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Fusion mit Sprint : T-Mobile strebt an die Spitze in Amerika

Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, hat gut lachen. Die Fusion der amerikanischen Tochter T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint ist besiegelt. Bild: dpa

Der Zusammenschluss mit dem Wettbewerber Sprint ist besiegelt. Als nächstes hat sich der Mobilfunkkonzern nicht weniger vorgenommen, als die Marktführerschaft zu übernehmen.

          3 Min.

          Die Deutsche Telekom ist in Amerika am Ziel. Nach einem langen Hürdenlauf durch die Wettbewerbsinstanzen hat sie am Dienstag den Vertrag über die Fusion von T-Mobile US mit dem Wettbewerber Sprint besiegelt. Damit schließt die Telekom-Gesellschaft deutlich zu den beiden Marktführern AT&T und Verizon auf.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Vorstandschef Tim Höttges sprach von einem „historischen Tag“ für die Telekom und kündigte an, T-Mobile US in wenigen Jahren zum Marktführer zu machen. „Das nächste Ziel ist die Nummer Eins. Ob das jetzt drei Jahre dauert oder vielleicht auch vier oder fünf, dieser Anspruch ist da“, sagte er der F.A.Z. Die Fusion erfolgt über einen kapitalschonenden Aktientausch. Die Telekom hält an dem kombinierten Konzern rund 43 Prozent, die japanische Softbank als Sprint-Eigentümerin rund 24 Prozent. Der Rest ist Streubesitz. Die Mehrheitsverteilung war noch einmal nachverhandelt worden, weil sich die Geschäfte von T-Mobile zuletzt besser entwickelten als die von Sprint. Das Sagen hat die Telekom, die die Mehrheit im Board und mit Höttges auch den Vorsitzenden stellt.

          Gemessen am Börsenwert, ist der kombinierte Konzern mit weitem Abstand die Nummer drei unter den amerikanischen Mobilfunkern, obwohl T-Mobile bei der Kundenzahl ungefähr gleichauf mit beiden Platzhirschen rangiert. Mitte Februar, vor Beginn der Corona-Krise, wäre die neue T-Mobile an der Börse rund 119 Milliarden Dollar wert gewesen, Verizon hingen 243 und AT&T sogar 278 Milliarden Dollar. Für die Aufholjagd sieht sich Höttges in einer guten Ausgangsposition, weil die neue T-Mobile über eine einzigartige Ausstattung mit Mobilfunkfrequenzen verfüge.

          Fusion unter Auflagen

          Sie ist über alle Bandbreiten hinweg fast doppelt so gut versorgt wie die beiden Konkurrenten. „Das verschafft uns einen riesigen strategischen Wettbewerbsvorteil, zu den Bewertungen von AT&T und Verizon aufzuschließen. Wenn wir nur die Hälfte der Lücke schaffen, sind das 60 bis 70 Milliarden Dollar“, sagte er. Die Nase vorn hat T-Mobile beim Ausbau eines landesweiten 5G-Netzes, das mehr als 200 Millionen Amerikaner erreicht. In den ersten drei Jahren nach der Fusion soll weiter in großen Schritten investiert werden: Bis zu 40 Milliarden Dollar sind eingeplant.

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          Die Wettbewerbsbehörden haben die Fusion mit allerhand Auflagen versehen. Mehrere Bundesstaaten verlangen den Verzicht auf Preiserhöhung oder Preissenkungen, es gibt Vorgaben für den Netzausbau, und T-Mobile muss Spektrum und Prepaid-Geschäft an den Wettbewerber Dish abgeben, damit der als neuer Mobilfunkkonkurrent antreten kann. Weitere Auflagen könnten in Kalifornien folgen, wo ein Verfahren bis Mitte April läuft. Die Planungen der Telekom fußen auf Synergien, die sich auf einen Barwert von rund 43 Milliarden Dollar belaufen.

          Allerdings werden viele Milliarden für die Zusammenlegung der Netze und andere Integrationskosten fällig. Erst in drei Jahren sollen die Verbundvorteile die Kosten übersteigen. Höttges sagte, T-Mobile werde durch die Synergien mittelfristig jedes Jahr 6 Milliarden Dollar zur Ertragskraft und zum Cashflow der Gruppe beisteuern. Durch Integrationslasten und die Übernahme der Sprint-Schulden steigt zunächst die Gesamtverschuldung.

          Investitionen zahlen sich aus

          Höttges versicherte, dass kein Kapital von Europa nach Amerika fließen werde. Die neue T-Mobile müsse sich selbst finanzieren. Sie werde sogar 14 Milliarden Euro an konzerninternen Krediten zurückzahlen, davon 8 Milliarden Euro sehr kurzfristig. Dennoch will die Telekom die Dividende um 10 auf 60 Cent je Aktie kappen, damit die Konzerngesamtverschuldung im Rahmen bleibt. Die für die Auszahlung erforderliche Hauptversammlung werde „baldmöglichst“ abgehalten, wohl als Online-Veranstaltung.

          Überlegungen, die Funkturmgesellschaft und eventuell das Geschäft in den Niederlanden zu verkaufen, hätten laut Höttges mit dem aktuellen Deal „nichts zu tun“. An den hohen Investitionen in Europa und auf dem Heimatmarkt will die Telekom festhalten. Das Budget bleibe auf Vorjahresniveau, mit mehr als 13 Milliarden Euro, davon gut 5 Milliarden in Deutschland. Die Investitionen zahlten sich nun auch in der Corona-Krise aus.

          Trotz der hohen Datenlast sei man bei keiner Kenngröße auch nur ansatzweise am Limit. „Es besteht keine Sorge, dass unser Netz in die Knie geht. Trotz Corona sind wir voll einsatzfähig“. Mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland seien im Dienst, fast 60.000 im Homeoffice, aber auch 6000 Techniker, die sich vor Ort um die Kundenanliegen kümmerten. Bei der Beschaffung von Masken und andere Ausrüstungen habe die Telekom so früh auf Nachrichten aus China reagiert, dass ihre Leute „so gut wie möglich geschützt in die Wohnungen der Kunden gehen können. An die Kunden appellierte Höttges, Arbeitsflächen frei zu räumen und Abstand zu halten, um so die Mitarbeiter zu unterschützen und zu schützen.

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