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Spitzel-Affäre : Staatsanwälte weiten Telekom-Ermittlungen aus

Zurückhaltend äußerte sich die Bonner Staatsanwaltschaft zu Berichten über eine Ausweitung der Spitzelaffäre. Meldungen zufolge sollen auch Bankdaten von Journalisten und Aufsichtsräten ausgespäht und über die Datenauswertung von Handytelefonaten Bewegungsprofile erstellt worden sein. Es gebe dafür „bislang keine über die gemachten Behauptungen hinaus gehende Grundlage“, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Telekom-Chef Obermann wies die Vorwürfe als „Spekulationen“ zurück. „Alles wird sich im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Arbeit aufklären“, sagte Obermann.

Im Mittelpunkt der Affäre steht die Weitergabe von Telefonverbindungsdaten in den Jahren 2005 und 2006, von deren Auswertung durch die Network Deutschland man sich in der Telekom die Aufdeckung von Informationslecks erhofft hatte. In Medienberichten wird Obermann, der Mitte November 2006 zum Vorstandsvorsitzenden aufrückte, mit einer Rechnung von Netwok über 359.000 Euro in Verbindung gebracht. Diese Forderung war Ende November 2006 über die Kostenstelle des Vorstandsvorsitzenden beglichen worden. Obermann selbst will davon erst im Sommer des folgenden Jahres erfahren haben. Weder gegen Obermann noch andere aktive Mitglieder des Vorstandes laufen staatsanwaltliche Ermittlungen. Diese beschränken sich nach wie vor auf Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke, den damaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, den Gesellschafter von Network Deutschland und 5 ehemalige oder noch aktive Mitarbeiter der Telekom, deren Namen die Staatsanwaltschaft nicht nennt. Der frühere Personalvorstand Heinz Klinkhammer, dem seinerzeit auf Vorstandsebene die Sicherheitsabteilung unterstellt war, sei nicht darunter, sagte Apostel. Klinkhammer werde nur als Zeuge angehört. Auch der langjährige Kommunikationschef der Telekom, Jürgen Kindervater, steht nicht auf der Ermittlungsliste.

Staatsanwalt zurückhaltend

Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft die Befragung des Geschäftsführers von Network Deutschland, Ralph Kühn, fortgesetzt. Dieser spielt für die Aufdeckung der Affäre offenbar eine Schlüsselrolle. Erst durch ein von ihm an die Telekom gesandtes Fax mit der Forderung nach Begleichung einer Rechnung war der Konzern auf die Weitergabe der Telefondatenverbindungssätze aufmerksam geworden und hatte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. „Sehr viele andere Quellen als Herr Kühn gibt es nicht“, sagte Apostel. Es sind aber auch schon eine Reihe weiterer Personen vernommen worden, unter ihnen der Telekom-Mitarbeiter, der im Sommer 2007 auf die Bespitzelung eines Magazinjournalisten aufmerksam geworden war und dieses der Konzernführung gemeldet hatte. Um wen es sich dabei handelt, halten die Staatsanwaltschaft und der Konzern geheim. Die Staatsanwaltschaft prüfe auch Vorgänge in den Jahren vor 2005. Dabei gehe es im wesentlich aber um Sachverhalte, die einen Bezug zu der Weitergabe der Telefondaten haben könnten, erläuterte Apostel. Berichte über eine bereits bis zum Jahr 2000 zurückreichende Observierung eines Zeitungsjournalisten spielte er herunter. „Das lässt uns relativ kalt“, sagte er. Schon zwei Jahre zuvor soll die damalige Telekomführung erstmals an Detekteien herangetreten sein, um Vorschläge einzuholen, wie sich die Weitergabe interner Informationen unterbinden lasse. Vorstandschef war damals Ron Sommer.

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