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Spekulation wird konkreter : Allianz erwägt Verkauf der Dresdner an China

Kein ganz klares Bild von der Zukunft der Dresdner - noch nicht Bild: AP

Nach Informationen der F.A.Z. erwägt die Allianz, die Mehrheit an ihrer angeschlagenen Tochtergesellschaft an die China Development Bank zu verkaufen. Das könnte gut sein für die Mitarbeiter, aber es droht politischer Widerstand.

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          Die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB) streckt ihren Arm nach der Dresdner Bank aus. Nach Informationen der F.A.Z. aus Finanzkreisen erwägt die Allianz, der die Dresdner Bank bislang gehört, die Mehrheit an ihrer angeschlagenen Frankfurter Tochtergesellschaft an die CDB zu verkaufen. Damit werden die Spekulationen um das Interesse der CDB an der Dresdner Bank deutlich konkreter ().

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Wie zu hören ist, bieten die Chinesen einen wesentlich höheren Preis als die Commerzbank, die seit Monaten mit der Allianz über eine Mehrheitsübernahme der Dresdner Bank verhandelt. Analysten schätzten deren Wert auf 8 bis 9 Milliarden Euro. Zudem sei die CDB bereit, den Kaufpreis komplett in bar zu bezahlen, heißt es. Die Allianz würde aber Minderheitsaktionär bleiben. Im Falle eines Verkaufs an die Commerzbank hingegen würde diese voraussichtlich zumindest teilweise in eigenen Aktien bezahlen. Verlockend ist ein Verkauf an die Chinesen für die Allianz auch, weil sich damit attraktive Vertriebsmöglichkeiten in dem wichtigen Wachstumsmarkt knüpfen könnten und die Dresdner zum Brückenkopf für alle Bankgeschäfte mit China würde.

          Diekmann befürchtet Widerstand aus der Politik

          Der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann befürchtet dem Vernehmen nach allerdings erheblichen Widerstand aus der Politik gegen den Verkauf einer der größten deutschen Geschäftsbanken an ein chinesisches Staatsunternehmen. Die CDB ist die größte der drei staatlichen Entwicklungsbanken der Volksrepublik China. Umgekehrt könnte die Belegschaft bei einem Zuschlag an die CDB aber sehr viel glimpflicher davonkommen. Wenn die Dresdner Bank an die Commerzbank gehe, drohe möglicherweise der Abbau von mehr als 10.000 Stellen, heißt es. Denn beide Kreditinstitute haben große Überschneidungen. Schmerzhafte Arbeitsplatzverluste seien vor allem in den Frankfurter Zentralen beider Geldhäuser zu erwarten. Die hochdefizitäre Kapitalmarktsparte Dresdner Kleinwort würde von der Commerzbank zudem stark zurückgestutzt oder ganz abgewickelt. Gewerkschaftsvertreter werben deshalb schon seit Monaten dafür, die Dresdner Bank ins Ausland zu verkaufen. Die Chancen der Chinesen seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen, heißt es. Am Wochenende könnte der Allianz-Aufsichtsrat zu einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung zusammenkommen, ist weiter zu hören.

          Die Chinesen bieten mehr Geld als die Commerzbank, heißt es
          Die Chinesen bieten mehr Geld als die Commerzbank, heißt es : Bild: Michael Probst

          Ganz oder gar nicht?

          Neben einem Verkauf an CDB oder Commerzbank war am Dienstag auch die Option auf dem Tisch, den Verkauf vorerst ganz abzublasen. In diesem Fall muss Diekmann allerdings befürchten, persönlich unter Druck zu geraten. Denn der Allianz-Chef hat im Frühjahr öffentlich klar signalisiert, dass er eine Lösung für den Verlustbringer Dresdner Bank finden werde. Die besseren Aussichten der Chinesen sind auch darauf zurückzuführen, dass der Allianz ein möglicher Verkauf an die vergleichsweise kleine und kapitalschwache Commerzbank zunehmend unsicher erscheine. Eine Transaktion mit der Commerzbank würde nach bisherigen Planungen in zwei Stufen erfolgen. Demnach würde diese zunächst nur einen niedrigen Mehrheitsanteil an der Dresdner Bank erwerben. Anschließend müsste eine außerordentliche Hauptversammlung der Commerzbank über eine weitere Aufstockung entscheiden. Letztlich würde der Anteil der Allianz an der neuen Gesamtbank knapp 30 Prozent betragen. Die Allianz hat jedoch Zweifel, ob der Hauptversammlungsbeschluss wie geplant zustande kommt. Es bestehe das Risiko eines Scheiterns.

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