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Spekulationsaffäre : New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Société Générale

Die Kontrollen waren trotz Hinweisen zu gering und Kerviel konnte ungehindert spekulieren Bild: AFP

Die Banque de France hat schon im März 2007 schärfere Kontrollen bei der Société Générale verlangt. Die Vorwürfe verstärken die Erklärungsnot der Bank. In Amerika ermitteln Staatsanwalt und Börsenaufsicht.

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          Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die von einem Milliardenskandal erschütterte französische Großbank Société Générale (SG) aufgenommen. Die Bank kooperiere vollständig mit den Ermittlern, sagte eine SG-Sprecherin am Dienstag in Paris, ohne Einzelheiten über den Gegenstand des Verfahrens zu nennen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die SG ist von der französischen Zentralbank schon im März 2007 aufgefordert worden, ihre internen Kontrollen zu verstärken. Dies berichtete die französische Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde in einem vorläufigen Untersuchungsbericht. Zu dieser Zeit begann auch der Händler Jérôme Kerviel im großen Stil mit seinen unerlaubten Spekulationen, die zu Verlusten von rund 4,9 Milliarden Euro geführt haben; am 24. Januar 2008 wurden sie öffentlich. Damit zeigt sich, dass Zweifel an den internen Abläufen bei der SG schon länger bestanden.

          Die Aufforderung schärferer Kontrollen bezog sich nach Angaben der Ministerin zwar weitgehend auf den Handel mit strukturierten Aktienderivaten, die nicht die Milliarden-Verluste der SG verursacht haben, aber auch auf „alle Finanzinstrumente, besonders die Terminkontrakte“. Der Milliarden-Verlust ist durch Kerviels Spekulationen mit einfachen Terminkontrakten auf europäische Aktienindizes entstanden.

          Die Vorwürfe der Ministerin verstärken die Erklärungsnot der französischen Großbank. Lagarde berichtet zwar, die SG habe zusätzliche Kontrollen eingeführt, nachdem die Bankenkommission der Banque de France sie im vergangenen März in zwei Briefen auf die Missstände aufmerksam gemacht habe. Doch haben die Geschäfte Kerviels gezeigt, dass die Überwachung unzureichend blieb. Lagarde wies dabei zusätzlich auf die Nachfragen der Terminbörse Eurex im vergangenen November hin, die nicht zu ausreichenden Nachforschungen geführt hätten.

          „Neue Standards“ für die Banken gefordert

          Lagarde forderte auch, auf internationaler Ebene über „neue Standards“ für die Banken nachzudenken. Die Aufsichtsbehörden in Europa sollten beispielsweise präzisieren, wie viel Eigenkapital zur Sicherung bestimmter Risiken erforderlich sei. Auch müsste das Banken-Regelwerk unter dem Stichwort Basel II besser in Übereinstimmung mit den internationalen Rechnungslegungs-Vorschriften IFRS gebracht werden. In ihrem Bericht macht Lagarde auf etliche interne Schwachstellen der SG aufmerksam. So hat Kerviel offenbar einige erfundene Operationen in das Handelssystem eingegeben, deren Gegenpartei er nur als „bevorstehend“ (“pending“) bezeichnete. Auf diese Art erfuhren die Kontrolleure nichts davon. Dann nutzte er Terminkontrakte „mit einer internen Gegenpartei“, die also zur SG gehörte, und damit keine Anzahlungen erforderte.

          Die Vorgänge dieser Art sind derzeit Gegenstand von vier Untersuchungen. Lagarde empfiehlt, das Augenmerk auf die Tatsache zu legen, dass die SG die absolute Höhe ihrer Marktpositionen überwacht und nicht nur ihre relative Größe in Bezug auf Gegengeschäfte. Auch müssten die Zahlungsströme für Anzahlungen, Garantien und erzielte Gewinne oder Verluste besser kontrolliert werden. Zudem solle die Bestätigung von Handelsgeschäften durch eine Gegenpartei öfter erforderlich gemacht werden. Nicht zuletzt sei eine „chinesische Mauer“ zwischen Händlern und Kontrolleuren aufzubauen; die Passwörter des Informationssystems müssten besser geschützt werden, so dass sich niemand unberechtigt Zugang verschaffen kann. Schließlich müsse auffälliges Verhalten wie Kerviels Verzicht auf Urlaub von den Verantwortlichen registriert werden.

          Die Aktie der krisengeschüttelten Bank verlor am Montag fast 4,8 Prozent. Am Montag begann in Paris auch ein Prozess in der Affäre eines groß angelegten Scheckbetrugs während der neunziger Jahre. Der SG sowie anderen Banken werden dabei ebenfalls laxe Kontrollen vorgeworfen. In den Vereinigten Staaten ermitteln jetzt auch das Justizministerium sowie die Börsenaufsicht SEC wegen des Verdachts auf Insiderhandel durch das SG-Verwaltungsratsmitglied Robert Day. SEC und das Justizministerium kommentierten den Bericht zunächst nicht. Ein Sprecher Days wies in der Online-Ausgabe des „Wall Street Journal“ den Verdacht zurück, Day habe Insiderwissen genutzt, um sich vor Kursverlusten zu schützen.

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