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SPD-Politiker verbrennt Shirt : „Adidas wollte das Gesetz ausnutzen“

Der SPD-Politiker Florian Post verbrennt ein Adidas-Shirt. Mit der Aktion protestiert er dagegen, dass Adidas die Miete für seine Läden vorerst nicht zahlt. Die Aufnahme ist ein Bildschirmfoto vom Twitter-Video des Politikers. Bild: Twitter/Florian Post

Adidas wird heftig kritisiert, weil es die meisten Mieten für seine Läden stunden will. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post hat deshalb sogar ein T-Shirt verbrannt. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Aktion.

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          Herr Post, Sie haben ein Adidas-T-Shirt verbrannt. Warum?

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ich bin Mitglied des Rechtsausschusses. Wir haben das Gesetz beschlossen, dass Unternehmen in Corona-bedingten Notlagen Mietzahlungen stunden können bis zum 30.6., die Mieten werden also nicht erlassen. Das Gesetz gibt es aber nicht her, dass ein Konzern mit Milliardengewinn damit die liquiden Mittel schonen kann. Darum ging es mir. Und ich wollte dem Einhalt gebieten, damit nicht weitere Unternehmen auf die Idee kommen, das Gesetz auszunutzen. Ein Vermieter aus meinem Wahlkreis hat mir geschrieben, dass gerade eine Drogeriemarktkette angefragt hat wegen Mietminderung. Aus welchem Grund sollte es die geben? Die haben offen, da stehen die Leute Schlange.

          Sie halten die Aktion also für erfolgreich?

          Meine Aktion ist hervorragend gelungen. Ich habe die Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt.

          Haben Sie kein Verständnis dafür, dass auch ein Unternehmen wie Adidas schauen muss, dass es durch die Krise kommt?

          Natürlich habe ich Verständnis. Aber der erste Schritt ist nicht, dass ich die Mietzahlungen stoppe. Da sollen die Vorstandsgehälter nicht gezahlt werden. Das Gesetz ist doch nicht dafür da, liquide Mittel zu schonen. Es geht darum, Unternehmen zu retten und Insolvenzen zu verhindern. Dafür ist das Gesetz da und für nichts anderes.

          Adidas hat die Miete ja nur gestundet und die meisten Vermieter sind selbst große Ketten, sagt Adidas. Seit wann steht die SPD auf der Seite großer Immobilienvermieter?

          Die SPD steht auf Seiten des Rechts. Wir behandeln dieses Thema hier nicht ideologisch. Dieses Gesetz gibt genug Möglichkeiten bei finanziellen Engpässen. Adidas wollte das Gesetz aber ausnutzen. Der Reputationsschaden ist nun selbstverschuldet und maximal. Das Unternehmen hatte nicht geplant, privaten Vermietern die Miete weiterzubezahlen. Es war erst diese Empörung nötig, um Adidas zum Einlenken zu bewegen. Ich würde mir wünschen, dass es anders geht. Aber so ist das leider. Deshalb werte ich meine Aktion als großen Erfolg.

          Finden Sie, dass Großunternehmen insgesamt bisher nicht angemessen auf die Krise reagieren?

          Nein, es gibt genug Unternehmen, die solidarisch sind. Ich habe bewusst von Adidas gesprochen. Es gibt genug Unternehmen, große wie kleine, die helfen und Lösungen aufzeigen. Ich bin auch so fair zu sagen, wenn Adidas eingelenkt hat, dann muss man es gut sein lassen. Das hätte ich mir von vornherein gewünscht. Was mich anwidert, ist: Wenn einfach eine Mitteilung verschickt wird, dass die Miete nicht gezahlt wird. Ich bin hier mit sehr vielen kleineren Unternehmern in München in Kontakt. Die stehen vor existenziellen Problemen: Barbetreiber zum Beispiel. Für die ist dieses Gesetz gedacht. Die meisten von denen suchen mit ihren Vermietern einvernehmliche Lösungen. Deshalb fand ich die Vorgehensweise von Adidas so abstoßend.

          Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post

          Die Stimmung in den sozialen Medien wird zurzeit aufgeheizter. Muss man da als Politiker wirklich noch weiter so polarisieren? Geht es nicht eher um Mäßigung?

          Ich habe ja meine Intention dargelegt. Ich wollte den Finger in die Wunde legen und Aufmerksamkeit erzeugen. Ohne die wäre es nicht so schnell gelungen, Adidas zum Einlenken zu bewegen. Das war jetzt aber natürlich keine Zuspitzung, die sich für den alltäglichen Gebrauch eignet.

          Politiker etablierter Parteien betonen gerade in Richtung AfD immer wieder, dass man sich im Diskurs mäßigen sollte. Ist es da wirklich angebracht, ein T-Shirt anzuzünden?

          Lassen Sie mal die Kirche im Dorf! Ich habe ein altes T-Shirt angezündet. Das hätte sich nicht mal mehr für die Kleiderspende geeignet. Das ist eine verkopfte Diskussion, die die Leute draußen nicht interessiert. Was ist denn verlogen? Wenn auf der Homepage von Adidas steht: „Gerade in diesen Zeiten muss man Teamspirit neu definieren.“ Wie Adidas diesen offensichtlich definiert, haben sie an diesem Wochenende bewiesen.

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