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Staatssparkasse : Der Abstieg der Commerzbank

  • -Aktualisiert am

„Die Bank an Ihrer Seite“: Slogan der Commerzbank von 1976 bis 2001 Bild: Illustration F.A.S., Foto Commerzbank

Die Commerzbank schrumpft sich auf Provinzniveau. Der Aktienkurs ist am Boden, ein weiterer Stellenabbau unausweichlich. Der Staat leidet als Eigentümer mit – und wird die Bank so schnell nicht loswerden.

          Die gute Nachricht vorneweg: Die Sparbücher bei der Commerzbank sind sicher. Da sei der Staat vor. Ansonsten läuft es nicht allzu rund in Deutschlands zweitgrößter Bank: Der Aktienkurs ist am Boden, ein weiterer Stellenabbau unausweichlich.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Dividende haben die Eigentümer lange nicht mehr gesehen. Dass der Steuerzahler als Großaktionär eines Tages mit Gewinn rauskommt, ist ein frommer Wunsch. Und den Befund, international nur noch zweitklassig zu sein, bekam das Traditionshaus jetzt schriftlich: Die Commerzbank fällt nicht mehr unter die Kategorie „too big to fail“.

          Konkrete Punkte statt Visionen

          Am Donnerstag nun ist Commerzbank-Chef Martin Blessing gefordert: Die Investoren wollen wissen, wo es langgeht bis zum Jahr 2016. Der Banker jedoch ist vorsichtig geworden. Zu oft hat er sich den Mund verbrannt mit kühnen Ansagen, deswegen ändert er nun die Taktik: Lieber Schwarzbrot liefern, das macht wenigstens satt.

          Konkrete Punkte will er vorlegen, wie die Kosten zu drücken sind. Nicht viel mehr. Keine Visionen wie beim Kauf der Dresdner Bank. „Wir nutzen eine einmalige Chance und formen einen Marktführer mit europäischem Format“, hatte der Commerzbank-Chef im August 2008 getönt. Davon ist nicht viel übrig.

          Gewiss, kurz darauf ist damals Lehman kollabiert, auch sonst ist einiges in Unordnung geraten im Finanzwesen, bis hin zu der Erkenntnis, dass aus Staatsanleihen Risikopapiere werden können. Das hat auch andere überrascht. Nur, Manager werden nun mal an den Ergebnissen gemessen. Deswegen ist der Markt ziemlich ungnädig mit Blessing und seiner Bank: Der Kauf der Dresdner war nur der letzte einer Reihe von Fehlgriffen, die Milliarden an Wert vernichtet haben.

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          Eurohypo und die Bank Forum in Osteuropa, erstanden unter Blessings Vorgänger, dem heutigen Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, erwiesen sich ebenfalls als „ein einziges Fiasko“, wie Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch sagt: „Müller und Blessing haben zielsicher die Läden herausgegriffen, die im Nachhinein niemand mehr haben will. Aus Aktionärssicht hätten sie nach dem Staatseinstieg gehen müssen.“

          Der Bund wird die Bank nicht los

          18,2 Milliarden Euro hat der Staat in die Rettung der Bank gesteckt, 16,4 Milliarden davon als stille Einlagen. 25 Prozent der Aktien hält der Steuerzahler bis heute. „Je schneller wir raus sind, desto besser“, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

          Das war 2010. Und als Rainer Brüderle (FDP) noch Wirtschaftsminister war, hat er gar einen Endtermin für die Operation genannt: Spätestens 2013 sollte der Rückzug erfolgen. Bis dahin sind es noch acht Wochen, und eines ist sicher: So schnell wird der Bund die Bank nicht los. Niemand wagt es heute, überhaupt noch Termine für den Ausstieg zu prognostizieren.

          Wenn Chinesen als Interessenten durch die Gazetten geistern, sind sie ebendas: Gespenster, nicht real. „So wahnsinnig ist niemand, auch kein Ausländer, der auf den deutschen Markt will, sich diesen Klotz ans Bein zu binden“, sagt ein Investor. Ganz abgesehen davon, dass Chinesen oder Russen der Politik als Käufer kaum vermittelbar wären, auch wenn Regierungsleute brav sagen, dass „jeder Investor willkommen“ sei.

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