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Spielekonsolen : Die Revolution im Wohnzimmer

  • -Aktualisiert am

Trittfest: Bewegungsspiele aus dem Hause Microsoft Bild: AP

Bewegungssteuerung heißt das Zauberwort der Spieleindustrie. Statt Eingabegeräten mit vielen Knöpfen sollen die Spiele künftig mit Körperbewegungen gesteuert werden. Mit „Projekt Natal“ hat Microsoft ein spannendes Produkt.

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          Microsoft ist bisher nicht dafür bekannt, zu den großen Innovatoren im Spielemarkt zu gehören. Doch jetzt haben die Microsoft-Entwickler ein Produkt geschaffen, das die gesamte Spieleindustrie revolutionieren könnte: „Projekt Natal“ ist eine unscheinbare kleine Kamera an der Microsoft-Konsole Xbox 360, die Bewegungen und Stimmen erfasst. Und zwar so präzise, dass sich damit Videospiele ohne irgendwelche Bediengeräte (Controller) steuern lassen. Für ein Rennspiel umfasst der Spieler einfach ein fiktives Lenkrad. Ein Schritt vor bedeutet Gas geben; ein Schritt zurück ist ein Tritt auf die Bremse. Und schon beginnt der Rennspaß – ganz ohne Kabel und Knöpfe, intuitiv einfach und doch realistisch schnell. Doch Projekt Natal kann mehr: „Natal erlaubt auch Videokonferenzen, ganz ohne weiteren Kopfhörer oder Mikrofon“, sagte Kudu Tsunado, Chefentwickler von Microsoft Natal, auf der Spielemesse Gamescom in Köln. Videotelefonate lassen sich vom Wohnzimmer aus mittels Fernseher und Xbox führen. Gesteuert wird die Konsole per Sprachbefehl. Auf diese Weise lassen sich auch Filme abspielen. Fernbedienungen sind nicht mehr notwendig.

          Fürs schnelle Ballspiel wie fürs Autorennen

          „Vielen Menschen sind die Controller mit den vielen Knöpfen einfach zu kompliziert. Also mussten wir etwas konstruieren, das sehr einfach und ohne weitere Einführung zu bedienen ist, gleichzeitig aber auch unseren treuen Spielern neue Funktionen bietet. Das klingt auf den ersten Blick wie zwei völlig verschiedene Dinge, aber mit Projekt Natal können wir beides gleichzeitig schaffen“, sagte Tsunado. Die Kamera, erstmals auf der Spielemesse E3 in Los Angeles vorgestellt, funktioniert inzwischen erstaunlich präzise: Ein Sensor erfasst alle Bewegungen des Spielers, unabhängig von den Lichtverhältnissen im Raum. Hebt der Spieler den Arm, hebt auch der nachgezeichnete Avatar auf dem Bildschirm ohne Zeitverzögerung den Arm. Schritte im Raum werden genauso erfasst. Ein schnelles Ballspiel im Wohnzimmer ist mit Natal ebenso möglich wie ein Autorennen.

          Für die Erfassung der Bewegungen und Stimmen sorgen Kamera, Raumklangmikrofon und ein Infrarotsensor, alles in einem etwa 5 mal 10 Zentimeter großen Gerät untergebracht. Die Kamera erfasst die Bewegungen des Spielers anhand von 48 Punkten, die fiktiv an seinem Körper befestigt sind. Das Mikrofon erkennt, aus welchem Teil des Raumes die Stimme kommt und kann die Stimme einer Person zuordnen. Ein Infrarotsensor erfasst zusätzlich die Entfernung des Spielers vom Fernseher: Das System registriert, wenn der Spieler einen Schritt auf den Fernseher zugeht, weil die erfasste Körpertemperatur in dem Moment gestiegen ist. Das Ergebnis ist eine sogenannte Tiefenkarte des Raums, mit deren Hilfe auch erkannt wird, ob der Spieler sitzt oder steht und ob sich einer oder mehrere Menschen im Raum befinden. Bis zu vier Personen können von einem Sensor gleichzeitig erfasst und verarbeitet werden. Mehrere Spieler benötigen also nur einen Sensor, sagte Tsunado.

          Auslieferung nicht vor 2010

          „Wenn wir Natal ausliefern, wird es mit allen Xbox 360 Konsolen funktionieren. Ein zusätzliches Gerät ist nicht nötig. Man muss nur den Sensor an die Xbox anschließen und dann funktioniert es“, sagte er. Natal werde aber nicht mit allen Spielen funktionieren. „Es wird künftig ,Projekt-Natal-Spiele‘ und ,Controller-Spiele‘ geben. Entwickler können allerdings auch ältere Spiele an Natal anpassen“, erklärte Tsunado. Über den Lieferzeitpunkt machte er keine genauen Angaben. „Natal wird 2009 nicht mehr ausgeliefert. Aber jeder Zeitpunkt danach ist möglich.“ Auch zum voraussichtlichen Preis kam keine klare Aussage. „Das Umfeld ist sehr preissensitiv. Superteuer wird Natal also nicht werden“, sagte Tsunado.

          Neben Microsoft arbeiten auch die Konkurrenten Nintendo und Sony an Bewegungssteuerungen. Nintendo hat mit Wii Motion Plus schon ein Gerät auf dem Markt, das Bewegungen der Spieler erfasst. Allerdings hat der Spieler dabei immer noch einen Controller in der Hand. Auch Sony setzt auf das Prinzip, dass die Spieler ein kabelloses, mit Bewegungssensoren ausgestattetes Gerät in der Hand halten. Im kommenden Frühjahr will Sony das fertig entwickelte Gerät auf den Markt bringen, da die passenden Spiele erst noch entwickelt werden müssen. Sony ist sich sicher, Microsoft mit seinem Markteintritt zuvorzukommen. Das innovativere Konzept kommt aber diesmal von Microsoft.

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