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Infrastruktur : Standorte der Chemie im Blick von Investoren

Infrastruktur für die Chemie: Industrieanlagen in Frankfurt-Höchst Bild: Frank Röth

Eigner des früheren Stammwerks von Hoechst liebäugeln mit einem möglichen Verkauf. Nicht zum ersten Mal. Bayer hat Ähnliches vor zwei Jahren durchgezogen.

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          Die Branche der Chemiestandort-Betreiber gerät in Bewegung. Nachdem Bayer und Lanxess ihren Standortbetreiber Currenta verkauft haben, prüfen Eigentümer des großen Geländes in Frankfurt-Höchst neuerlich einen Verkauf – zwanzig Jahre nach einem ersten solchen Anlauf, als sie konkrete Verhandlungen abbrachen.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht um die Gesellschaft Infraserv Höchst, die das frühere Stammwerk des zerschlagenen Hoechst-Konzerns betreibt und Milliardenwert hat. Eigner haben nach F.A.Z.-Informationen mit Investmentbanken über einen Verkaufsprozess gesprochen. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es, wie konkret das Vorhaben schon geworden ist. Mehrere Quellen aus Finanz- wie auch Branchenkreisen sagten, es sei von den Investmentbanken noch keine für ein Mandat ausgewählt worden. Die drei Haupteigner Celanese, Clariant und Sanofi hätten unterschiedliche Neigung zu einem Verkauf, eine endgültige Entscheidung falle noch. Ein hoher Manager aus dem Eignerkreis rechnete damit für das erste Quartal. Möglich ist auch, dass nicht alle Parteien ihren Anteil verkaufen.

          Unternehmensberater analysieren Kosten

          Nach Informationen der F.A.Z. hat Infraserv in den vergangenen Monaten ein großes internationales Beratungsunternehmen für eine gründliche Kosten- und Strukturanalyse ins Haus geholt. Das könnte als Vorbereitung interpretierbar sein, um Interessenten mit Daten für eine Due Diligence zu füttern, also eine vertiefte Unternehmensprüfung. Das Handelsblatt nannte die Deutsche Bank als beauftragte Bank für einen Verkauf. Sie sei Kandidatin für ein Mandat, hieß es dazu im Umfeld der Transaktionsüberlegungen. Möglicherweise habe einer der Ko-Eigner sie schon informell an seiner Seite, sagte eine Person. Das Haus soll schon in den Verkauf von Currenta im Jahr 2019 involviert gewesen sein. Infraserv äußerte sich nicht.

          Betreiber von Chemiegeländen – euphemistisch gerne als „Chemieparks“ dargestellt – entsorgen Abfall, reinigen Abwasser, versorgen die Betriebe mit Energie, ,stellen den Werkschutz. Die Eigentümer sind oft selbst auf dem Gelände tätig und befinden sich dann strategisch im Zwiespalt. Einerseits sehen sie Kapital in den Standorten gebunden, andererseits wollen sie den Einfluss auf die Infrastruktur wahren. Langfrist-Verträge können gewisse Sicherheit bieten, typischerweise über zehn Jahre, aber die Zeit danach ist unsicher.

          Strategischer Zwiespalt

          Infraserv Höchst ist für diesen Zwiespalt das beste Beispiel: Anfang des Jahrtausends sprachen nach damaligen Informationen aus der Branche die Ko-Haupteigner Celanese, Clariant und Aventis als Sanofi-Vorgängergesellschaft konkret über einen Verkauf. Und zwar vorwiegend mit Private-Equity-Gesellschaften, die damals in Deutschland noch nicht so bekannt waren – was sich wenige Jahre später ändern sollte, maßgeblich auch mit dem Erwerb Celaneses durch Blackstone.

          Die Gespräche scheiterten nicht am Preis, sondern an den unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft des Chemieterrains. Grundproblem war die Sorge, ob ein künftiger Eigner das Gelände langfristig weiterentwickeln würde – weil eben die drei Unternehmen als Kunden weiter auf gute Infrastruktur angewiesen sein würden. Der frühere Celanese-Vorstand Andreas Pohlmann bestätigte auf Anfrage im Sommer 2003 die Informationen über die Verkaufsgespräche. „Wir haben mit verschiedenen Finanzinvestoren und strategischen Investoren geredet“, sagte er damals. „Die haben am Ende des Tages nicht zu einem Erfolg geführt.“ Er sagte damals, „auf absehbare Zeit“ werde es nun keine Veränderung in der Eigentümerstruktur geben; allerdings beobachte man das Umfeld weiter.

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