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Online-Outlet Sportspar : Sie verkaufen günstige Markenkleidung und werfen wenig weg

  • -Aktualisiert am

Sie ziehen Sportsfreunde an: Aleksandr und Jevgenij Borisenko Bild: Falk Scheuring/Sportspar

Die Borisenkos haben Sportspar schon als Abiturienten gegründet. Die Zwillingsbrüder legen großen Wert auf niedrige Retourenquoten – das hat mit ihrer Kindheit zu tun.

          3 Min.

          Die inzwischen 32 Jahre alten Zwillingsbrüder Aleksandr und Jevgenij Borisenko haben im August 2010 Sportspar gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz im sächsischen Eilenburg. Sie verkaufen im Internet Markenkleidung zu außergewöhnlich günstigen Preisen. Man handelt laut Aleksandr Borisenko mit Saison- und Outlet-Ware, also ausschließlich mit Restposten, die sie entweder direkt von den Herstellern oder Distributoren erwerben.

          Im Grundschulalter sind die Brüder mit ihrer Familie aus Litauen nach Thüringen gezogen. Noch als Schüler wollten sie ihr geringes Taschengeld aufbessern. Man begann, wie Aleksandr Borisenko berichtet, mit dem Verkauf von drei Paar Turnschuhen über Amazon und Ebay. Im Juni 2011 wurde dann der offizielle Onlineshop SportSpar.de eingerichtet. Man habe mit gerade einmal 400 Euro Kapital begonnen, sagt der gebürtige Vilniuser.

          Heute beschäftige die Sportspar GmbH 106 Mitarbeiter und sei das größte deutsche Online-Outlet für Sportbekleidung und sportliche Freizeitbekleidung. Im Jahr 2020 habe der Umsatz mehr als 25 Millionen Euro betragen und der Jahresüberschuss 2,3 Millionen Euro. „Wir finden, dass wir ein Problem auf dem Markt lösen, denn wir kaufen von großen Marken wie Adidas, Nike und Puma sehr große Mengen an Artikeln ein, für die in der Regel keine Abnehmer gefunden werden würden“, behauptet Borisenko.

          Stetiges Wachstum

          Sportspar sei an weiteren Standorten vertreten, zum Beispiel in Berlin und Leipzig. „Unser Sortiment ist sehr breit gefächert.“ Täglich würden neue Artikel online gestellt, und weitere 15 000 seien verfügbar. Man verkaufe vor allem in Europa. „Für Spanien, Frankreich, die Niederlande, Italien und Polen betreiben wir eigene Ländershops sowie ebenfalls einen englischsprachigen Shop.“

          Das Unternehmen wachse jeden Tag aus sich heraus. „Im Jahr 2021 streben wir ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich an“, berichtet Borisenko. Die Artikel, die sie anböten, seien in den Shops der Hersteller nicht mehr verfügbar. Ihre Zielkundengruppe seien Personen, die Geld sparen wollten und nicht das neueste Produkt haben müssten. Zu 65 Prozent seien die Kunden männlich.

          Im Monat verkauft man laut Borisenko durchschnittlich rund 300 000 Produkte. In Produktvergleichen im Internet seien die Artikel von Sportspar meistens die billigsten. Bekannte Turnschuhe seien gefragt und Fußballtrikots von bekannten Mannschaften. Man sehe sich nicht in direkter Konkurrenz zu Anbietern wie Intersport. „Ihr Fokus liegt beispielsweise auf saisonalen und neuwertigen Produkten“, sagt Borisenko.

          „Man schmeißt nichts weg“

          Eine weitere Besonderheit von Sportspar sei die niedrige Retourenquote von Paketen. Diese liegt nach Borisenkos Angaben für Schuhe und Textilien in Deutschland insgesamt bei bis zu 80 Prozent. Die Quote von Sportspar betrage hingegen 9 Prozent. „Wir sind in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, sodass uns beigebracht wurde, dass man nichts wegschmeißt.“

          „Wir halten die Retouren gering, indem wir nur Ware aus der letzten Saison zu extrem günstigen Preisen anbieten, denn bei Schnäppchen ist die Hemmschwelle sehr groß, das Produkt zurückzusenden“, sagt Borisenko. Durchschnittlich kostet ein Produkt 10 Euro. „Der Wert, ab dem die Retourenquote steigt, liegt bei 25 Euro.“

          Sollten Rücksendungen Fehler oder Mängel haben, werden sie repariert. „Danach gehen sie als sogenannte B-Ware in den Wiederverkauf, sodass kein einziges Produkt weggeschmissen werden muss“, berichtet Borisenko weiter. Der Preis des Produkts sinke durch die Aufbereitung um rund 20 Prozent. Mit einfachen Mitteln wie Nadel, Klebstoff oder einem Hammer rette man Artikel.

          Die Kundenhotline befindet sich zudem direkt am Lager. Dadurch könne man konkretere Tipps zur Ware geben und künftige Retouren vermeiden. Die Versandkosten müssen die Kunden selbst tragen.„Über 50 Prozent der Bestellungen kommen von unseren Bestandskunden“, berichtet Jan Klammann, Co-Chief Operating Officer von Sportspar. Um Neukunden zu gewinnen, setzt man vor allem auf „Deal-Marketing“: Besondere Angebote werden nach Angaben von Klammann auf bekannten Plattformen wie Mydealz oder prinz-sportlich.de platziert.

          Der 17 Jahre alte Schüler Finn Lindemann aus Dortmund ist Stammkunde von Sportspar. Er achtet sehr auf seine Ausgaben. „Ich spiele schon seit meinem Kindesalter Tennis und bestelle mir dadurch recht oft neue Kleidung für den Sport. Daher ist es mir wichtig, nicht immer für ein Paar Schuhe 100 Euro zahlen zu müssen.“ Bei Sportspar könne er sich dafür zwei Paar bestellen.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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