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Stahlindustrie : Thyssen-Krupp verkauft Sparte mit 23.000 Mitarbeitern

  • Aktualisiert am

Achtung, Umbauarbeiten Bild: AP

Thyssen-Krupp hat angekündigt, den Bereich Industrial Services im nächsten Jahr zu verkaufen. Betroffen sind Aktivitäten mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro - und 23.000 Mitarbeiter.

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          Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp baut sein Servicegeschäft grundlegend um: Die Dienstleistungen für die Industrie werden zum Verkauf gestellt. Mit dem Erlös soll der Handel mit Werkstoffen stark ausgebaut werden. Die zum Verkauf stehende Sparte beschäftigt 23.000 Mitarbeiter, davon 12.000 in Deutschland, und hat zuletzt einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Industriedienstleiter bietet Gerüstbau, Montage, technische Reinigung und Wartung an und montiert beispielsweise Achsen im Leipziger BMW-Werk. „Wir haben uns schweren Herzens entschlossen, uns von den Industrial Services zu trennen und uns auf das Wachstum bei den Werkstoffdienstleistungen zu konzentrieren“, sagte Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Düsseldorf. „Wir werden es nicht schaffen, beide Teilsegmente in gleicher Weise so weiterzuentwickeln, dass sie in der Weltliga mitspielen können.“ Der Konzern konzentriere sich auf das, „was wir besser können“.

          Es handele sich um einen wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung des Unternehmens, sagte der Vorstandschef. Er dementierte Vermutungen, die Verkaufspläne könnten mit den unerwartet gestiegenen Kosten für das neue Stahlwerk in Brasilien in Zusammenhang stehen. „Die beiden Vorgänge haben nichts miteinander zu tun.“ Schulz kündigte an, auch andere Teile des Konzerns kritisch zu prüfen. „Wir werden sehen, wovon wir uns möglicherweise trennen, um das Kerngeschäft schneller auszubauen.“ Die Neuausrichtung der Servicesparte ist Teil eines Wachstumsprogramms, mit dem Thyssen-Krupp seinen Umsatz von zuletzt 51,7 längerfristig auf 65 Milliarden Euro und sein Vorsteuerergebnis von 3,3 auf bis zu 5 Milliarden Euro anheben will.

          „Wir machen uns über den Kaufpreis keine besonderen Gedanken“

          Der Verkauf werde sich voraussichtlich bis zum Herbst des kommenden Jahres hinziehen, sagte Edwin Eichler, Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp Services AG. Die Sparte soll als Gesamtpaket angeboten werden. Aber auch den Verkauf von einzelnen Teilen schloss Eichler nicht aus. Zur Höhe des zu erwartenden Kaufpreises machte er keine Angaben. Die Sparte sei hochprofitabel und verfüge über höhere Margen als die Konkurrenz. „Wir machen uns über den Kaufpreis keine besonderen Gedanken“, sagte Eichler.

          Mit Investitionen von 3 Milliarden Euro will der Konzern in den nächsten Jahren zum Weltmarktführer im Werkstoffhandelsgeschäft aufsteigen. In der Welt sieht sich das Unternehmen hier unter den fünf führenden Anbietern und in Europa als Marktführer. Das Geschäft reicht vom einfachen Handel mit Stahl- und Edelstahlprodukten bis hin zum kompletten Materialmanagement für Boeing. Die Sparte setzte zuletzt rund 10 Milliarden Euro um und hat 13.700 Mitarbeiter.

          Branchenkenner vermuten nur pflichtgemäßes Interesse

          Von den Industriedienstleistungen verbleiben lediglich die Stahlserviceaktivitäten in Deutschland und Brasilien im Konzern. Sie werden künftig in der Division Spezialprodukte (Handel mit Walzstahl und Rohren sowie Bau- und Gleistechnik) geführt. Um den Ausbau dieser Sparte (4,6 Milliarden Euro Umsatz) voranzutreiben, soll ein Investor eine Beteiligung von 30 bis 40 Prozent gefunden werden.

          Einer der Interessenten für die zum Verkauf stehenden Teile der Industriedienstleistungen könnte der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger sein. „Wir werden uns das möglicherweise ansehen und prüfen“, sagte ein Sprecher. Branchenkenner vermuten dahinter allenfalls ein eher pflichtgemäßes Interesse. Die komplette Industrieservicesparte von Thyssen-Krupp kommt für Bilfinger vermutlich nicht in Betracht, da das Hauptgeschäft die Dienste für die Automobilindustrie umfasst. Bilfinger aber hat vor allem Prozessindustrien wie die Chemie als Kundschaft und übernimmt hier Wartungs- und Instandhaltungsleistungen. Interessant für Bilfinger könnte Thyssen-Krupp Xervon sein, ein direkter, wenn auch kleinerer Konkurrent etwa bei Chemiekunden. Am interessantesten scheint der Gerüstbau von Thyssen-Krupp in den Vereinigten Staaten sein. Als weiterer Kaufinteressent kommt der amerikanische Harsco-Konzern in Betracht.

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