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FAZ.NET exklusiv : Deutscher Würzwein für den Weltmarkt

Maximilian Wagner ist Geschäftsführer von Belsazar. Bild: Peter Badenhop

Der Spirituosen-Konzern Diageo kauft den Wermut-Hersteller Belsazar. Die Marke des Berliner Start-ups schließt eine Lücke im Portfolio des Getränke-Giganten.

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          Diageo hat seinem Portfolio eine weitere aufstrebende Marke hinzugefügt: Der weltgrößte Spirituosen-Konzern hat den deutschen Wermut-Hersteller Belsazar übernommen. Wie das britische Unternehmen, zu dessen bekanntesten Marken Johnnie Walker, Smirnoff, Tanqueray, Baileys und Guinness gehören, mitteilt, will der Konzern damit seine Präsenz im Aperitif-Segment stärken und die Marke im europäischen Raum weiter bekannt machen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Marktbeobachter sehen in der Übernahme insbesondere den Versuch von Diageo, eine Lücke im Portfolio zu schließen und den Trend zu leichteren alkoholischen Getränken zu bedienen, wie es der konkurrierende Pernod-Ricard-Konzern und insbesondere die Campari-Gruppe schon tun. Über das Volumen der Vereinbarung mit der Belsazar GmbH wurde nichts bekannt, auch Umsatzzahlen wurden nicht genannt.

          „Viele Möglichkeiten für uns“

          Belsazar ist eine sehr junge Marke. Die Firma ist erst Ende 2013 von Maximilian Wagner und Sebastian Brack, die zuvor für die Münchener Gin-Destille „The Duke“ beziehungsweise für die Tonic-Marke „Thomas Henry“ tätig waren, in Berlin gegründet worden. Mit seinen vier unterschiedlichen Wermut-Varianten – Dry, White, Rose und Red – im gehobenen Segment sorgte das Start-up auf dem boomenden Wermut-Markt als erster deutscher Hersteller innerhalb von nur zwei Jahren für Furore und wurde in der Bar-Szene schnell bekannt.

          Bei der „International Spirits Challenge“, einem renommierten Spirituosenwettbewerb, wurde Belsazar 2014 in den Kategorien „New Product Range“ und „Best Design and Packaging for On-Trade-Products“ mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet. Inzwischen sind die Würzweine aus Berlin vor allem in der anspruchsvollen Gastronomie weitverbreitet, in erster Linie in Deutschland, zunehmend aber auch im europäischen Ausland, dort insbesondere in Großbritannien.

          Produziert wird der Wermut in Südbaden. Die Grundweine stammen von Winzern im Markgräflerland und am Kaiserstuhl. Die Mazeration, sprich die Aromatisierung der Weine mit Kräutern, Gewürzen und dem namengebenden Wermutkraut, das Aufspriten mit Weinbrand und das Veredeln mit Obstbrand und Traubenmost, werden in Zusammenarbeit mit der Traditionsbrennerei Schladerer in Staufen im Breisgau vorgenommen.

          Daran soll sich nach den Worten von Wagner und Brack, die die Firma nach der Übernahme durch Diageo als Direktoren weiterhin leiten werden, auch in Zukunft nichts ändern. Die Produktion werde wie bisher mit den gleichen Lieferanten und an gleicher Stelle fortgesetzt. „Für Belsazar bietet die Übernahme und damit die Integration in eine der weltweit größten Vertriebsorganisationen viele Möglichkeiten“, sagte Wagner im Gespräch mit FAZ.NET.

          Es sei aber nicht daran gedacht und auch nicht möglich, die Produktion kurzfristig stark zu erhöhen. „Wir wollen die Menge nicht über Nacht verdoppeln oder verdreifachen, sondern organisch wachsen“, fügte Brack hinzu. Die Qualität des Wermuts habe Vorrang und setze gewisse Wachstumsgrenzen. Ideen für neue Produkte und spezielle Editionen gebe es gleichwohl schon. Der Wermut-Markt sei noch lange nicht „ausgereizt“.

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