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Ganz besondere Filiale : So sieht es im ersten Starbucks in Italien aus

  • Aktualisiert am

Den Boden verzieren kleine Mosaike. Bild: Reuters

Die Kaffeehauskette Starbucks gibt es überall, bloß nicht in Italien. Jetzt haben die Amerikaner im Mutterland der Kaffeekultur die erste Filiale eröffnet.

          2 Min.

          Die Kaffeehauskette Starbucks hat am Donnerstag in Italien die erste Filiale eröffnet. Das Café in Mailand ist nach Standorten in Seattle und Schanghai zugleich der dritte sogenannte Flagship Store des Unternehmens. Weitere sollen im kommenden Jahr in New York, Chicago und Tokio folgen.

          (Lesen Sie hier den Bericht unseres Korrespondenten über den größten Starbucks der Welt in Schanghai.)

          Das Café in Mailand ist keine typische Starbucks-Filiale. Sie soll den Fokus auf die „Kundenerfahrung“ statt auf den schnellen Verzehr legen. Im Laden werden die Kaffeebohnen tatsächlich frisch geröstet. Kunden haben aber auch alkoholische Getränke sowie Pizza zur Auswahl.

          Das Unternehmen zögerte lange mit der Expansion nach Italien. Schließlich waren es die Italiener, die aus der Kaffeezubereitung eine Kulturleistung und aus dem Kaffeetrinken ein nationales Ritual gemacht haben. Es waren italienische Kaufleute, die in der frühen Neuzeit den Handel mit Kaffeebohnen dominierten. Es waren italienische Ingenieure, die sich die chromglänzende Espressomaschine für den Profi-Barista und die unverwüstliche Schraubkanne für den heimischen Herd ausgedacht haben. Und es sind Millionen von Italienern, die bis heute Tag für Tag zeigen, was sie unter Kaffeekultur verstehen – das Gegenteil dessen, was bei Starbucks angeboten wird.

          Der jetzige Zug ist von langer Hand geplant. Geld spielt dabei offensichtlich keine Rolle, hier geht es ums Prestige. „Wir kommen nicht hierher, um den Italienern zu zeigen, wie man Kaffee macht“, sagte der damalige Chef Howard Schultz im vergangenen Jahr. „Wir kommen hierher mit Demut und Respekt. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben.“

          Schon vor anderthalb Jahren beteiligte sich Starbucks an einer Mailänder Edelbäckerei, die seit ein paar Wochen in Seattle frisch gebackenes Brot aus dem Holzofen, Focaccia und Crostata anbietet. Sie wird auch die Speisen für das Kaffeehaus in Mailand (und, so ist es geplant, alle weiteren italienischen Lokale) liefern. Als zweiten wichtigen Partner, der die italienische Seele und den italienischen Geschmack kennt, hat Schultz den erfolgreichen Einzelhandels- und Immobilienunternehmer Antonio Percassi aus Bergamo auf seine Seite gebracht, der so klangvolle Namen wie Ferrari, Gucci und Victoria's Secret zu seinen Kunden zählt und im Nebenberuf Präsident des örtlichen Fußballvereins ist. Seine Firma wird als Franchisenehmer alle künftigen Starbucks-Häuser in Italien betreiben.

          Ein Barista bereitet an der Bar einen Kaffee zu. Bilderstrecke

          Man investiere einen zweistelligen Millionenbetrag in das Gebäude, sagte Schultz, als er beim Bürgermeister von Mailand vorsprach. Und man werde 350 Arbeitsplätze schaffen, nicht zuletzt für Migranten und Leute, die sich auf dem Arbeitsmarkt sonst schwertun. Gut Wetter hatte Starbucks schon vorher gemacht, als Sponsor einer Grünanlage auf dem Mailänder Domplatz. Angepflanzt wurden Palmen und Bananenstauden, das war die Idee der Stadtverwaltung. Es gab heftige Proteste gegen das exotische Grün. Schultz deutete das wie ein Gleichnis: "Am Anfang sind die Mailänder kritisch. Aber dann werden sie zu Fans."

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