https://www.faz.net/-gqe-6m88u

Starbucks-Chef Howard Schultz : Politikerdresche aus dem Kaffeehaus

Howard Schultz: „Die gewählten Vertreter unseres Landes haben versagt” Bild: REUTERS

Howard Schultz ist bislang nicht als politischer Aktivist aufgefallen. Doch im Zuge des Hauens und Stechens zwischen Republikanern und Demokraten hat der Starbucks-Chef die Amerikaner nun zum Spendenboykott aufgerufen.

          Howard Schultz ist bislang nicht als politischer Aktivist aufgefallen. Der Vorstandsvorsitzende der Kaffeehauskette Starbucks unterstützt zwar wie viele andere Amerikaner auch Politiker regelmäßig mit Spenden, hat sich aber ansonsten nicht nennenswert öffentlich in politische Debatten eingemischt. Aber jetzt ist ihm offenbar der Kragen geplatzt. Das Hauen und Stechen zwischen Republikanern und Demokraten im Streit um den Defizitabbau in den Vereinigten Staaten hat Schultz auf eine radikale Idee gebracht: Amerikaner sollten Politiker bestrafen, indem sie ihnen ab sofort Wahlkampfspenden verweigern - sie also dort treffen, wo es ihnen besonders weh tut. Auf solche finanziellen Zuwendungen sind Politiker in Amerika dringend angewiesen, im Präsidentschaftswahljahr 2008 sind mehr als 5 Milliarden Dollar in Kampagnen geflossen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Starbucks-Chef hat in einem Brief, den er an eine Reihe anderer Manager verschickt hat, zu einem Spendenboykott aufgerufen. Niemand aus der Politik kommt in dem Brief ungeschoren davon, auch nicht Präsident Barack Obama, obwohl Schultz dessen Demokratischer Partei nahesteht. Schultz kündigte an, Obama und sämtliche Mitglieder des amerikanischen Kongresses würden von ihm keine Wahlkampfspenden mehr bekommen, solange keine überparteiliche Einigung gefunden wird, die den Haushalt des Landes auf lange Sicht in Ordnung bringen kann. Er forderte, dass alle Alternativen berücksichtigt werden müssen, nicht nur Ausgabenkürzungen, sondern auch Steuererhöhungen. Wegen des Widerstands der Republikaner sieht der vor wenigen Wochen beschlossene Schuldenkompromiss bisher keine höheren Steuern vor. Schultz appellierte an andere Wirtschaftslenker und überhaupt alle „besorgten Amerikaner“, es ihm mit einem Spendenboykott gleichzutun.

          „Die Vertreter des Landes haben versagt“

          Der Brief hat Schultz in Amerika viel Aufmerksamkeit beschert. Die Chefs der New Yorker Börsen Nyse Euronext und Nasdaq OMX, Duncan Niederauer und Robert Greifeld, haben ihre Unterstützung zugesagt und den Brief von Schultz an ihre Mitglieder weitergeleitet. Der Appell von Schultz kommt nur wenige Tage nachdem sich schon der Investor Warren Buffett in die Schuldendebatte eingemischt hatte. Buffett schlug in einem Gastbeitrag in der „New York Times“ vor, die Steuern für Amerikaner mit einem Einkommen von mehr als einer Million Dollar zu erhöhen.

          In seinem Brief findet Schultz deutliche Worte: „Die gewählten Vertreter unseres Landes haben versagt“, schimpfte er. Es sei in dem Schuldenstreit nur um Parteipolitik und Ideologie gegangen und nicht um das Wohl der Amerikaner, mit verheerenden Folgen: „Sie haben die volle Vertrauens- und Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten untergraben.“ Wie viele andere Wirtschaftslenker habe er diese Diskussion erst mit Frustration und irgendwann mit Bestürzung verfolgt, und dies habe ihn zu seinem Appell bewogen.

          Unternehmen sollen Arbeitsplätze schaffen

          Den Spendenboykott verbindet Schultz mit einem zweiten Appell: Er fordert amerikanische Unternehmen auf, bei allem Unmut über die Politik selbst die Initiative zu ergreifen und Arbeitsplätze zu schaffen. „Unsere Wirtschaft ist in einem Zyklus von Angst und Unsicherheit festgefroren“, schreibt er. Verbraucher trauen sich nach seinen Worten nicht, Geld auszugeben, und Unternehmen stellen kein Personal ein. Dabei verfügten viele Unternehmen über gewaltige und ständig wachsende Barmittel, schreckten aber davor zurück, die Liquidität für Investitionen und Personalrekrutierungen zu nutzen.

          Der 58 Jahre alte Schultz verspricht daher, bei Starbucks Arbeitsplätze zu schaffen, und appelliert an andere Unternehmen, es ihm gleichzutun: „Zuversicht ist ansteckend. Wir warten nicht darauf, dass die Regierung Anreize schafft. Wir warten nicht auf bessere konjunkturelle Indikatoren, um zu handeln.“ Starbucks selbst hat seit Jahresanfang nach eigenen Angaben 36.000 Mitarbeiter eingestellt. Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres 2009/2010 (31. Oktober) arbeiteten weltweit 137.000 Menschen für die Kaffeehauskette.

          Freilich hat Starbucks auch seine Erfahrungen mit Entlassungen: Zwischen 2007 und 2009 kämpfte das Unternehmen mit großen Schwierigkeiten, die zum Teil mit der allgemeinen Wirtschaftskrise zu tun hatten, zum Teil aber auch ihre Ursache in einer übereilten Expansion hatten. Starbucks sah sich daher gezwungen, Hunderte Filialen zu schließen und sich von Zehntausenden von Mitarbeitern zu trennen. Das Geschäft hat sich mittlerweile aber wieder stabilisiert. Starbucks war zuletzt wieder auf Wachstumskurs und baut nun auch sein Filialnetz wieder aus.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.