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Landesbank : Die HSH Nordbank zittert vor der Zukunft

Die HSH Nordbank in Kiel. Bild: dpa

Die Entscheidung der EU-Kommission über die Rechtmäßigkeit von Staatsgarantien naht. Den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein droht ein Milliardenverlust.

          Die HSH Nordbank steht vor einem heißen Herbst, wieder einmal. Vor einem Jahr schnitt die Landesbank mit Sitz in Hamburg und Kiel im Stresstest der europäischen Bankenaufsicht von allen deutschen Landesbanken am schlechtesten ab. Die HSH Nordbank bestand den Krisenanfälligkeitstest nur, weil die Träger, die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, ihre Garantien, mit denen sie für Verluste herangezogen werden können, von 7 auf 10 Milliarden Euro aufgestockt hatten. Diese Garantien allerdings hat die EU-Kommission noch nicht als Beihilfe genehmigt - bis heute nicht. Doch die Entscheidung naht.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Garantien sind teuer, allein im ersten Halbjahr 2015 kosteten sie die Bank 468 Millionen Euro. „Da reden wir über eine Garantie, die die Bank niederdrückt“, hat Finanzvorstand Stefan Ermisch Ende August zugegeben. Aber wenn die EU-Kommission die Garantien nicht nachträglich genehmigt, wäre - das hat der Bankvorstand auch durchblicken lassen - die HSH Nordbank wohl ganz am Ende. Dann wären wohl nicht nur die 3 Milliarden Euro verloren, die Hamburg und Schleswig-Holstein 2009 mitten in der Finanzkrise in die taumelnde Landesbank stecken mussten. Dann käme es für die klammen Staatshaushalte der Nordländer jetzt noch dicker. Denn die beiden staatlichen Bankträger haften auch noch für alte Anleihen der HSH Nordbank, welche die Landesbank noch zur Zeit der automatischen Staatshaftung ausgegeben hat.

          Diese alten Anleihen mit den seit 2005 verbotenen Staatsgarantien, von denen die HSH Nordbank vor einem Jahr noch 11 Milliarden Euro vergeben hatte, muss die Bank allerdings in diesem Jahr noch an die Gläubiger zurückzahlen. Dies sollte angesichts der von der EZB beförderten Liquiditätsschwemme möglich sein. Darauf hoffen auch die Bundesländer, die aber auf andere Weise an der Misere der Bank leiden werden. Denn die nötige Umschuldung dürfte nur zu höheren Zinskosten als bisher gelingen, weil der Staat nicht mehr als Bürge hinter den Anleihen stehen darf.

          Die HSH Nordbank braucht mehr Eigenkapital

          Dies ist nicht der einzige Grund, warum die EU-Kommission und die EZB-Bankenaufsicht erkennbar daran zweifeln, ob das Geschäftsmodell der HSH Nordbank dauerhaft trägt. Schließlich hat der Stresstest auch offen gelegt, dass die Bank bis 2019 noch mit Gewinnen ihr Eigenkapital erheblich aufstocken oder kräftig schrumpfen muss. Denn die 2019 geltenden schärferen Eigenkapitalanforderungen erfüllt die Bank heute noch bei weitem nicht. Weil sie nur bescheidene Gewinne - im ersten Halbjahr 2015 nach Steuern 147 Millionen Euro - erzielt, gibt es einen anderen Plan: Die Bank verkauft ihre notleidenden Kredite, von denen sie bedrückend viele hat. „Wir können die Altlasten nicht tragen und müssen uns davon trennen“, hat der Vorstandsvorsitzende Constantin von Oesterreich zugegeben.

          Doch anders als die Commerzbank, die viele Schiffsfinanzierungen an Hedge-Fonds verkaufen konnte, biss bei der HSH Nordbank kaum ein Käufer an. Deshalb sollen jetzt die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg der HSH Nordbank diese Kredite abnehmen und dafür eine staatliche Bad Bank gründen. Das Abwerfen der faulen Kredite an die Länder darf aber nur zu Marktwerten erfolgen - sonst wäre es abermals eine staatliche Beihilfe, die Brüssel mit hoher Sicherheit nicht oder nur unter ganz scharfen Auflagen genehmigen würde.

          Fraglich ist, ob die von der HSH Nordbank bisher bilanzierten Kreditwerte bei einem Verkauf am Markt tatsächlich zu erreichen sind. Nach einer Investorenpräsentation von Ende Mai hat die Bank fast 16 Milliarden Euro an faulen Krediten, was einer Quote von schon kritischen 23 Prozent entspricht. Gutachter aber halten den von der HSH Nordbank bilanzierten Wert der Kredite für zu hoch und nicht am Markt erzielbar. Also selbst wenn die EU-Kommission einen Verkauf der Kredite an Schleswig-Holstein und Hamburg erlaubt, dann wohl nur zu einem Abschlag auf den Bilanzwert. Käme es so, müsste die HSH Nordbank die Differenz zwischen Bilanz- und Marktwert auf ihr ohnehin knappes Eigenkapital als Abschreibung vornehmen.

          Die Schiffsfinanzierung ist riskant

          Hinzu kommt: Mit Rund 20 Milliarden Euro und damit fast einem Fünftel der Bilanz hat die HSH Schiffe finanziert. Die EZB als neue Bankenaufsicht verlangt selbst bei noch nicht leistungsgestörten Schiffskrediten wegen der seit Jahren erhöhten Risiken der Branche zusätzlich Eigenkapital als Verlustpuffer. Damit gerät das Geschäftsmodell der HSH Nordbank als lange größter Schiffsfinanzierer der Welt auch von Aufsichtsseite unter Beschuss.

          Die Bank ihrerseits versucht ihre Existenzberechtigung und ein funktionierendes Geschäftsmodell durch ein sprunghaftes Kreditneugeschäft nachzuweisen. Im ersten Halbjahr hat HSH ein Viertel mehr Kredite vergeben als im Vorjahr und sucht ihr Kreditportfolio weg von Schiffen und stärker auf die Energie-, Ernährungs- und Gesundheitsindustrie sowie auf Logistik und Handel zu verändern. Allerdings munkeln Konkurrenten, dies gelinge nur zu schlechten Margen.

          Der HSH Nordbank und ihren Trägern weht also der Herbstwind kräftig ins Gesicht. Falls Brüssel die Staatsgarantien nicht erlaubt und die Bank dann abgewickelt werden müsste, stünden die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg in der Haftung. Darüber hinaus ist die HSH Nordbank Mitglied der Sicherungsreserve aller Landesbanken, darunter LBBW, HSH Nordbank und Nord LB. Diese wittern schon, dass sie sich bei einer Abwicklung der HSH Nordbank wichtige Teile sichern könnten, wie es der Helaba bei der West LB gelang. Allerdings ist die HSH Nordbank nicht eng mit den Sparkassen verwurzelt. Viele Landesbanken aber intensivieren gerade die Zusammenarbeit mit den Sparkassen. Auch weil die HSH Nordbank auf diesem Feld wenig zu bieten hat, ist es unsicher, wie es mit ihr weitergeht.

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