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Malaysia : Staatsfonds-Plünderung erreicht Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs schlittern immer tiefer in den Skandal um den malaysisch Staatsfonds 1MDB. Bild: Reuters

Die Banker von Goldman Sachs haben betrogen und bestochen, um Geschäfte in Malaysia zu machen. Nun werden sie angeklagt, der Aktienkurs der Bank bricht ein.

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          Ausgerechnet Malaysia treibt Goldman Sachs in eine Krise: Denn der neue Ministerpräsident Mahathir Mohamad, der nie Angst vor großen Tieren hatte, lässt die Machenschaften der Investmentbanker beim Plündern des Staatsfonds 1MDB aufklären. Das kostet die Bank, die rund um die Erde tief mit der Politik verwoben ist, derzeit Milliarden. Im Handel sank der Kurs der Goldman-Sachs-Aktie in der Nacht auf Dienstag um 7,5 Prozent.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vorangegangen war die Ankündigung des malaysischen Finanzministers, Lim Guan Eng, sich alle Gebühren zurückzuholen, die die Goldmänner bei ihren unrechtmäßigen Geschäften in Malaysia eingestrichen haben. Analysten schätzen, die Bank stünde vor einem Risiko von bis zu 2 Milliarden Dollar, rechnet man Schadensersatz und Strafen zusammen. „Goldman Sachs hat Dinge getan, die falsch sind“, legte der neue malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad am Dienstag in Singapur nach. „Die Compliance (hausinterne Überwachung) funktioniert bei Goldman Sachs nicht gerade gut.“

          Es geht um den Ruf

          Gerade erst haben amerikanische Staatsanwälte Klage gegen drei einst führende Manager von Goldman Sachs eingereicht. Die Bank selbst ist bislang nicht verklagt worden und erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zusammen. Und so geht es derzeit denn auch weniger um die Höhe der drohenden Schadenersatzleistungen, als um die Rufschädigung von Goldman Sachs.

          Offen ist auch, was noch an schlechten Nachrichten auftauchen wird, je tiefer die Staatsanwälte in der Schweiz, in Singapur, in New York oder Hongkong den Fall 1MDB aufbohren. Manch einer im Finanzgewerbe erinnert der neuerliche Fall schon an den Ansehensverlust der Bank nach der Finanzkrise 2009, wo sie für viele Menschen zum Synonym eines gefährlichen Finanzkapitalismus geworden war.

          Nun dreht sich alles darum, in welchem Maße Goldman-Sachs-Banker in Südostasien betrogen und bestochen haben: 2012 und 2013 sorgten sie dafür, dass der Staatsfonds 1Malaysia Development Bhd gut 6 Milliarden Dollar in Anleihen begeben konnte. Die Gebühren der Bank werden auf rund 600 Millionen Dollar geschätzt. Der frühere Südostasien-Chef von Goldman, der junge Lebemann Tim Leissner, gab gerade zu, bestochen zu haben, um die Anleihen plazieren zu können. Zugleich habe er überzogene Gebühren verlangt. Rund 200 Millionen Dollar aus den Einnahmen soll er auf sein Privatkonto umgeleitet haben.  

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