strategie: Für einen Schnäppchenpreis einsteigen und die profitablen Unternehmensteile mit Gewinn weiterverkaufen.

          Aus seinem Geschäft mit der Fluglinie Trans World Airlines (TWA) entstand am Ende sogar ein Film, der sich um die Moral der Finanzmärkte dreht. Icahn war 1985 bei TWA eingestiegen, 1993 verkaufte er. In der Zwischenzeit musste TWA einmal Insolvenz anmelden und häufte einen Schuldenberg von mehr als 500 Millionen Dollar an. Für Icahn war es trotzdem ein gutes Geschäft, bei dem er auch kein Problem sah: „Wenn du einen Freund suchst, dann kaufst du dir am besten einen Hund“, soll er nach seinem Einstieg bei der Fluglinie einem Mitarbeiter gesagt haben.

          Sein Ruf als aggressiver Großinvestor, der sich einkauft und seinen Willen durchsetzt, hat sich über die Jahre gehalten. Auch die Onlineplattform Ebay bekam das zu spüren. Nachdem sich Icahn eingekauft hatte, forderte er Ebay auf, den Online-Bezahldienst Paypal an die Börse zu bringen. Die Lenker der Plattform waren dagegen, doch am Ende setzte sich abermals der kampferprobte Icahn durch. Im Juli 2015 ging Paypal an die Börse und macht seitdem seinen Investoren Freude, während es bei Ebay bescheidener läuft. Icahn dürfte das egal sein. Er ist mit dem Börsengang bei Ebay aus- und bei Paypal eingestiegen.

          Zwei Milliarden Dollar mit Apple-Aktien verdient?

          Bekanntschaft mit dem Vorstandsschreck hat auch Apple-Chef Tim Cook gemacht. Im August 2013 stieg Icahn bei dem iPhone-Konzern ein. Im Laufe der Zeit kaufte er Aktien von mehreren Milliarden Dollar und forderte, dass der Konzern über Aktienrückkäufe und Dividenden seine Anteilseigner stärker an den Milliardengewinnen beteiligt. Im Mai 2015 schrieb er in einem offenen Brief an Apple-Chef Cook, die Apple-Aktie sei dramatisch unterbewertet. Der Konzern müsse endlich seine riesigen Bargeldvorräte nutzen. Ähnlich ging er auch schon bei Computerbauer Dell vor.

          Gut ein Jahr später, im April 2016 stieg Icahn bei Apple aus – nachdem der Konzern seine Ausschüttungen um 50 Milliarden Dollar erhöht hatte. Er sorge sich um das China-Geschäft des iPhone-Konzerns, sagte Icahn. Die Behörden könnten es Apple sehr schwierig machen, weiter dort zu verkaufen. Gelohnt hat sich das Investment aber zweifellos: Etwa zwei Milliarden Dollar will Icahn mit Apple-Aktien verdient haben.

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          Das Geld aus all seinen Geschäften fließt allerdings nicht nur in immer neue Unternehmen. Auch Carl Icahn spendet, wie Bill Gates, Mark Zuckerberg und viele andere amerikanischen Großverdiener, regelmäßig einen Teil seiner Einnahmen. Seinem Heimatstadtteil Queens gab der New Yorker zum Beispiel zehn Millionen Dollar zum Bau einer Leichtathletik-Arena. Dafür prangt sein Name nun auf dem Stadiondach. Seiner alten Universität in Princeton lässt er ebenfalls regelmäßig Geld zukommen. Mit seiner zweiten Frau Gail sitzt er zudem im Vorstand der „Stiftung für eine bessere Chance“, mit der das Ehepaar in der Bronx drei Schulen gebaut hat, wo auch ein nach ihm benanntes Frauenhaus steht.

          Für seine Tätigkeit als Trumps Berater soll Icahn keinen Cent erhalten. Er wird es verkraften. Nach eigenen Angaben verließ er Trumps Wahlparty am Dienstagabend, um eine Milliarde Dollar neu in Aktien zu investieren. Mit der Kurs-Rally nach der Präsidentschaftswahl dürfte er gut verdient haben.

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