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Spitzenmanager : Das Doppelleben des Eckhard Cordes

  • -Aktualisiert am

Sein Tag müsste buchstäblich 48 Stunden haben Bild: dpa

Auch der Tag eines Top-Managers hat nur 24 Stunden. Das ist nicht zu ändern, wird aber hin und wieder zum Problem, etwa im Fall von Eckhard Cordes. Er mutet sich neuerdings gleich zwei Spitzenpositionen zu.

          Der ehemalige Mercedes-Chef mutet sich neuerdings gleich zwei Spitzenpositionen zu: Eckhard Cordes führt das Familienunternehmen Haniel wie den Handelskonzern Metro, den der Clan kontrolliert. In beiden, in der Mutter- wie Tochtergesellschaft, fungiert Cordes als Vorstandsvorsitzender. Beide Male hat er international tätige Unternehmen zu regieren: Der Mischkonzern Haniel allein kommt auf 58 Milliarden Euro Umsatz und 56.000 Beschäftigte, die Metro bringt es auf 60 Milliarden Euro Umsatz bei 240.000 Angestellten.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An dieser Doppelrolle entzündet sich nun Kritik, in und außerhalb des Konzerns: In der Familie Haniel, die in den 250 Jahren ihres Bestehens auf noble Verschwiegenheit geachtet hat, regt sich Protest an dem "Riesenrad", das Cordes dreht. Metro-Kleinaktionäre fürchten, sie werden übervorteilt. Angesehene Wissenschaftler arbeiten an Gutachten, ob die Machtballung gesund ist; nicht nur für Cordes, sondern für alle Beteiligten.

          „Wir konsolidieren nicht“

          Die Zweifel beginnen bei der Frage, ob Haniel die Metro im Rechtssinn beherrscht, der Dax-Konzern insofern rechnungstechnisch den Duisburger Händlern, die einst mit Tabak, Tee und Gewürzen angefangen haben, zuzuschlagen ist.

          Der Handelskonzern Metro wird von den Familien „Haniel” und „Schmidt-Ruthenbeck” kontrolliert

          Als „Grenzfall“ bezeichnet der Passauer Professor Thomas Schildbach, Experte für Unternehmensrechnung, die Konstellation. „Es gibt Indizien, dass Haniel die Metro konsolidieren muss.“ Damit rechnen - zumindest auf mittlere Sicht - auch Angehörige der Familie, nicht jedoch die Spitze des Unternehmens. Man habe die Frage ausführlich mit Wirtschaftsprüfern erörtert, berichtet eine Haniel-Sprecherin. Mit dem Ergebnis: „Wir konsolidieren nicht.“ Haniel begründet dies damit, dass der Clan nicht allein die Mehrheit an der Metro halte, sondern im Verbund mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck.

          Der Haniel-Vorstand wurde aufgestockt

          Naturgemäß finden Haniel wie Metro nichts Verwerfliches an der doppelten Chefrolle von Eckhard Cordes. Der Manager führe seine Aufgabe als „Vollzeittätigkeit“ aus, betont ein Metro-Sprecher. Das wirft die Frage auf, ob er Haniel fortan als sein Feierabendhobby betreibt. Eben nicht, widerspricht man in Duisburg-Ruhrort. Cordes habe die Voraussetzung geschaffen, um die Doppelrolle zu aller Zufriedenheit zu bewältigen. Der Haniel-Vorstand wurde aufgestockt, die Aufgaben so verteilt, dass Cordes seine Pflichten in Duisburg wie Düsseldorf voll erfüllen könne, sagt eine Sprecherin des Familienkonzerns. Man tage nun halt öfter abends, zu wichtigen Terminen aber immer mit Cordes. Unbeantwortet ließ sie die Frage, ob der doppelte Vorstandsvorsitzende für seine zwei Top-Jobs auch zwei Top-Gehälter verdient. "Das darf nicht sein", sagt Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Jeder Angestellte muss seinem Arbeitgeber zu 100 Prozent zur Verfügung stehen. Wenn nicht, hat er auch kein Anrecht auf volle Bezüge.“ Ein Metro-Sprecher sagte dazu: „Das Gehalt von Herrn Cordes wird nicht doppelt bezahlt.“

          Die Aktionärsschützerin sieht in dem Punkt dennoch den Metro-Aufsichtsrat in der Pflicht. Außerdem empfiehlt sie den Fall Cordes der Corporate-Governance-Kommission zur Beratung. „Wie viele Mandate ein Aufsichtsrat in Deutschland annehmen darf, wurde diskutiert. Aber nicht, ob ein Vorstandsvorsitzender zwei Konzerne gleichzeitig führen kann.“

          „Mit Corporate Governance hat das nichts zu tun“

          Die zeitliche Beanspruchung ist das eine, die gedankliche Doppelbeanspruchung das andere. Denkt Eckhard Cordes als Metro-Vorsitzender ans Vermögen aller Eigentümer oder nur an den Großaktionär Haniel?, lautet der Einwand von Aktionärsschützern. Cordes selbst hält dies für das geringste Problem, da die Interessen aller Eigner gleichgerichtet seien: Alle wollen sie höhere Kurse, allen liegt an einer höheren Dividende. „Haben wir Vorteile, profitieren auch die übrigen Aktionäre“, sagt eine Haniel-Sprecherin. Sie widerspricht den Spekulationen, Cordes könnte die Metro zerschlagen, unrentable Teile abstoßen, die Perlen Haniel zuschlagen - und so das Vermögen der freien Aktionäre schädigen. „Wir gliedern keine Metro-Teile bei uns ein“, bekräftigt die Haniel-Sprecherin. „Das entspricht nicht unserem Modell. Metro bleibt eine selbständige, an der Börse notierte Aktiengesellschaft.“

          Vorstandschef Cordes selbst betont stets, er sei nicht als Abwickler angetreten, sondern um die Profitabilität zu erhöhen - zum Nutzen aller Aktionäre. Selbst Mitgliedern der Familie Haniel wird allerdings mulmig angesichts der Machtfülle in der Metro, der Möglichkeit, dort ungehindert durchzuregieren. „Mit Corporate Governance hat das nichts zu tun“, sagt einer der Kritiker. Einzigartig ist an der Konstellation nicht nur die Rolle von Cordes, sondern auch die Tatsache, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Haniel und Metro identisch besetzt ist: Franz Markus Haniel, als Oberhaupt der Familie, kontrolliert den Vorstandsvorsitzenden Cordes in Duisburg wie in Düsseldorf. Eine „unmögliche Konstellation“ nennt das Manuel Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

          Vergleichsfall: Porsche und Volkswagen

          In dem einzig ähnlichen Fall in der deutschen Wirtschaft, als Porsche bei Volkswagen eingestiegen ist, hagelte es Kritik an der Interessenkollision in der Person von Ferdinand Piëch, als VW-Aufsichtsratsvorsitzender und gleichzeitig Mitinhaber von Porsche. Im Verbund von Haniel und Metro liegen die Dinge noch heikler: Porsche und Volkswagen haben zumindest zwei Vorstandsvorsitzende, Wendelin Wiedeking und Martin Winterkorn. Metro und Haniel haben Eckhard Cordes.

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