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Stahlwerk verkauft : Thyssen Krupp will Geld von Aktionären

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der angeschlagene Konzern Thyssen Krupp will zwei Stahlwerke verkaufen. Eines davon bekommt er jetzt los. Ein anderes bleibt ihm aber erst mal erhalten. Jetzt plant Thyssen Krupp eine Kapitalerhöhung.

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          ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger kann den angeschlagenen Mischkonzern nur mit gebremsten Tempo aus der Misere bringen. Zwar kann der Manager nach einer langen Hängepartie eines der beiden Problem-Stahlwerke in Übersee für rund 1,1 Milliarden Euro verkaufen. Nach dem Deal mit Arcelor Mittal und Nippon Steel für das amerikanische Werk bleibt der Konzern aber zunächst auf der verlustreichen Anlage in Brasilien sitzen. Zudem muss Hiesinger den 2012 mit dem finnischen Outokumpu -Konzern erzielten Milliarden-Deal zum Verkauf seiner Edelstahltochter zum Teil rückabwickeln. Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr ThyssenKrupp einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro ein - im Vorjahr waren es allerdings fünf Milliarden Euro Miese gewesen. Eine Dividende soll es erneut nicht geben. Der Konzern plant nun eine Kapitalerhöhung.

          Diese soll unter Ausschluss des Bezugsrechts bis zu zehn Prozent betragen, teilte Thyssen Krupp in der Nacht zum Samstag mit. Rein rechnerisch könnte Thyssen Krupp bei dem gegenwärtigen Aktienkurs und ohne Abschlag rund eine Milliarde Euro einnehmen. Wann es dazu kommt, ließ der Konzern offen. Dies hänge auch von den Bedingungen des Kapitalmarktes ab.

          Thyssen Krupp drückten zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13 (per Ende September) Schulden von fünf Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) der fortgeführten Geschäfte sei inklusive der amerikanischen Stahlwerke im vergangenen Geschäftsjahr auf 599 Millionen Euro von 399 Millionen Euro gestiegen. Im laufenden Geschäftsjahr solle diese Wert auf eine Milliarde Euro steigen. Nähere Angaben will Hiesinger im Laufe des Samstags machen. Die wegen der fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen vom 21. November auf den 2. Dezember verschobene Bilanzpressekonferenz zieht das Unternehmen auf Samstag vor.

          Eine lange Suche ist beendet

          Anderthalb Jahre hatten Hiesinger und Finanzchef Guido Kerkhoff nach Käufern für die Stahlwerke in Brasilien und den Vereinigten Staaten gesucht. Weltmarktführer ArcelorMittal und Nippon Steel griffen nun in den Vereinigten Staaten zu. Die Anlage sei das modernste Weiterverarbeitungswerk der Welt, freute sich Unternehmensboss Lakshmi Mittal. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Stunden zuvor über den bevorstehenden Deal berichtet. Hiesinger kommt mit der Transaktion zwar einen wichtigen Schritt voran, für einen Befreiungsschlag müsste er aber auch das Werk in Brasilien abstoßen. Dieses hatte den Löwenanteil der auf fast 13 Milliarden Euro explodierten Kosten verschlungen. Beide Anlagen hatte ThyssenKrupp zu Ende September noch mit 3,1 Milliarden Euro in den Büchern. Zuvor waren es nach diversen vorausgegangenen Abschreibungen 3,3 Milliarden gewesen.

          Von dem Werk in Brasilien übernehmen die Käufer des US-Werks ArcelorMittal zufolge sechs Jahre lang zwei Millionen Tonnen Rohstahl. Damit ist der Absatz der Anlage mit einer Kapazität von 5,3 Millionen Tonnen zunächst zum Teil geklärt. Das Werk in Brasilien erhalte die Option, diese Vereinbarung für weitere drei Jahre zu verlängern.

          Die Konditionen könnten für das Joint Venture von Arcelor Mittal und Nippon dann aber besser als in der Anfangsphase sein. Nach der geplanten Vereinbarung müsste das Dax-Unternehmen nachträglich Abstriche am Verkaufspreis machen, wenn sich der Stahlpreis oder das Werk weniger gut entwickelten als gedacht, hatten Insider Reuters zuvor berichtet. „Thyssen kann am Ende zufrieden sein, wenn sie nichts zurückzahlen müssen“, sagte einer.

          Hinzu kommt, dass der im vergangenen Jahr von der Börse gefeierte Verkauf der Thyssen Krupp-Edelstahltochter Inoxum im Transaktionsvolumen von 2,7 Milliarden Euro nun kleiner ausfällt. ThyssenKrupp hatte das Unternehmen an Outokumpu verkauft und den Finnen dabei einen Kredit von rund 1,25 Milliarden Euro gegeben. Diesen muss Outokumpu nun nicht zahlen. Stattdessen nimmt ThyssenKrupp das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den Spezialhersteller VDM zurück. Outokumpu drücken Milliardenschulden. Der Konzern hatte vergeblich versucht, Terni unter dem Druck der EU-Kommission zu veräußern. ThyssenKrupp kündigte an, sich auch von seinem Anteil von 29,9 Prozent der Anteile an Outokumpu zu trennen. „Die Veräußerung der Anteile wird in Erwartung einer Kapitalerhöhung bei Outokumpu voraussichtlich zu einem signifikanten Verlust auf unseren bilanzierten Beteiligungsbuchwert von 305 Mio Euro führen.“

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