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Spielzeugbranche : Furby schnarcht, schmatzt und erobert Deutschland

Der viertbeste Artikel an Weihnachten: Hasbros Furby Bild: AP

Das Pelztier Furby verkaufte sich 2005 mehr als 100.000 Mal. Doch das war nur die Vorhut: Der Spielzeugkonzern Hasbro lehrt die deutsche Konkurrenz das Fürchten. Etwa mit einem Monopoly-Spiel für Fußballfans.

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          Dem Firmenmotto „Making the world smile“ kam der amerikanische Spielzeug-Multi Hasbro im vergangenen Jahr nicht immer nach. „Die Mienen der Anleger hellen sie mit ihren Aktien nicht auf“, klagten Börsianer im Oktober, als die beiden weltweiten Branchenführer Mattel und Hasbro enttäuschende Quartalszahlen vorlegten.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt will Hasbro verstärkt Gas geben, zumindest hierzulande. „Derzeit sind wir im traditionellen deutschen Spielwarenmarkt die Nummer fünf. Unser mittelfristiges Ziel ist es, in die Liga der Top drei vorzustoßen“, gibt Geschäftsführer Michael Rauterkus im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Linie vor.

          Deutschland einer der wichtigsten Märkte

          Das ist ein ehrgeiziges Anliegen. Schließlich muß Rauterkus dafür den erfolgreichen Spielehersteller Ravensburger und auch den wachstumsstarken Männchen-Anbieter Playmobil hinter sich lassen. Deutschland gehört für den amerikanischen Milliardenkonzern mit einem Inlandsumsatz von 110 Millionen Euro zu den wichtigsten Märkten weltweit - nur in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien und Frankreich sind die Hasbro-Erlöse höher.

          Bild: FAZ.NET

          Noch jedoch hat die „Barbie“- und „Matchbox“-Firma Mattel zwischen Freiburg und Rügen die Nase vorn. Unabhängige Schätzungen sehen Mattel mit zwölf Prozent Marktanteil auf Rang eins, Lego mit zehn Prozent auf Platz zwei und Playmobil mit acht Prozent auf Rang drei. Ravensburger und Hasbro belegen mit jeweils rund sechs Prozent die Plätze vier und fünf.

          Monopoly mit Kreditkarte

          Seine Hoffnungen setzt Rauterkus auf einen erneut überdurchschnittlichen Erfolg des Longsellers „Monopoly“. Seit der Übernahme von Parker gehört Monopoly zum Hasbro-Reich. Die Attraktivität des sieben Jahrzehnte alten Wirtschaftsklassikers scheint ungebrochen. Mit immer neuen Editionen hält sie der Hersteller stets wach.

          Beim 2005 erschienenen Banking-Monopoly werden die fälligen Mieten statt mit Geldscheinen erstmals elektronisch - mit Kreditkarten - gezahlt. Die Version kam so gut an, daß der deutsche Hasbro-Ableger im vergangenen Jahr innerhalb von drei Monaten 50.000 Packungen absetzte. „Und wir hätten 25 Prozent mehr verkaufen können“, schätzt Rauterkus.

          Kooperation mit Telekom und McDonald's

          Die neueste Monopoly-Version stellt Hasbro auf der Spielwarenmesse vor, die am Donnerstag in Nürnberg beginnt. Bei der „Fifa-WM 2006“-Edition kaufen die Spieler keine Straßen mehr, sondern ganze Nationen. Gebaut werden keine Häuser, sondern Tribünen. Wer genug Tribünen beisammen hat, darf ein Stadion errichten und ordentlich Miete kassieren.

          Hasbro verläßt sich nicht nur auf den Reiz des Fußballs. Der Spielehersteller und die Deutsche Telekom als WM-Sponsor sind eine raffinierte Kooperation eingegangen. Auf dem Brett kann man (statt des Wasserwerks und des Elektrizitätswerks) die Firmen Telekom und McDonald's (ebenfalls Sponsor) kaufen. Zum Dank für die prominente Plazierung des Magenta-Logos darf Hasbro seine Monopoly-Bretter in den T-Punkten anbieten.

          Geschäftsführer Rauterkus prognostiziert einen Absatz von 100.000 Fußball-Monopoly-Spielen im Jahr der Weltmeisterschaft und schwärmt: „eine Win-win-Situation“. Das hat die echte Wirtschaft dem Kapitalismusspiel voraus: Dort gibt es am Ende immer nur einen Gewinner.

          Schwierige Branche

          Die Spielzeugbranche in Deutschland hat es nicht leicht : Geburtenrückgänge, ein immer früheres Ende des kindlichen Spielalters und die Konsumflaute machen den Unternehmen zu schaffen. Auch 2005 gab es wieder ein Minus : Mit traditionellem Spielzeug wurden nach ersten Schätzungen 2,286 Milliarden Euro umgesetzt, 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Unter Einschluß der Videospiele setzten die Spielzeughersteller hierzulande 3,2 Milliarden Euro um.

          Der Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) mag dennoch nicht schwarzmalen. Er habe anfangs mit einem Abschwung um fünf Prozent gerechnet, räumt Geschäftsführer Volker Schmid ein. Für die Zukunft erwartet er wieder Zuwächse . Bis zum Jahr 2010 sollen die Erlöse um zehn Prozent steigen. Als einen Grund dafür nennt Schmid: Die „Bildschirmmonokultur“ ebbe ab, traditionelle Firmen wie Modellbauer spürten eine zunehmende Nachfrage.

          Vor der Spielwarenmesse in Nürnberg (2. 2. bis 7. 2.) verbreiten Produzenten und Händler wieder Optimismus. Zum wichtigsten Branchentreff werden 70.000 Fachbesucher erwartet, die von 2.700 Ausstellern 60.000 neue Produkte zu sehen bekommen. Zu den interessantesten Neuheiten zählt der Händlerverband idee+spiel aufgemotzte Automodelle in Anlehnung an die TV-Serie „Pimp my Ride“ sowie Modellbahnen, die Nostalgie und Digitaltechnik verbinden. Lego präsentiert „Star Wars“-Lizenzprodukte, Playmobil stellt ein Fußballstadion vor. In der Neugeborenenstation von Zapf kann „Baby Annabell“ versorgt werden. Ravensburger stellt das Farbwürfelspiel „Bärenbande“ vor. Und „mega-angesagt“ seien weiterhin „Sudoku“-Zahlenrätsel , heißt es.

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