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Spitzel-Affäre : Staatsanwälte weiten Telekom-Ermittlungen aus

Der ehemalige Bundesrichter Schäfer (l.) soll´s richten für René Obermann Bild: ddp

Nachdem ihm der Aufsichtsrat am Mittwoch noch den Rücken gestärkt hatte, gerät Telekom-Vorstandschef Obermann zunehmend unter Druck. Er hat sich einen externen Sachverständigen zu Hilfe gerufen. Die Razzia ging nach F.A.Z.-Informationen weiter.

          Zur Aufklärung der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom hat es am Freitag weitere Razzien gegeben. „Es sind die Geschäftsräume mehrerer Unternehmen durchsucht worden“, sagte der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Friedrich Apostel. Um welche Unternehmen es sich handelte, wollte er nicht verraten. Die Telekom war bereits am Donnerstag Ziel einer Razzia. Insgesamt waren fast 120 Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) an den verschiedenen Durchsuchungen von Unternehmen und Privaträumen beteiligt. Es sei umfangreiches Material gesichert worden, dass nun von einer beim BKA eingerichteten Ermittlungsgruppe ausgewertet wird. Am Freitag konzentrierten sich die Ermittler anscheinend auf die mit der Ausspähung von Journalisten und Arbeitnehmervertretern beauftragten Unternehmen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nach bisherigem Kenntnisstand sind das die Network Deutschland GmbH, die Control Risks Group (CRG) und die Desa Investigation & Risk Protection. Alle drei sind in Berlin ansässig. Network hatte schon am Donnerstag Besuch von der Staatsanwaltschaft. Control Risks erklärte, man habe Informationen und Dokumente „umgehend und freiwillig“ der Staatsanwaltschaft Bonn übergeben. Das Unternehmen bestätigte, von 2000 bis 2002 für die Telekom gearbeitet zu haben und den „pressebekannten Vorgängen“ nachgegangen zu sein. Die Telekom soll nach diesen Berichten Control Risks beauftragt haben, Urheber von Indiskretionen herauszufinden. Controll Risks habe wiederum Desa Investigation mit der Observierung eines Journalisten beauftragt. Die Geschäftsbeziehung zu Desa sei 2002 beendet worden, teilte Control Risks weiter mit.

          Obermann zunehmend unter Druck

          Nachdem ihm der Aufsichtsrat am Mittwoch noch den Rücken gestärkt hatte, gerät Telekom-Vorstandschef René Obermann zunehmend unter Druck. „Die Bundesregierung erwartet, dass Herr Obermann ohne Rücksicht auf das Ansehen der Personen den Spitzel-Skandal rückhaltlos aufklärt“, sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach am Freitag. Es sei nicht zu glauben, dass die Führung der Telekom von den „kriminellen Methoden“ nichts gewusst habe. Obermann wird vor allem angekreidet, dass er die im Sommer 2007 bekannt gewordene Bespitzelung eines Journalisten nicht zur Anzeige gebracht, sondern sich auf interne Ermittlungen des Vorgangs beschränkt hat.

          Wie groß ist das Ausmaß der Telekom-Affäre wirklich?

          Angesichts der wachsenden Kritik aus Politik und Öffentlichkeit verstärkt die Telekom die eigenen Bemühungen um eine Aufklärung der Affäre. Dazu hat der Konzern den früheren Richter am Bundesgerichtshof, Gerhard Schäfer, als Sachverständigen gewonnen. Er soll als unabhängiger Experte „alle relevanten Sicherheits- und Datenschutzaspekte“ der Vorwürfe prüfen und ein neues Datensicherheitskonzept für den Konzern erarbeiten. Als Sachverständiger des Parlamentarischen Kontrollgremiums hatte Schäfer 2006 zur Aufdeckung der Bespitzelung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst beigetragen. In der Telekom arbeitet er mit dem Vorstandsbeauftragten für Konzernsicherheit, dem früheren Vizepräsidenten des Bundeskriminalamtes, Reinhard Rupprecht zusammen.

          Behauptungen, keine Beweise

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