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Staatsbank : Die KfW ist nicht zu bremsen

„KfW“ heißt die drittgrößte Bank in Deutschland. Die Buchstaben sind die Abkürzung des alten Namens aus der Nachkriegszeit: „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ Bild: obs

Alle Banken schrumpfen. Nur die eine nicht: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat sich heimlich, still und leise zu einer gigantischen Staatsbank gemausert.

          Die KfW ist eine Bank, die man einfach liebgewinnen muss. Ihre Konferenzen sind CO2-neutral, ihr Bürogebäude ist im höchsten Maße energieeffizient, und auf dem Dach summen die Bienen, seit dort Bienenstöcke stehen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die staatliche Bank gehört zu Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern, Behinderte bekommen bessere Chancen als in den meisten anderen Unternehmen, und schon vor knapp 40 Jahren wurde hier der erste Betriebskindergarten eingerichtet. Frauen nehmen jede vierte Führungsposition ein, 2015 soll es jede dritte sein. Man spendiert der TU München einen Lehrstuhl, man gibt der Senckenberg-Gesellschaft zur Förderung der Artenvielfalt Geld und sponsert den Frankfurter Zoo. Patentier ist ein niedlicher Kiwi-Vogel.

          Dank Staatsgarantie kann sich die KfW günstig Geld leihen

          Selten hatte der Finanzkapitalismus ein so gefälliges Antlitz. Dahinter verbirgt sich eine Bank, die sich nach und nach in eine unumstrittene und für Politiker zumindest unersetzliche Position gebracht hat. Und um das Maß vollzumachen, ist die Bank auch noch wirtschaftlich höchst erfolgreich. Nur die Deutsche Bank macht in Deutschland noch höheren Gewinn.

          “2010 und 2011 waren die besten Jahre in der Geschichte der KfW“, sagt Vorstandschef Ulrich Schröder. Das ist ein auffälliges Statement in einer Phase, in der die klassische Bankenwelt ächzt unter Finanzkrise, Eurokrisen und neuen Vorschriften, die das private Bankgeschäft sicherer und krisenresistenter machen sollen.

          Wie macht die KfW das? Die staatliche Bank genießt Privilegien: Sie zahlt keine Steuern, und sie registriert jedes Jahr mit stiller Genugtuung, dass sie ihre Gewinne nicht ausschütten muss, genauer: nicht ausschütten darf. Das sagt das Gesetz, das die Politik davon abhält, sich zu bedienen.

          Doch entscheidend ist etwas anderes. Chef Ulrich Schröder lässt eine Binsenweisheit aus dem Bankwesen los: „Der Gewinn wird besonders im Einkauf, also der Refinanzierung erreicht.“ Übersetzt heißt das: Die Bank, die sich das Geld, das sie verleihen will, selbst besonders günstig besorgen kann, fährt am besten.

          Die Krise hat die Bedingungen für die KfW dramatisch verbessert

          Keine Bank auf der ganzen Welt hat vermutlich bessere Refinanzierungskonditionen als die KfW. Der einfache Grund dafür ist, dass der deutsche Staat für das Institut garantiert. Die Garantie hat gravierende Folgen: Wenn die KfW sich auf dem Kapitalmarkt Geld über Anleihen holt, bekommt sie es um bis zu 150 Basispunkte (1,5 Prozent) günstiger als die private Konkurrenz. Die Staatsbank leiht sich Geld für zwei Prozent, private Geschäftsbanken müssen mehr als drei Prozent aufwenden. Das sind Welten. Das AAA-Rating für das Institut bestätigt die weitgehende Risikofreiheit des Musterknaben. Und ein solches Rating ist im globalen Bankwesen nahezu singulär

          In alten Zeiten, vor der Bankenkrise, war der Zinsabstand zur Konkurrenz deutlich geringer: Da bezahlte die KfW nur 0,15 Prozent (oder 15 Basispunkte) weniger als die Deutsche Bank. Für kein Bankinstitut haben sich durch die Krise die Bedingungen also dramatischer verbessert wie für die KfW. Und das ist insofern ein Treppenwitz der deutschen Wirtschaftsgeschichte, als die Finanzkrise zunächst eine Krise der öffentlichen deutschen Banken war inklusive der KfW. Denn deren Beteiligung IKB hatte sich verzockt, am Ende verlor die KfW selbst dadurch rund acht Milliarden Euro. Schaut man heute in das Zahlenwerk, dann ist es so, als ob das Fiasko nie geschehen sei.

          „Wir wollen eine gute Bank sein“: KfW-Chef Ulrich Schröder

          Auch der gewaltige Reputationsschaden scheint längst überwunden: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte aufgedeckt, dass die KfW nach dem berüchtigten Lehman-Wochenende der amerikanischen Investment-Bank rund 300 Millionen Euro überwiesen hatte im Zuge eines Währungsgeschäftes. Das Geld schien futsch, und die Bildzeitung titelte: „Deutschlands dümmste Bank.“ Ulrich Schröder war gerade frisch im Amt. Noch heute seufzt er vernehmbar: „Es nützt ja die beste Risikokontrolle nichts, wenn die Risikomanager keine Zeitung lesen.“

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