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Plus bei Umsatz und Abos : Spotify wächst munter weiter

Plötzlich Streaming-Star: Kate Bushs „Running Up That Hill“ hält sich Dank der Netflix-Serie „Stranger Things“ weiterhin unter den Top-Drei der Spotify-Charts. Bild: Allstar

Sinkende Abonnenten-Zahlen sind für den Musikstreaming-Marktführer kein Thema. Auch die Werbeeinnahmen sind im zweiten Quartal deutlich gewachsen. Preiserhöhungen will Spotify trotz der hohen Inflation weiter vorsichtig angehen.

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          Die alten Höchststände sind für die Spotify -Aktie seit Monaten außer Reichweite. Die ökonomische Unsicherheit infolge des Ukrainekriegs belastet auch den Musikstreaming-Marktführer. Dass Netflix im ersten und nun auch zweiten Quartal sogar Abonnenten verloren hat, war ebenfalls keine Hilfe. Die Schweden legten allerdings im ersten Quartal um 2 Millionen zahlende Nutzer auf 182 Millionen zu, ein Minus von 1,5 Millionen Abonnenten durch den Rückzug in Russland miteingerechnet.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für das zweite Quartal steht nun ein Plus auf 188 Millionen Abonnenten zu Buche. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer belief sich Ende Juni auf 433 Millionen nach 422 Millionen im Quartal zuvor, wie das schwedische Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Beide Werte lagen über der zuvor ausgegebenen Prognose von 187 Millionen respektive 428 Millionen Nutzern. Der Umsatz legte im Vorjahresvergleich um 23 Prozent auf 2,86 Milliarden Euro zu, was auch leicht oberhalb der Prognose war.

          Den Großteil macht hier das Abogeschäft (2,5 Milliarden Euro, plus 22 Prozent) aus. Die Werbeeinnahmen wuchsen um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und standen mit 360 Millionen Euro für nunmehr 13 Prozent des Gesamtumsatzes. In den letzten beiden Juniwochen sei das Interesse von Werbekunden etwas abgeflaut, sagte Finanzchef Paul Vogel im Gespräch mit Investoren nach der Vorlage der Zahlen. Grundsätzlich bleibe Spotify aber optimistisch – auch was das generelle Wachstum angehe. Für das dritte Quartal peilt Spotify einen Umsatz von 3 Milliarden Euro und ein Wachstum auf 194 Millionen Abonnenten sowie 450 Millionen monatlich aktive Nutzer an. Der operative Verlust soll laut Prognose 218 Millionen Euro betragen.

          Weiter Zurückhaltung bei Preiserhöhungen

          Die Bruttomarge für das abgelaufene Quartal lag derweil mit 24,6 Prozent leicht unter der Prognose, die bei der Vorlage der Zahlen im April bei den Investoren nicht gut ankam. Unterm Strich stand ein Verlust von 125 Millionen Euro, nach einem Minus von 20 Millionen im Vorjahr. Die Aktie notierte am Mittwoch im frühen Handel mehr als 10 Prozent im Plus. Unternehmen aus dem Tech-Sektor – auch Spotify, worauf die Schweden im Zuge der Zahlenvorlage abermals hinwiesen – hatten in den vergangenen Wochen das Tempo der Neueinstellungen gedrosselt. Zudem wurde am Mittwoch die Einstellung der Produktion des „Car Thing“ bekanntgegeben, ein Hardware-Angebot, über das Nutzer im Auto Spotify hören können. Dieser Schritt habe 31 Millionen Euro gekostet und die Bruttomarge negativ beeinflusst, hieß es.

          Die durchschnittlichen Einnahmen je Abonnent – ein Wert, der gerade auch in der Musikindustrie sehr genau beobachtet wird – legten im Vorjahresvergleich um 6 Prozent auf 4,54 Euro zu. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte der Wert 4,38 Euro betragen. Spotify verwies auf den Effekt von Preiserhöhungen im Vorjahr.

          Im Gegensatz zu Netflix geht Spotify hier deutlich konservativer vor. Die Schweden haben zwar schon diverse Abos, gerade Familien- und Studententarife mancherorts teurer gemacht. Doch den symbolträchtigen Preispunkt von 9,99 Euro im Monat für ein Einzelabonnement hat abgesehen vom deutlich kleineren Dienst Deezer auf großen Märkten noch kein Dienst angerührt. Netflix dagegen hat die Preise schon einige Male erhöht. Was innerhalb der Musikindustrie teils durchaus kritisch gesehen wird, könnte Spotify nach wie vor entgegenkommen oder Kündigungen verhindern – ganz abgesehen von dem Fakt, dass der permanente Zugriff auf einen Musikkatalog von mehr als 70 Millionen Songs ein Luxus ist, zu dem es keine einfache adäquate Alternative gibt.

          „Allein mit Blick auf die Inflation müssten die Preise in den meisten Ländern mittlerweile eigentlich längst viel höher sein“, hatte Spotify-Europachef Michael Krause schon Ende vergangenen Jahres der F.A.Z. gesagt. Seitdem hat die Inflation nochmals deutlich angezogen. Angesprochen auf das Thema und speziell Preiserhöhungen, erklärte Spotify-Chef Daniel Ek, man müsse angesichts der makroökonomischen Lage vorsichtig sein, sehe aber langfristig definitiv die Möglichkeit, höhere Preise durchzusetzen. Bisherige Erhöhungen hätten jedenfalls keine stärkere Abwanderungsquote als ohnehin erwartet gezeigt, sagte Vogel.

          Teure Podcast-Strategie

          Die grundsätzliche Zurückhaltung muss stets mit Blick auf den Musikstreaming-Markt an sich gesehen werden. Denn Spotify und die Konkurrenten Apple, Amazon und Youtube Music haben größtenteils das gleiche Angebot an Musik, für die sie alle rund zwei Drittel ihres Umsatzes an die Rechteinhaber in der Musikindustrie ausschütten. Die Videodienste Netflix, Disney und Co. buhlen dagegen vor allem mit teuer produzierten eigenen Inhalten um Abonnenten. Spotify steht zudem vor der Herausforderung, dass die drei Hauptkonkurrenten allesamt zu Tech-Riesen gehören, die ihren Musikdienst als Teil eines lukrativen Ökosystems betrachten können.

          Seit geraumer Zeit versucht sich Spotify mit einer Offensive im Bereich Podcasts von der Konkurrenz abzugrenzen. Die Hunderte Millionen Euro teure „Audio first“ genannte Strategie beinhaltete zuletzt diverse Übernahmen und Exklusivvereinbarungen mit prominenten Podcastern. Einerseits bieten Podcasts die Chance inhaltlich nur auf Spotify verfügbare Inhalte anzubieten, andererseits sollen sie das Werbegeschäft stärken. So hören zahlende Nutzer zwar keine Werbung zwischen Musikstücken, Werbung in Podcasts wird aber auch ihnen eingespielt.

          Spotify Technology SA

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          Nicht zuletzt macht sich Spotify mit einem stärkeren Podcast-Angebot auch unabhängiger von der Musikindustrie. Doch stellt die teure Strategie eine Wette auf die Zukunft dar, und auch die Konkurrenz investiert auf dem Gebiet. Musik ist jedenfalls nach wie vor das Kerngeschäft. Rund 7 Prozent der Nachfrage auf der Plattform entfiel im ersten Quartal auf Podcasts, hieß es auf einem Investorentag im Juni. Mit Blick auf den Umsatz steuerte der Bereich 2021 rund 2 Prozent bei.

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