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Spartenverkauf : Thyssen-Krupp stellt Edelstahl zur Disposition

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In der Sparte Edelstahl hatte Thyssen-Krupp zuletzt mit 11.000 Mitarbeitern fast 6 Milliarden Euro Umsatz Bild: picture alliance / dpa

Der Thyssen-Krupp-Konzern will Tochterunternehmen mit 35.000 Beschäftigten abstoßen. Das Geschäft mit Edelstahl hat im zurückliegenden Jahrzehnt häufiger Verluste abgeworfen.

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          Der Thyssen-Krupp-Konzern soll erheblich gestrafft werden. Der Essener Werkstoff- und Technologiekonzern will sich innerhalb von 18 Monaten von Tochtergesellschaften mit insgesamt 35 000 Beschäftigten trennen, die für knapp ein Viertel des Weltumsatzes stehen. Im Mittelpunkt der geplanten Konzentration steht der Teilkonzern Edelstahl, wie einer Mitteilung von Thyssen-Krupp zu entnehmen ist. Zwar ist die 1912 von Krupp zum Patent angemeldete und später Nirosta benannte Marke das Synonym für Edelstahl schlechthin. Aber im Konzern ist der im Ausbau befindliche Qualitätsstahl wesentlich größer und ertragstärker.

          In der Sparte Edelstahl, also der Stainless Global genannten Unternehmensgruppe, hatte Thyssen-Krupp zuletzt mit 11 000 Mitarbeitern fast 6 Milliarden Euro Umsatz. Das sehr volatile Geschäft hat im zurückliegenden Jahrzehnt häufiger Verluste als Gewinne abgeworfen. Der Weltmarkt leidet unter Überkapazitäten. Eine Konsolidierung der vier europäischen Produzenten ist bisher an wettbewerbsrechtlichen Problemen gescheitert. Deshalb hat der Weltstahlmarktführer Arcelor-Mittal erst vor einigen Monaten sein Edelstahlgeschäft verselbständigt und an die Börse gebracht. Dies könnte am Ende auch eine Lösung für die Thyssen-Krupp Stainless Global werden.

          Nach tiefem Absturz in der Wirtschaftskrise erholt sich Thyssen-Krupp schneller als die meisten Wettbewerber. Die Zahlen des am 1. Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2010/ 2011 zeigen in fast allen Arbeitsgebieten Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis. Aber hohe Netto-Finanzschulden von 5 Milliarden Euro engen die Investitionskraft erheblich ein.

          Thyssen-Krupp in Essen: Hohe Netto-Finanzschulden von 5 Milliarden Euro engen die Investitionskraft ein
          Thyssen-Krupp in Essen: Hohe Netto-Finanzschulden von 5 Milliarden Euro engen die Investitionskraft ein : Bild: AFP

          In der Krise trat der Konzern scharf auf die Kostenbremse

          Heinrich Hiesinger, der bei der Thyssen-Krupp AG im Januar den Vorstandsvorsitz übernommen hat, will mit den Verkäufen den Abbau der hohen Netto-Verschuldung beschleunigen und so den Ausbau vor allem im Konzernteil Technologies befeuern. Diese Division soll auf die Geschäftsfelder Aufzüge/Fahrtreppen, Anlagenbau und Komponenten konzentriert werden. Deshalb wird der Rückzug aus international bekannten Autozulieferern wie Bilstein (Federn) und Presta (Lenksysteme) eingeleitet. Die verbleibenden Aktivitäten sollen auch durch Zukäufe so entwickelt werden, dass sie sich auch in den großen Schwellenländern vom Massengeschäft durch hochwertige Produkte abheben. Die Planung sieht vor, dass Thyssen-Krupp während der Verkaufsphase durch organisches und externes Wachstum den Konzernumsatz zumindest stabil hält. Der Kapitalmarkt zeigte sich von diesen Plänen angetan. Die Aktie von Thyssen-Krupp startete an Freitag mit 2,20 Euro oder 7,4 Prozent Kursgewinn in den Handel.

          Das vom Vorstand am Donnerstag beschlossenen Umbau-Programm wird dem Aufsichtsrat am 13. Mai zur Genehmigung vorgelegt. Am gleichen Tag wird das Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr mit 177 000 Beschäftigten 42,6 Milliarden Euro umsetzte, die Zahlen aus dem ersten Geschäftshalbjahr vorstellen. Dazu wird Hiesinger auch die über die geplanten Verkäufe hinausgehenden Teile der Strategie erklären, die er mit seiner Führungsmannschaft in den vergangenen Monaten erarbeitet hat.

          Vor der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hatte der Aufsichtsrat für die beiden Divisionen Werkstoffe und Technologie mittelfristige Investitionsbudgets von jeweils 10 Milliarden Euro genehmigt. Tatsächlich aber haben nur die Stahl- und Edelstahlunternehmen in diesem Umfang investieren können, und zwar in den Aufbau von Produktionsstandorten in Amerika. In der Krise musste der Konzern scharf auf die Kostenbremse treten. Leidtragende waren die Technologieunternehmen. So kommt zum Beispiel Rothe Erde mit der Produktion von Großwälzlagern für Windräder mit den Bestellungen nicht nach. Oder die Aufzugbauer müssen sich in China wegen Kapazitätsengpässen bei Ausschreibungen zurückhalten. Thyssen-Krupp will sich von Unternehmen trennen, die unter anderen Eigentümern besserer Aussichten haben. So stehen die erfolgreiche amerikanische Gießereigruppe Waupaca, ein Bremsscheibenspezialist, der Investitionsmittel für die internationale Expansion benötigt, und das Arbeitsgebiet lasergeschweißte Autobleche auf der Verkaufsliste. Bilstein und Presta sollen vor der Suche nach einem Partner oder Käufer neu geordnet werden.

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