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Staatsbank : Commerzbank feilt an der Kapitalstruktur

Die Commerzbank hat am Donnerstag ihr Eigenkapital um 10 Prozent erhöht und damit 626 Millionen Euro erlöst Bild: dapd

Die teilverstaatlichte Bank tauscht Aktien gegen Hybridanleihen. Die neuen Aktien finden reißenden Absatz. Eine weitere Kapitalerhöhung aber wird es in diesem Quartal nicht geben. Der Bund hält seine Sperrminorität aufrecht.

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          Die teilverstaatlichte Commerzbank hat auf die künftig verschärften aufsichtsrechtlichen Kapitalvorschriften (Basel III) reagiert und eine kleine Grundkapitalerhöhung gegen Sacheinlage im Umfang von 118 Millionen Aktien im Wert von 626 Millionen Euro eingeleitet. Damit optimiert die Commerzbank nach eigenen Angaben ihre 1329 Millionen Aktien umfassende Kapitalstruktur und erzielt dem Vernehmen nach einen Buchgewinn im ersten Quartal 2011 zwischen 300 und 340 Millionen Euro.Gleichzeitig schloss die Commerzbank eine weitere Kapitalerhöhung bis zum Ende des ersten Quartals 2011 aus, mit der einige Anleger zur Rückzahlung des Staatsgeldes rechnen. Vielmehr hält der Bund seine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie auch nach der Kapitalerhöhung vom Donnerstag aufrecht. Da das Bezugsrecht für Altaktionäre ausgeschlossen ist, wandelt der Bund 150 Millionen von 16,4 Milliarden an stillen Einlagen in neue Commerzbank-Aktien um. Geld fließt dabei nicht. Das Grundkapital der Commerzbank steigt damit zunächst nur moderat um insgesamt 13.3 Prozent.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Commerzbank plant nicht, im ersten Quartal 2011 weiteres Kapital aufzunehmen oder eine weitere Kapitalerhöhung bekanntzugeben“, sagte ein Sprecher gegenüber dieser Zeitung. Das „Damoklesschwert“ einer großen Kapitalerhöhung laste damit weiterhin auf dem Kurs, kommentierten Aktienanalysten und empfahlen am Donnerstag oft, die Aktie der im Winter 2008/2009 teilverstaatlichten Bank zu verkaufen. Der Kurs der Commerzbank gab am Donnerstag in Reaktion auf die Kapitalerhöhung auch um rund 3 Prozent auf 5,40 Euro nach. Da sich der Gewinn der Bank nun auf mehr Aktien verteilt, war eine negative Kursreaktion aber durchaus zu erwarten gewesen und blieb im üblichen Rahmen.

          Am Ende wurden alle neuen Aktien für 5,30 Euro verkauft

          Die am Donnerstag gestartete, komplizierte Transaktion, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates steht, erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst ließ die Commerzbank am Donnerstag von einem Bankenkonsortium 118,1 Millionen neue Aktien verkaufen. Europäische Aktien- und Hedge-Fonds stürzten sich auf die Papiere, so dass die zunächst von 5,15 bis 5,35 Euro reichende Kursspanne schnell auf 5,25 bis 5,35 Euro verengt werden konnte. Am Ende wurden alle neuen Aktien für 5,30 Euro verkauft, bevor die amerikanischen Börsen öffneten. Anders als geplant mussten die Aktien damit nicht auch noch amerikanischen Fonds angeboten werden.

          In einem zweiten Schritt will die Commerzbank die Tatsache ausnutzen, dass ihre Hybridanleihen (Preferred Trust Securities) derzeit weit unter dem Nennwert notieren. Die Commerzbank hat die Schweizer Credit Suisse beauftragt, die Hybridanleihen zu einem kleinen Aufschlag zum Marktpreis von Anlegern abzukaufen. Anschließend soll Credit Suisse die Anleihen der Commerzbank liefern und dafür bis zu 118 Millionen neue Commerzbank-Aktien erhalten. Diese Aktien hat Credit Suisse am Donnerstag schon im Voraus an Anleger verkauft.

          Ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro dürfte bleiben

          Für die Commerzbank hat die Transaktion den Vorteil, dass sie die Differenz zwischen Rückkaufs- und Nennwert der Anleihen als Gewinn verbuchen kann. Er soll dem Vernehmen nach zwischen 300 Millionen und 340 Millionen Euro betragen und im ersten Quartal 2011 gebucht werden. Hinzu kommt, dass die Hybridanleihen als Zwitter zwischen Eigen- und Fremdkapital von den Aufsehern nicht mehr als hochwertiges Kapital einer Bank anerkannt werden. Da die Commerzbank aber das Hybridkapital gegen die am Donnerstag bekannt gegebenen Eigenkapitalerhöhung quasi tauscht, verbessert sich die „harte“ Kernkapitalquote der Commerzbank, auf die Aufseher künftig blicken, um 0,36 Prozentpunkte auf mehr als 12 Prozent.

          Zudem kehrte die Commerzbank im vergangenen Jahr wenigstens nach internationaler Rechnungslegung (IFRS) in die Gewinnzone zurück. Unter dem Strich dürfte ein Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro verbleiben. Auch im vierten Quartal 2011 soll die Bank mit Gewinn gearbeitet haben. Laut Rechnungslegung nach dem deutschen Handelsgesetz allerdings dürfte wegen Abschreibungen auf die Immobilienbank Euroyhypo abermals ein Milliardenverlust ausgewiesen werden. Diese Ankündigung sorgte im November für Ärger in Regierungskreisen, da die Zinszahlung für die Stillen Einlagen des Bundes einen Gewinn nach deutschem Recht voraussetzt. Dem Bund werden damit wohl für 2010 Zinszahlungen in Milliardenhöhe entgehen. Am Donnerstag aber unterstützte das Bundesfinanzministerium in einer Mitteilung die Kapitalerhöhung und den Tausch von Eigenkapital gegen Hybridkapital.

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