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Nach KKR-Einstieg : Springer fordert von der „Welt“-Gruppe ein Mindestergebnis

Blick auf das Axel Springer Hauptgebäude in Berlin, wo unter anderem die Redaktionen der Bild und der Welt-Gruppe sitzen. Bild: EPA

Axel Springer hat mit dem Finanzinvestor KKR ein Mindestergebnis für die Welt-Gruppe vereinbart. Der Vorstand versucht die Redaktion zu beruhigen.

          Der Digital- und Pressekonzern Axel Springer hat mit dem Finanzinvestor KKR ein geschäftliches Mindestergebnis für die „Welt“-Gruppe vereinbart. Wie Vorstandschef Mathias Döpfner in einer Mail an Mitarbeiter schreibt, die der F.A.Z. vorliegt, „wurde für die Welt in den Vereinbarungen mit KKR ein Ergebniskorridor definiert“. Damit konkretisierte Döpfner eine nebulös gehaltene Klausel in der Angebotsunterlage, die der designierte Großaktionär KKR in seiner Offerte an Springer-Aktionäre aufgeführt hatte.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darin kündigen die Vertragspartner an, die „Welt“-Gruppe mit den Zeitungen „Welt“ und „Welt am Sonntag“, den digitalen Angeboten und einem Fernsehsender fortzuführen – allerdings unter einem Vorbehalt: „Dies steht unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation.“ Die als kommerziell erfolgreicher geltende „Bild“-Gruppe wird nicht erwähnt.

          Nachdem die F.A.Z. über diesen Passus im 221 Seiten starken Übernahmedokument berichtet hatte, geriet die Belegschaft in Berlin in Unruhe. Die Unternehmensführung schaltete sich am Mittwoch ein: Finanz- und Personalvorstand Julian Deutz trat in der „Welt“-Redaktionskonferenz auf, später legten Döpfner und das für „Welt“ und „Bild“ zuständige Vorstandsmitglied Stephanie Caspar in der internen Mail an Mitarbeiter nach.

          „Korridor kommt Bestandsgarantie für die „Welt“ gleich“

          Das Unternehmen bestätigt auf Anfrage die Authentizität dieser Mail. Darin heißt es, Springer bleibe ein journalistisch geprägtes Haus, mit „Bild“ und „Welt“ als den Säulen des Nachrichtengeschäfts. „Selbstverständlich bleibt die Welt daher – ebenso wie die Bild – fester Bestandteil unserer Zukunftsstrategie“, schreiben Döpfner und Caspar. Man habe über die „Welt“-Klausel in der KKR-Offerte gerade ein Bekenntnis zur „Welt“ verankern wollen. Doch gelte es, unverändert kostenbewusst und wirtschaftlich verantwortlich zu arbeiten. Unter diesen Voraussetzungen sei der „Ergebniskorridor“ definiert worden. De facto geht es also um ein Mindestergebnis, das die „Welt“ erzielen muss. Zum Korridor heißt es: „Er ist sehr großzügig und kommt faktisch einer Bestandsgarantie für die Welt gleich, die für Bild genauso gilt.“

          Die Auflage sinkt seit langem. Wie zu hören ist, gibt es einen Fünf-Jahres-Plan für die „Welt“-Gruppe wie auch für andere Geschäfte. Zahlen nannte das Unternehmen aber keine, und so ließen sich keinesfalls alle Mitarbeiter beschwichtigen. Ohnehin sorgt der Einstieg KKRs schon für viel Unruhe. „Jeder kann sich ausrechnen, was das heißt, wenn die sich beteiligen“, sagte einer, der damit auf den Renditehunger von KKR anspielte und auf die Neigung von Finanzinvestoren, Unternehmen mit Sparten sehr unterschiedlicher Marge aufzuteilen.

          Springer-Sprecherin Edda Fels hatte am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung zur Klausel in der Angebotsunterlage einen offiziellen Kommentar abgelehnt – spielte das Ganze tags drauf aber gegenüber anderen Medien mit ausführlichen Kommentaren herunter.

          Kommt der Börsenrückzug nun doch?

          Und noch etwas fällt in der Kommunikation rund um die Transaktion auf: Als die F.A.Z. nach Bekanntgabe der KKR-Pläne Mitte Juni berichtete, die Eigner wollten in der neuen Konstellation Springer gerne von der Börse nehmen, streuten Leute im Hintergrund, dies sei derzeit nicht geplant. Nach neuestem KKR-Bekunden hatten die Vertragsparteien damals „keine Absichten“ zu einem Börsenrückzug Springers. Gut drei Wochen später war im Angebotsdokument genau davon die Rede: einem geplanten „Delisting“. „Nach weiteren Gesprächen mit Aktionären der Gesellschaft“ sei KKR zur Überzeugung gelangt, dass ein solcher Schritt sinnvoll sei, hieß es. Aussagen zu Plänen rund um die Transaktion können sich also schnell ändern.

          KKR will im Zuge der Offerte mindestens 20 Prozent an Springer übernehmen. In einer auf fünf Jahre oder mehr angelegten strategischen Partnerschaft verbündet sich der Investor mit Friede Springer und Döpfner. Diese beiden besitzen direkt und indirekt zusammen gut 45 Prozent an dem Verlag. Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen am Donnerstag den Aktionären, ihre Papiere für die gebotenen 63 Euro je Aktie an KKR zu verkaufen.

          KKR ist am Digitalgeschäft des Konzerns interessiert, das überproportional wächst – im Rubrikengeschäft (Stellen, Immobilien) etwa im vergangenen Jahr um ein Fünftel. Ein mit der Transaktion vertrauter Kapitalfachmann sagte nach Bekanntgabe der KKR-Pläne Mitte Juni, auf lange Sicht sei die Aufteilung des Unternehmens angestrebt. Andere gingen nicht so weit, bestätigten aber, dass die Einzelteile auseinanderdrifteten. „Der Fokus liegt auf dem Digitalgeschäft, und das könnte eigene Wege gehen“, sagte ein weiterer Kenner. Wie das konkret aussieht, ist unklar und vermutlich noch nicht vereinbart. Denkbar wäre nach Aussage von Insidern zum Beispiel, ein Teilgeschäft an die Börse zu bringen. Investoren könnten in der Folge direkt in einen reinen Digitalanbieter investieren. KKR und Springer haben sich dazu nicht geäußert.

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