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Spielcasinos : Weniger Einsatz am Roulettetisch

Spektakulärer Kunstverkauf

Beim Vollzug des Glücksspielstaatsvertrags gebe es große Defizite, kritisiert der mit dem Glücksspielrecht vertraute Rechtsanwalt Manfred Hecker aus der Kölner Kanzlei CBH. „Die Ordnungsbehörden sind personell damit überfordert, nachhaltig gegen diese Online-Angebote vorzugehen.“ Es gebe einfach zu wenige Mitarbeiter zur Bekämpfung des illegalen Glücksspiels im Internet.

Aber auch die eine Zeitlang wie Pilze aus dem Boden geschossenen Spielhallen, die sich momentan einem verschärften Regulierungsdruck ausgesetzt sehen, machen den Spielbanken zu schaffen. Verbandsgeschäftsführer Wulferding beklagt vor allem die ungleiche Behandlung: Während die Spielbanken zu einer Eingangskontrolle mit Ausweispflicht gezwungen sind, wird in den Spielhallen lediglich das Erreichen der Altersgrenze von 18 Jahren geprüft. Auch müssen nur die Spielbanken Kunden mit auffälligem Spielverhalten sperren. Mit Hilfe der öffentlichen Spielbanken soll laut Spielbankgesetz NRW schließlich das Entstehen von Glücksspielsucht verhindert und der natürliche Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen gelenkt werden, wie es im Juristendeutsch heißt.

Als den Versuch eines Befreiungsschlags kann man in dieser angespannten Wettbewerbslage den von Westspiel geplanten, spektakulären Kunstverkauf deuten (F.A.Z. vom 6. September). Am 12. November werden bei Christie’s in New York zwei Werke von Andy Warhol versteigert, die die Spielbank Aachen in den siebziger Jahren zu Dekorationszwecken erworben hatte. Die Preise damals: 183.000 D-Mark und 205.000 D-Mark. Heute schätzt Christie’s den Wert der beiden Bilder auf 130 Millionen Dollar. Der Verkauf der Werke ermögliche es Westspiel, „ihrem staatlichen Auftrag in NRW auch zukünftig gerecht zu werden und die anstehenden Herausforderungen aus eigenen Vermögen zu bewältigen, ohne den Steuerzahler dadurch zu belasten“, teilt die NRW-Bank auf Anfrage mit. Konkreter heißt es weiter: Mit den Erlösen werde Westspiel seine Standorte modernisieren. Zunächst wird der Jahresüberschuss gemäß Spielbankgesetz vom Land nahezu vollständig abgeschöpft. Im Haushaltsplan 2015 soll dann aber, so die Aussage der NRW-Bank, festgelegt werden, „dass der für die Investitionen des Unternehmens benötigte Betrag an das Unternehmen zurückfließt“.

Größere Veränderungen stehen beispielsweise in Aachen an. Da die Stadt das Kurhaus sanieren will, zieht das Casino zum Jahresende vorübergehend ins Aachener Tivoli. Nach Abschluss der Sanierung soll die Spielbank wieder im Kurhaus untergebracht werden – zusammen mit einem Entertainment-Partner, der ein Varieté-Theater oder ein anderes Showformat anbietet.

Zudem plant Westspiel eine neue Dependance in Köln. In der Nähe des Neumarkts soll dafür bis 2017 ein Neubau errichtet werden. Über die Höhe der erforderlichen Investitionen schweigt sich Westspiel aus. Warum angesichts der harten Konkurrenzsituation überhaupt eine weitere Spielbank errichtet wird? Neue, moderne Standorte seien angesichts effizienterer Abläufe produktiver, kommentiert der Sprecher.

Nach Ansicht von Wulferding, im Hauptberuf Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH & Co. KG, kommt es beim Besuch eines Casinos stark auf das Erlebnis, auf Musik und Atmosphäre an. „Wir müssen uns inszenieren und mehr bieten, als das Spiel am Tablet oder Smartphone es kann.“ Im Casino Baden-Baden veranstaltet er Lesungen mit Wladimir Kaminer, Hellmuth Karasek oder Max Mohr und lässt auch schon mal die örtliche Philharmonie aufspielen. „Wir müssen den Gästen einen Grund geben, ins Casino zu kommen“, sagt Wulferding. „Das Spiel allein kann es nicht sein.“

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