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Sportartikelindustrie : Fußball als großer Hoffnungswert

Spielfeld Afrika: Puma, Adidas und Nike treffen sich bei der WM im Sommer - derzeit spielen Angola (rote Puma-Trikots) und Malawi (weiße Adidas-Trikots) beim Afrika-Cup Bild: AFP

Sportartikelhersteller leiden stärker unter der Konsumzurückhaltung als andere Branchen. Nach den harschen Absatz- und Umsatzrückgängen im vergangenen Jahr hofft die Branche nun auf bessere Zeiten Die Fußball-WM soll 2010 Impulse geben. Das Prinzip Hoffnung herrscht für die Zeit danach.

          Mit acht neuartig, thermisch verschweißten und sphärisch geformten 3D-Panels erreicht der Ball eine bisher nie dagewesene Rundheit. Das neu entwickelte „Grip 'n' Groove“-Profil sorgt für ein stabiles Flugverhalten und eine perfekte Griffigkeit bei allen klimatischen Bedingungen. Bei dieser Produktbeschreibung handelt es sich nicht um die Innovation aus den Tiefen geheimer Forschungslabore. Das Flugobjekt heißt Jabulani. Es ist der offizielle Spielball der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli 2010. Das Weltturnier wird das Sportereignis sein, auf das die Sportartikelhersteller setzen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Sie hoffen, dass so zumindest im ersten Halbjahr der Markt aus der Lethargie geholt wird, in die er durch die Wirtschafts- und Finanzkrise, durch die Verunsicherung vieler Konsumenten und durch die fehlenden großen Sportevents des Jahres 2009 verfallen ist. „Alles blickt voller Erwartung auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika“, beschreibt Klaus Bauer die Stimmung. Seit August 2009 ist er Chief Operating Officer von Puma, also für das operative Geschäft im Vorstand des börsennotierten Unternehmens zuständig, für Finanzen, Personal, Recht, Logistik und Informationstechnik. Für ihn wird dadurch das Geschäft im ersten Halbjahr bestimmt werden. „Für das zweite Halbjahr lebt die Branche von der Hoffnung, dass sich das Konsumumfeld verbessert.“

          Hoffnungswerte, die von Verunsicherung begleitet werden. „Wir werden in den nächsten sechs bis zwölf Monaten durch eine rauhe See fahren“, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer im November. Aber er ist sicher: „Wir werden definitiv eine Verbesserung gegenüber 2009 sehen.“ Ob Marktführer Nike aus Amerika, die Nummer zwei Adidas aus Deutschland mit ihrer amerikanischen Tochtergesellschaft Reebok oder die in Herzogenaurach benachbarte Puma als drittgrößter Anbieter der Welt - sie alle litten im vergangenen Jahr unter der selektiven Konsumflaute. Die erfasste nicht alle Branchen, aber eben die Sportartikler.

          Konzentration auf die Fußball-WM: Adidas-Chef Herbert Hainer (r.) mit David Beckham und dem hauseigenen WM-Ball

          Die Konsumenten haben teilweise ihre Ausgaben umgeschichtet, eher Elektronik gekauft als Trikots, Sportschuhe oder Fußbälle. Und das geschah nicht nur in den reifen Märkten wie Amerika oder Westeuropa. Auch in den aufstrebenden Regionen wie China, Indien, Südamerika oder Osteuropa ließ die Dynamik nach.

          Abflauende Geschäfte in den aufstrebenden Märkten

          Dabei war die Entwicklung unterschiedlich. So gab es in Europa ein Nord-Süd-Gefälle. Die Märkte in Südeuropa, allen voran Spanien und Italien, litten. In West- und Mitteleuropa indes waren die Rückgänge im Verkauf moderat. Der immer mehr in Mode gekommene Freizeitmarkt mit den wachsenden Outdoor-Aktivitäten wie Bergsteigen oder Wandern konnte Einbußen im klassischen Sportbereich durchaus auffangen.

          Die großen drei der Branche hatten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Sie alle verzeichneten im vergangenen Jahr Umsatzrückgänge. Dabei machten nicht nur die abgeflauten Geschäfte in den bis dato wachstumsstarken aufstrebenden Märkten, allen voran der Hoffnungsträger China, zu schaffen. Die hatten zumindest für 2009 ihre Funktion als Kompensatoren für Rückgänge in anderen Regionen aufgegeben. Die Sportartikelhersteller sind mit dem krisenbedingten Rückgang im Absatz kalt erwischt worden und mussten ihre gefüllten Lager leeren, wobei bei Adidas noch das Sonderproblem Reebok hinzukam. Die seit drei Jahren in der Umstrukturierung befindliche amerikanische Tochtergesellschaft hatte nicht nur volle Lager; sie hatte diese auch mit alter Ware, die schwer unter die Kunden zu bringen war.

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