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Katalog an Sony verkauft : Bruce Springsteen toppt Bob Dylan

Bruce Springsteen und Stevie Van Zandt (rechts) bei einem Auftritt der E Street Band im Oktober 2007 Bild: AP

Für Rechte an lukrativen Songs werden seit Monaten Millionen ausgegeben. Nun hat auch Bruce Springsteen verkauft und sein Deal mit Sony ist wohl noch einmal teurer als Bob Dylans. Doch Springsteen legt auch mehr auf den Tisch.

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          Es dürfte der bislang größte Katalogverkauf eines einzelnen Künstlers sein und er reiht sich ein in eine immer länger werdende Liste ähnlicher Deals: Bruce Springsteen verkauft dem Branchenmagazin „Billboard“ und der “New York Times“ zufolge die Rechte an seinen gesammelten Aufnahmen und auch seine Autorenrechte, also jene an den zugrunde liegenden Texten sowie Kompositionen, an Sony Music. Das Unternehmen kommentierte die Berichte über eine Einigung auf Anfrage der F.A.Z. zunächst nicht. Donnerstagabend deutscher Zeit folgte dann die Bestätigung.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das zweitgrößte Musikunternehmen der Welt hält somit künftig die kompletten Rechte am Werk des 72 Jahre alten Stars. Über finanzielle Aspekte wurde nichts mitgeteilt, wohl aber über eine Partnerschaft – und zwar hat Sonys Verlagssparte sich für den Kauf der Autorenrechte mit der US-Holding Eldridge Industries zusammengetan. Elridge hatte im November 2020 schon einen Teil des Autorenkatalogs der US-Band The Killers gekauft.

          Der Abschluss mit Springsteen umfasst rund 300 Songs, 20 Studio-Alben, 23 Alben und weitere Veröffentlichungen – darunter Superhits wie „Born to Run“, „Born in the U.S.A.“ oder „No Surrender“. Der Preis soll den Berichten zufolge bei bei rund 500 Millionen Dollar liegen und damit deutlich über jenem, den Universal Music im Dezember 2020 für die Rechte an Texten und Kompositionen von Bob Dylan gezahlt hatte. Hier war von bis zu 400 Millionen Dollar die Rede gewesen.

          Sony als logische Wahl

          Der Verkauf hatte sich angebahnt, nicht zuletzt angesichts des Ansturms von Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone oder Apollo Global Managment auf Rechte an Werken etablierter Künstler, der das schon hohe Preisniveau weiter befeuert. Billboard hatte schon Anfang November über Gespräche berichtet, ohne dass beide Seiten diese kommentierten. Im Falle von Springsteen galt Sony Music allerdings vor allem mit Blick auf die Rechte an den Aufnahmen stets als Favorit für den Zuschlag. Denn Springsteen arbeitet seit 1972 mit dem Sony-Label Columbia Records zusammen. Alle seine Alben sind über dieses erschienen.

          Bob Dylan: Im Dezember 2020 verkaufte er die Autorenrechte an mehr als 600 Werken an die Verlagssparte von Universal Music. Der Preis soll bei bis zu 400 Millionen Dollar gelegen haben.  Eine Mitteilung der beteiligten Parteien über den Kaufpreise gibt es bei solchen Deals in aller Regel nicht. Bilderstrecke
          Lukrative Musikrechte : Wer hat eigentlich was an wen verkauft?

          Anders als viele Künstler gerade in seinem Alter hat er in den neunziger Jahren im Rahmen von Verhandlungen über die Veröffentlichung weiterer Alben die Rechte an seinen Aufnahmen zurückerhalten und seitdem selbst kontrolliert. Welcher Anteil der Einnahmen aus der Vermarktung von Veröffentlichungen an die Künstler geht, hängt indes stets von der jeweiligen Vertragskonstellation ab. Auch die Rechte an seinen Texten und Kompositionen lagen bei ihm, obgleich für die Auswertung zuletzt die Verlagssparte von Universal Music übernommen hatte.

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          Im Zuge des jüngsten Booms wurden bislang in der Mehrheit Autorenrechte verkauft. Wer diese hält, ist an jeder Verwendung von Text und Kompositionen beteiligt – beispielsweise in Filmen oder auch an Cover-Songs. Auf die Aufnahme entfällt jedoch etwa bei den Ausschüttungen aus dem Streaming oder beim Verkauf von Tonträgern ein weitaus größerer Anteil.

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          Mitunter verkaufen Künstler auch lediglich den ihnen aus der Auswertung der Rechte zustehenden Teil der Einnahmen. Dies geschieht in der Regel dann, wenn die Rechte eben weiterhin beim jeweiligen Label liegen. Finanzinvestoren und interessierte Käufer aus der Musikbranche setzen jedoch darauf, zum Zuge zu kommen, da in den nächsten Jahren viele Rechte nach langer Zeit an die jeweiligen Musiker zurückfallen dürften, wie Bertelsmanns Musik-Chef Hartwig Masuch im Juli gegenüber der F.A.Z. betonte. Die Musiksparte des Medienkonzerns (BMG) hatte kürzlich bei den Aufnahmen der Heavy Metal-Band Mötley Crüe zugeschlagen.

          Springsteen ist in guter Gesellschaft

          Viele prominente Künstler haben sich in den vergangenen Monaten für eine hohe Einmalzahlung anstatt dem weiteren Einstreichen von regelmäßigen Tantiemenzahlungen entschieden. Während etwa David Crosby (Crosby, Stills, Nash & Young) seinen Verkauf mit dem Corona-bedingten Fehlen der für viele Musiker immens wichtigen Live-Einnahmen begründete, dürften finanzielle Nöte nicht nur bei Springsteen kaum der Grund für den Verkauf sein. Eher geht es darum, mit Blick auf die vielen Interessenten die Gunst der Stunde zu nutzen oder das musikalische Erbe zu regeln. Amerikanische Branchenmedien bringen Katalog-Deals von amerikanischen Künstlern auch immer wieder mit einer möglichen Erhöhung der Steuern auf Kapitalgewinne durch die US-Demokraten in Verbindung.

          Neben Bob Dylan, verkaufte so zuletzt etwa Neil Young 50 Prozent seiner Autorenrechte an den Fonds Hipgnosis, Paul Simon wiederum wurde sich mit Sonys Verlagssparte einig, während der US-Verlag Primary Wave für 80 Prozent der Autorenrechte von Fleetwood-Mac-Frontfrau Stevie Nicks dem Vernehmen nach rund 100 Millionen Dollar zahlte. Auch jüngere Künstler wie die US-Bands The Killers oder Imagine Dragons hatten im vergangenen Jahr Teile ihrer Autorenrechte zu Geld gemacht. Zudem sollen sich die Erben von David Bowie in Verhandlungen mit Warner Music über den Verkauf der Autorenrechte des 2016 verstorbenen Künstlers befinden.

          Dass sich längst nicht jeder Veteran der Branche damit arrangieren kann, gegen eine stattliche Summe die Kontrolle über sein Werk abzugeben, zeigt derweil das Beispiel Elton John. Ein Verkauf sei „undenkbar“, sagte sein Ehemann David Furnish kürzlich der Branchenseite „Music Business Worldwide“.

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