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Sport-Sponsoring : Französische Nationalelf enttäuscht Sponsoren

Werbeplakat in Paris: Nicolas Anelka wirbt (noch) für die Burger-Kette Quick Bild: AFP

Frankreichs Fußballmannschaft enttäuscht in Südafrika. Viele Franzosen sind empört über das Verhalten von Trainer und Team. Das Desaster hat jetzt auch finanzielle Konsequenzen. Die französische Schnellimbiss-Kette Quick kündigte an, die Werbung mit dem Nationalspieler Nicolas Anelka zurückzuziehen.

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          Das enttäuschende und für viele Franzosen empörende Verhalten ihrer Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika hat jetzt auch finanzielle Konsequenzen. Am Wochenende kündigte die französische Schnellimbiss-Kette Quick an, die Werbung mit dem Nationalspieler Nicolas Anelka zurückzuziehen. Anelka hatte nach zwei schwachen Spielen den Nationaltrainer Raymond Domenech übel beschimpft und wurde daher vom Team ausgeschlossen. Am Sonntag boykottierte daraufhin das Nationalteam geschlossen das Training. Seitdem ist die Popularität der Mannschaft dramatisch gesunken. Nach einer Umfrage des Fernsehsenders TF1 wollen drei Viertel der Befragten nicht mehr, dass ihre Elf Weltmeister wird.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Hamburgerkette Quick befindet sich mehrheitlich in Besitz der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Caisse de Dépôts et Consignations (CDC). Ein Sprecher des Unternehmens erklärte den Rückzug Anelkas damit, dass er zum Symbol des französischen Scheiterns geworden sei, auch wenn Frankreich im Spiel gegen Südafrika am Dienstag noch eine rechnerische Chance auf die Qualifikation für die Endrunde habe.

          GDF Suez: „Wir schauen uns jetzt alle Verträge bis zur WM 2014 in Brasilien an“

          "Es gibt so viel Enttäuschung über diese Mannschaft, dass die Werbung als Provokation empfunden werden könnte", sagte er. Ähnlich klang es beim Energiekonzern GDF Suez, einem der Hauptsponsoren des französischen Fußballverbandes FFF: "Wir schauen uns jetzt alle Verträge bis zur WM 2014 in Brasilien an. Die Dinge können nicht so bleiben, wie sie sind."

          Besonders ärgern wird sich der Sportartikelhersteller Nike. Die Amerikaner lösen zu Beginn nächsten Jahres Adidas als Hauptsponsor des Fußballverbandes und der Nationalmannschaft ab, nachdem die Deutschen fast dreißig Jahre lang das Zepter in der Hand hielten. Nike muss das teuer bezahlen: 42,6 Millionen Euro bis 2018 fließen jährlich in die Kassen des FFF. Das ist viermal so viel, wie Adidas im Jahr bezahlte, und gilt unter Sportexperten als der teuerste Sponsorenvertrag für einen nationalen Fußballverband der Welt. Für Nike könnte sich der Vertrag allenfalls lohnen, wenn die französische Elf mit einem kompletten Neustart nach der WM wieder an Beliebtheit gewinnt.

          Ausscheiden der Nationalelf verringert die TV-Werbepreise

          Adidas leidet indes unter der Pleite der aktuellen Frankreich-Auswahl. Sportexperten schätzen, dass der Hersteller nun mehrere hunderttausend Trikots weniger verkaufen könnte - so wie schon nach dem frühen Ausscheiden der französischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren. Daneben müssen die Wettveranstalter im Internet ihre Erwartungen zurückschrauben; erst seit einigen Wochen dürfen sie dem ehemaligen staatlichen Monopolisten PMU offiziell Konkurrenz machen. Und nicht zuletzt hat der Fernsehsender TF1 aus der Bouygues-Gruppe wegen der zu befürchtenden Zuschauerverluste an der Börse einige Prozent eingebüßt. Ein Ausscheiden der Nationalmannschaft verringert die TV-Werbepreise um die Hälfte.

          Ob die Fußball-Weltmeisterschaft auch einen Effekt auf das gesamte Wirtschaftswachstum hat, ist indes umstritten. Das Finanzministerium konnte auch nach dem Sieg der Franzosen 1998 keinen messbaren Effekt feststellen, berichtete die Ministerin Christine Lagarde. "Es gibt eben nicht nur Fußball im Leben", sagte sie.

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