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Spendenzusagen : Die Menschenfreunde hinter Gates und Buffett

Vier von vielen: New York Bürgermeister Michael Bloomberg, CNN-Gründer Ted Turner, Regisseur George Lucas und Oracle-Gründer Larry Ellison (von oben links im Uhrzeigersinn) Bild: AFP

Auf rund 600 Milliarden Dollar wird die Summe geschätzt, die Bill Gates und Warren Buffett bei den Superreichen in den Vereinigten Staaten mit ihrer Initiative der Spendenzusage - „The Giving Pledge“ einsammeln wollen.

          2 Min.

          Vierzig zumeist Milliardäre sind dem Aufruf des Gründers von Microsoft, Bill Gates, und des Investors Warren Buffett bis jetzt gefolgt. Zu den Prominenten auf der Liste gehören Oracle-Chef Larry Ellison, „Star-Wars“-Regisseur George Lucas, der New Yorker Bürgermeister und Medienunternehmer Michael Bloomberg und der Gründer des Nachrichtenkanals CNN, Ted Turner. Sie alle haben öffentlich gelobt, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu geben (siehe auch 40 Milliardäre wollen die Hälfte ihres Vermögens spenden).

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Einsammeln beschreibt die Tätigkeit von Gates und Buffett eigentlich nicht richtig. Die beiden Unternehmerlegenden, die sich seit Jahren einen Namen als Wohltätigkeitslegenden machen, wollen mit ihrer Initiative der Spendenzusage – „The Giving Pledge“ – die Beteiligten nur dazu bringen, sich zu ihrer Wohltätigkeit zu bekennen. Wem die Philanthropen, wie in Amerika die reichen Stifter genannt werden, dann helfen, bestimmt jeder der „Menschenfreunde“ für sich. Die Initiative selbst verwaltet kein Stiftungsvermögen. Einmal im Jahr aber wollen Gates und Buffett die Stifter zusammentrommeln, um sich über erfolgversprechende Ideen auszutauschen.

          Milliardäre für ihre Initiative gewinnen

          Nicht alle der jetzt gemachten Spendenzusagen sind neu. Stifter wie Ellison oder Bloomberg wurden erst von Gates und Buffett überzeugt, ihre Spendentätigkeit richtig publik zu machen. Nach offizieller Darstellung soll die öffentliche Selbstdarstellung die Bereitschaft zum Spenden und Stiften anregen. Manche der Stifter sehen die Initiative indes auch als Signal, das angekratzte Bild des Kapitalismus aufzupolieren. Tom Steyer, der Gründer des Hedge-Fonds Farallon Capital Management LLC will Buffett dabei unterstützen, „die Meinung zu ändern, wie Menschen über das System privater Unternehmen denken“.

          Bild: F.A.Z.

          Die avisierten 600 Milliarden Dollar sind etwa das Doppelte des jährlichen Spendenvolumens in den Vereinigten Staaten, das von der Giving USA Stiftung für 2009 mit 304 Milliarden Dollar beziffert wird.

          Im Zuge der Wirtschaftskrise ist die üppige Spendenbereitschaft der Amerikaner gesunken. 2009 wurden 3,6 Prozent weniger gespendet, im Jahr davor waren es 2 Prozent weniger. Rund 13 Prozent der Spenden ging in Stiftungen, die durch das Steuerrecht begünstigt werden. In Amerika gibt es rund 75.000 Stiftungen. Ihr Vermögen betrug 2007 nach Angaben des Foundation Center rund 682 Milliarden Dollar. Das aber war noch vor der Finanzkrise, in der auch die Stiftungen Wertverluste erlitten. Gates und Buffett denken schon weiter. Sie wollen in den kommenden Monaten versuchen, auch im Ausland, vor allem in China und Indien, Milliardäre für ihre Initiative zu gewinnen.

