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Staatsanleihen : Die Rückkehr der Investmentbanker

Unterwegs zu neuen Geschäften Bild: Florian Sonntag

Die Investmentbanker haben wieder neue Geschäftsideen. Weil die Staaten überall auf der Welt Banken retten und Konjunkturprogramme auflegen, haben sie einen gewaltigen Bedarf an Geld. Und das beschaffen sich die Staaten mit Hilfe von Anleihen. Für Investmentbanken ist das ein lukratives Geschäft.

          Fast schien es, als werde das Bankgeschäft wieder sein wie früher: Sparbücher für die kleinen Leute, Kredite für die Unternehmen und wenig sonst. Selbst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, früher berühmt für seine Verehrung des Investmentbankings, kündigte an, nun "stabile Geschäftsbereiche" wie das Privatkundengeschäft ausbauen zu wollen. Um die Investmentbanker hingegegen - lange die schillernden Stars am Bankenhimmel - war es auffällig ruhig geworden.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch jetzt melden sie sich zurück. Vereinzelt noch, aber doch unüberhörbar, ergreifen sie das Wort. In Interviews treten sie schon wieder ganz selbstbewusst auf. "Investmentbanken haben nahezu über alle Zyklen hinweg ein hochprofitables Geschäft", tönte etwa vergangene Woche Paul Taubman, Chef des Investmentbankings der amerikanischen Bank Morgan Stanley.

          Und die Vergütungsberatung Johnson Associates meldet unter Verweis auf eine Studie, die Bonuszahlungen an die Investmentbanker würden dieses Jahr schon wieder um satte 25 Prozent steigen. Wo der Staat die Boni ausgesetzt hat, da wollen die Banken dann eben das Festgehalt der Investmentbanker erhöhen. So einfach geht das.

          Neues Selbstbewusstsein

          Das neue Selbstbewusstsein der Boni-Banker kann sich auf Zahlen stützen. Zwar kämpfen immer noch viele Banken rund um den Globus ums Überleben. Gerade aber das Investmentbanking hat in einigen Instituten schon wieder zu saftigen Gewinnen geführt. Nicht das hochgelobte Privatkundengeschäft war es, das der Deutschen Bank in den ersten Monaten dieses Jahres wieder einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro bescherte. Es war das Investmentbanking (siehe Grafik). Auch die amerikanischen Konkurrenten Goldman Sachs und JP Morgan verdienten nach einem Katastrophenjahr 2008 wieder Milliarden. Dank Investmentbanking.

          Das Comeback dieses vielgeschmähten angelsächsisch geprägten Teils des Bankgeschäfts hat vor allem eine Ursache: die guten Ergebnisse der Anleihenabteilungen. "Das Geschäft mit Unternehmens- und Staatsanleihen hat sich zuletzt gut entwickelt", bestätigt Johannes Reich, Leiter des Investmentbankings beim Frankfurter Bankhaus Metzler. Während das Geschäft mit Unternehmenskäufen, Aktienhandel und Börsengängen in vielen Banken noch vor sich hin dümpele, brumme es bei den "Bonds" wieder.

          Ausgerechnet das Investmentbanking, das vielen als Mitschuld an der Krise gilt, wird dadurch zum Profiteur der Krise. Weil die Staaten überall auf der Welt Banken retten und Konjunkturprogramme auflegen, haben sie einen gewaltigen Bedarf an Geld. Das beschaffen sie sich mit Hilfe von Anleihen. Es sind die Investmentbanken, die diese Anleihen bei den Anlegern plazieren - und damit gutes Geld verdienen.

          „Auch komplexe Wertpapiere bieten sehr gute Chancen“

          Ähnlich sieht es bei den Unternehmen aus. Weil viele Firmen wegen der Finanzkrise nicht so leicht an Kredite kommen, finanzieren sich zumindest die großen Unternehmen derzeit in großem Stil über Anleihen. Und auch sie plazieren diese über Investmentbanken bei den Anlegern. Auch daran verdienen die Investmentbanker kräftig.

          Das wird nicht alles bleiben, womit die Investmentbanker zurück ins Geschäft kommen. Ihre Pläne gehen noch viel weiter. Sie wollen mit den Papieren Geld verdienen, die der Krise erst ihre Dramatik verschafft haben: mit den Schrottpapieren. Während die Staaten überall in der Welt noch überlegen, wie sie ihre Banken von den giftigen Papieren mit den typischen Kürzeln von ABS bis CDO befreien können, entdecken findige Investmentbanker gerade dort eine geniale Geschäftsidee.

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