https://www.faz.net/-gqe-aajny

Spülen-Hersteller Schock : „Uns hilft, dass Kochen cool geworden ist“

  • -Aktualisiert am

Die Schock-Geschäftsführer Ralf Boberg (rechts) und Sven-Michael Funck Bild: Schock

Tief im Bayerischen Wald hat das Unternehmen Schock vor Jahrzehnten Spülen aus Quarzsand erfunden. Es ging ihm nie besser als heute.

          4 Min.

          Der „Godfather of Punk“ ist nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch in den Bayerischen Wald. Iggy Pop als Werbefigur in Baumkulisse für einen deutschen Hidden Champion, den Küchenspülen-Hersteller Schock aus Regen – das sieht auf den ersten Blick wie ein Missverständnis aus. Auf den zweiten nicht mehr. „Silver-Ager sind unsere erste Zielgruppe“, sagt Ralf Boberg, Geschäftsführer des Mittelständlers. Und viele von ihnen kennen Iggy Pop, haben ihn womöglich in ihrer Jugend gehört. Der Altmeister geht schließlich auch schon auf Mitte siebzig zu. Für Boberg und Schock war es Neuland, einen solchen sogenannten Testimonial an Land zu ziehen. Und es hätte sogar noch schriller kommen können: Die engagierte Agentur habe zunächst Alice Cooper favorisiert; der gelte als Schock-Rocker, das passe doch wunderbar.

          Uwe Marx
          (umx.), Wirtschaft

          Am Ende wurde es Iggy Pop, den Boberg als positiv-irritierend beschreibt, als unkonventionell, aber authentisch. All das treffe auch auf Schock zu. Das 1924 gegründete Unternehmen erfand Ende der siebziger Jahre die Quarzkompositspüle, die der guten alten Edelstahlspüle nach und nach Marktanteile wegschnappte. Mut zur Farbe ist eine Facette des Erfolgs. Etwa 40 verschiedene bietet Schock an. „Farbe ist polarisierend – und wir wollen durchaus polarisieren“, sagt Boberg. Mit einem wie Iggy Pop sei es zudem möglich, bei Endkunden bekannter zu werden – an die Schock mit seinem B2B-Geschäftsmodell normalerweise kaum herankommt.

          Bei 150 Euro geht es los

          Das vergangene Jahr war eine wichtige Wegmarke für das Unternehmen, das ausschließlich in Deutschland produziert und in Regen, wenige Kilometer vor der deutsch-tschechischen Grenze, 550 Menschen beschäftigt. Rund eine Million verkaufte Spülen waren ebenso eine neue Höchstmarke wie der Umsatz von 100 Millionen Euro. Der Exportanteil liegt bei 70 Prozent, wobei Amerika gegenüber Spülen aus Quarzsand aufgeschlossener ist als Asien. Europa ist ohnehin längst erobert. Alles in allem liefert Schock in mehr als 70 Länder. „In Schwung kam unser Markt Anfang der neunziger Jahre, aber lange nur in Europa“, sagt Boberg.

          Dass Schock-Spülen diese steile wirtschaftliche Entwicklung hergeben, liege an der Qualität und am Trend, sagen er und der zweite Geschäftsführer Sven-Michael Funck, der für den Vertrieb verantwortlich ist. „Die Spüle war mal ein rein funktionaler Ort in der Küche, an dem man sich nicht abheben konnte“, sagt Boberg. „Aber das hat sich geändert.“ Privathaushalte investieren seit Jahren immer mehr in Küchen, die vom Ort der Arbeit zum Statussymbol geworden sind. Schock profitiert davon. Mit 300 Designs und Preisen von 150 Euro an. Das oberste Segment liegt bei 500 bis 600 Euro – während eine einfache Edelstahlspüle im Baumarkt kaum mehr als 20 Euro kostet. Was hinzukommt; „Es hilft uns, dass Kochen cool geworden ist“, sagt Funck. Auch das zieht die Menschen in die Küche.

          In der Produktion in Regen kommen jedes Jahr viele Millionen Tonnen fränkischer Quarzsand an, es ist der härteste Bestandteil von Granit. Er macht 75 Prozent der Mischung aus, 20 Prozent ist Acryl, der Rest sind Farbpigmente. Die Spülen werden in großen Öfen regelrecht gebacken, die Formen stellt Schock mit eigenen Fräsmaschinen selbst her. Es gehe „sehr technisch“ zu in den rund 25 000 Quadratmeter großen Hallen, sagt Boberg. Was die Öfen wieder verlasse, müsse einen echten Stresstest bestehen. Schließlich sei keine Stelle in der Küche größerer Belastung ausgesetzt als die Spüle. Ihre Oberfläche muss bestehen, wenn sie physisch penetriert wird, der tagelang vergessene Kaffeefilter darf nicht abfärben, es darf keinen Abrieb geben, und leichte Reinigung wird ohnehin vorausgesetzt.

          Weitere Themen

          Interesse an Großprojekten

          Investoren aus dem Ausland : Interesse an Großprojekten

          Deutschland verzeichnet in der Pandemie einen Rückgang von ausländischen Investoren, berichtet die bundeseigene Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Der Trend geht zu Großprojekten, wie die Batteriefertigung von Stellantis oder das Tesla-Werk in Brandenburg.

          Topmeldungen

          Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

          Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

          Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

          Bayerns 6:0-Meistergala : „Campeones, Campeones!“

          Die Münchner werden schon vor dem eigenen Spiel Meister. Beim 6:0-Sieg über Gladbach glänzt der FC Bayern. Und Robert Lewandowski fehlt nur noch ein Tor bis zum legendären Rekord von Gerd Müller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.