          Die Stiftungs- und Spendenkultur:
          In Amerika mehr privat, in Deutschland mehr Staat

          Amerika ist das Land der großen Spender und Stifter. In der bekannten Studie der Johns-Hopkins-Universität über den gemeinnützigen Bereich stehen die Vereinigten Staaten an der Spitze der Länder auf der Welt. Auf 1,85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beliefen sich die Spenden von „Philanthropen“, so die Zahlen bis 2002, welche die Forscher ausgewertet haben. Deutschland lag mit 0,13 Prozent des BIP abgeschlagen auf dem 32. Platz der Liste. Rechnet man die Kirchensteuer voll hinzu, so steigt der deutsche Wert zwar auf gut 0,5 Prozent - das ist dennoch bloß ein Drittel des amerikanischen Werts.

          „Es gibt sehr unterschiedliche Traditionen“, betont Eckhard Priller vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). „In Amerika gibt es allgemein weniger Staat, mehr Eigenverantwortung der Bürger und folglich mehr zivilgesellschaftliches Engagement“, sagt der Soziologe. Zugleich sei der soziale Druck höher, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“. Nicht zuletzt seien Spenden eine Imagefrage: Tue Gutes und rede darüber, lautet das passende Motto. „Schnellen Profit zu machen ist in Amerika akzeptiert, wogegen man in Deutschland seinen Reichtum nicht so zeigt.“ Auch mit großzügigen Spenden halte man sich dann eher zurück.

          Jährlich 800 bis 1000 Stiftungen mehr

          „Die Verteilung von Privat und Staat ist in den Vereinigten Staaten ganz anders“, betont auch der Wirtschaftshistoriker Gerd Habermann. In Deutschland habe der Staat „das soziale und kulturelle Leben immer mehr übernommen und sogar monopolisiert“. Weil der Staat sich ausbreitete und hohe Steuern verlangte, sei die private Initiative ausgetrocknet.

          Ist Deutschland ein Entwicklungsland, was Stiftungen angeht? „Nein, die Lücke schließt sich“, sagt Volker Then, Direktor des Centrums für soziale Investitionen und Innovationen (CSI) an der Universität Heidelberg. Vor allem seit den Reformen des Stiftungsrechts von 2002 und 2007, welche die steuerliche Absetzbarkeit verbesserten, sei die Zahl der privaten Stiftungen rasch gestiegen. Jährlich kommen zwischen 800 und 1000 hinzu.

          Von den derzeit 17.500 Stiftungen sind etwa die Hälfte in den vergangenen zehn Jahren gegründet worden. Zwei Drittel der Stiftungen sind eher klein und haben ein Kapital von weniger als einer Million Euro. Die größten Neugründungen kamen 1995 von den SAP-Gründern Dietmar Hopp und Klaus Tschira, deren Stiftungen inzwischen fast 3 und 2 Milliarden Euro Vermögen verwalten. „Und die Stiftung Mercator des Metro-Miteigentümers Michael Schmidt-Ruthenbeck ist auf dem Weg an die Spitze mit etwa 4 Milliarden Euro“, sagt Then voraus.

          Der Faktor Religion spielt eine große Rolle

          Ein entscheidender Unterschied der Spenden- und Stiftungskultur ist wohl der Faktor Religion, der in Amerika eine viel größere Rolle spielt. Den Anteil der Spenden, der in Amerika an kirchliche Einrichtungen geht, schätzt Priller vom WZB auf bis zu 50 Prozent. CSI-Direktor Then schätzt etwas weniger, etwa ein Drittel.

          Laut der Johns-Hopkins-Studie waren im Jahr 2002 in den Vereinigten Staaten immerhin fast 13 Prozent der gemeinnützigen Aktivitäten durch private Stiftungen und Spenden finanziert, in Deutschland dagegen nur 3,4 Prozent. Then schätzt, dass dieser Anteil heute auf etwa 5 Prozent gestiegen sei. Das liegt noch deutlich unter den Anteilen in Österreich (6,1 Prozent), Frankreich (7,5 Prozent) und Großbritannien (fast 8 Prozent). (ppl.)

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