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Spekulationen um schwache Gesundheit : Apple-Gründer Steve Jobs tritt zurück

Steve Jobs und das iPad Bild: REUTERS

Eine Ära geht zu Ende: Apple-Gründer Steve Jobs beugt sich seiner schwachen Gesundheit. Der Mann hinter iPhone, iPad und Mac gibt den Chefposten an Cook ab.

          Der amerikanische Elektronikkonzern Apple Inc. erlebt einen historischen Einschnitt: Der schwer erkrankte Mitgründer Steve Jobs ist mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens zurückgetreten. Nachfolger wird Timothy Cook, der als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft führt und der Jobs zuletzt bereits vertreten hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der 56 Jahre alte Jobs verabschiedet sich noch nicht ganz von Apple und wird den Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrats (Chairman) annehmen. Apple gab den Rücktritt von Jobs am Mittwochabend amerikanischer Zeit bekannt. Der Aktienkurs des Unternehmens verlor daraufhin im nachbörslichen Handel rund fünf Prozent an Wert.

          Seinen Rückzug teilte Jobs in einem Brief „an den Verwaltungsrat und an die Apple-Gemeinde“ mit. Er schrieb darin: „Ich habe immer gesagt, sollte jemals ein Tag kommen, an dem ich meine Pflichten und meine Erwartungen als CEO von Apple nicht mehr erfüllen kann, wäre ich der erste, der Sie das wissen lässt. Leider ist dieser Tag gekommen.“

          Neuer Apple-Chef: Timothy Cook

          Jobs hat im Januar dieses Jahres eine krankheitsbedingte Auszeit genommen und seither eine etwaige Rückkehr offen gelassen. Es war für ihn bereits die dritte medizinische Zwangspause: 2004 erkrankte er an Bauchspeicheldrüsenkrebs und musste sich einer Operation unterziehen, 2009 bekam er eine Lebertransplantation. Bei der Ankündigung der neuerlichen Auszeit gab er keine Details zu seinem Gesundheitszustand preis. Er zeigte sich aber seither mehrmals bei Apple-Veranstaltungen, zuletzt im Juni bei der Vorstellung des Service-Angebots iCloud. Jobs gab in allen drei Fällen seiner Abwesenheit die Führung übergangsweise an Tim Cook ab. Deshalb wurde Cook in der Branche schon seit Jahren als wahrscheinlicher Kandidat gehandelt, eines Tages Nachfolger von Jobs zu werden. Cook hat einen Ruf als brillianter Manager für das operative Geschäft, gilt aber nicht als charismatischer Visionär so wie Jobs.

          Apple-Gründer Jobs und Wozniak

          Steve Jobs gehört zu den einflussreichsten Figuren der Technologiebranche in den vergangenen Jahrzehnten. Kaum ein anderes Unternehmen wird so stark mit der Person des Vorstandsvorsitzenden identifiziert wie dies bei Apple und Jobs der Fall ist. Er gilt als der Architekt der Erfolgsgeschichte des Konzerns in den vergangenen Jahren. Jobs hat Apple jenseits seiner Wurzeln als Computerhersteller zu einem breit aufgestellten Elektronikkonzern gemacht. Produkte wie der digitale Musikspieler iPod, das internetfähige Handy iPhone und zuletzt der Tabletcomputer iPad haben ganze Märkte revolutioniert.

          Auf das iPad etwa scheint derzeit die ganze Branche keine Antwort zu finden. Es zog viele Nachahmer an, aber kaum ein Wettbewerber hat bislang Erfolg. Daneben macht das iPad auch dem Geschäft mit traditionellen Personalcomputern immer mehr zu schaffen. Mit diesem „Tablet-Effekt“ begründete der Technologiekonzern Hewlett-Packard in der vergangenen Woche seine spektakuläre Entscheidung, seine PC-Sparte zur Disposition zu stellen.

          Steve Jobs hat Apple 1976 zusammen mit seinem guten Freund Steve Wozniak gegründet. Schon bald danach brachte das Unternehmen den „Apple II“ auf den Markt, einen der ersten erfolgreichen Personalcomputer. 1984 kam der revolutionäre Macintosh, der erste Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche, die später zum Standard wurde. Trotz seiner Pionierrolle hat Apple im Laufe der Jahre Marktanteile an billigere Personalcomputer verloren, die mit dem Betriebssystem Windows des Softwarekonzerns Microsoft arbeiten. Windows-Rechner dominierten bald den Computermarkt, während Apple sich mit der Rolle als Nischenanbieter für Statusbewusste und Technikfreaks zufrieden geben musste.

          Umweg „Next“

          1985 musste Steve Jobs einen Karrieretiefschlag hinnehmen, als er vom Aufsichtsrat aus dem Unternehmen gedrängt wurde. Er gründete dann ein weiteres Computerunternehmen mit dem Namen Next, das aber kein Erfolg wurde. Apple machte derweil unter seinem Nachfolger John Sculley den Macintosh zu einem massentauglicheren Rechner, verzettelte sich aber später mit zu vielen Produkten und rutsche in die Krise. Nach einer Serie von Chefwechseln holte der Konzern 1996 Jobs wieder zurück. Zu diesem Zeitpunkt machte das Unternehmen hohe Verluste.

          Der Wiederaufstieg von Apple mit Steve Jobs begann 1998 mit dem iMac-Computer, ein Jahr später folgte die erfolgreiche Laptop-Reihe iBook. Apple meldete sich mit diesen Produkten wieder als innovatives Unternehmen mit einem Gespür für Design zurück. In den Jahren danach führte Jobs Apple in neue Segmente, und es begann die Ära von iPod, iPhone und iPad. Im vergangenen Jahr nahm Apple seinem Dauerrivalen Microsoft die Krone als am höchsten bewertetes Technologieunternehmen der Welt ab. Vor wenigen Wochen löste Apple für kurze Zeit sogar den Ölkonzern Exxon-Mobil als wertvollstes Unternehmen insgesamt ab. Die momentanen Sorgen um eine Konsumabschwächung gehen an Apple völlig vorbei: In seinem jüngsten Quartalsbericht meldete der Konzern einen Umsatzsprung um 82 Prozent auf 28,6 Milliarden Dollar, der Nettogewinn hat sich auf 7,3 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

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