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Sparkurs verschärft : Lufthansa schaltet in den Wintermodus

Noch auf Reisen: Eine Flugbegleiterin vor der Frankfurter Lufthansa-Basis Bild: dpa

Seit Monaten spart der Konzern in der Krise. Doch das reicht nicht mehr, lässt der Vorstand seine Beschäftigten wissen. Auch die gewährte Staatshilfe könnte für Lufthansa teurer werden.

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          Nicht Winterschlaf, sondern „Wintermodus“ nennt der Vorstand der Deutschen Lufthansa den Zustand, in den er den Konzern schickt. Extrem ruhig dürfte es in der Konzernzentrale werden, sie werde „bis auf wenige Arbeitsplätze geschlossen“, informierte die Führung um Carsten Spohr die Beschäftigten in einem Rundschreiben. Auch Flüge wird es weniger geben, weil die Passagierzahlen weiter sinken. Nur noch ein Viertel der Vorjahreskapazität soll angeboten werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Anzahl unserer Gäste auf diesen Flügen wird voraussichtlich bei weniger als einem Fünftel des Vorjahreswertes, und damit noch einmal deutlich unter der angebotenen Kapazität, liegen“, erklärt der Vorstand. Eigentlich wollte Lufthansa zum Jahresende das Angebot wieder auf die Hälfte des Vorjahreswerts hochfahren. Nun werden 125 Flugzeuge, die für den Winter von Parkflächen geholt wurden, wieder abgestellt.

          Der Konzern spart seit Monaten. Doch das genügt nicht mehr. „Wir müssen Ausgaben noch strikter vermeiden und Kosten noch weiter senken. Einen anderen Weg gibt es für uns leider nicht“, heißt es in dem Schreiben. Weniger ausgeben, ist die einzige Möglichkeit Verluste einzudämmen, denn die Aussicht auf mehr Einnahmen gibt es vorerst nicht. Dabei hatte sich Lufthansa vorgenommen, zügig mit der Rückführung von Stillen Einlagen über 5,7 Milliarden Euro, die Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes bereitgestellt hat, zu beginnen.

          Verzinsung der Staatshilfe steigt von 2022 an

          Als Anreiz dafür sollte dienen, dass die gezogenen Mittel nur bis Ende 2021 mit 4 Prozent zu verzinsen sind, danach steigt die Verzinsung Jahr für Jahr um ein Prozent und schließlich 2027 auf 9,5 Prozent. „Wir können aktuell nur auf der Kostenseite kürzen“, lautet intern die Devise, um eine drohende höhere Zinslast zu vermeiden. Das Ziel Konzernführung ist, dass mittelfristig die Deckungskosten für einen Flug schon eingespielt werden, wenn die Hälfte des Plätze leer bleibt. Die Kürzungen werden daher vielfältiger.

          Kleinere und jüngere A350-Jets werden von München nach Frankfurt verschoben, um dort größere Modelle auf den verbliebenen Langstrecken zu ersetzen.  „Aus inaktiven Flugzeugen aller Flotten werden wo immer möglich Ersatzeile genutzt“, kündigt der Vorstand weiter an. Lufthansa verlässt gemietete Büroräume im The-Squaire-Komplex am Frankfurter Flughafen, die Tochtergesellschaft Eurowings gibt ihre Büros in Düsseldorf komplett auf.

          Alle zwei Stunden fließt eine Million ab

          Die Pandemie hat Lufthansa von Beginn an hart getroffen. Als Gesellschaft, die normalerweise viel Geschäftsreiseverkehr über Drehkreuze in Frankfurt und München abwickelt, bekommt sie die Corona-Folgen härter zu spüren als Billigflieger, die dezentrale Strecken abhängig vom Infektionsgeschehen schnell öffnen oder schließen können. Fallen bei einer Netzwerkgesellschaft wie Lufthansa Langstreckenflüge aus, fehlen Geschäftsreisende auch auf den kurzen Zubringerstrecken. Nach neun Monaten ist 2020 ein operativer Verlust von 4,1 Milliarden Euro aufgelaufen. Dieser werde sich im Schlussquartal noch deutlich erhöhen, mahnt der Vorstand. Alle zwei Stunden flössen Mittel von einer Million Euro ab.  

          Lufthansa hatte auch darauf gehofft, mit einer größeren Verbreitung von Corona-Schnelltests Reisenden vor allem auf Transatlanktikrouten Quarantänen zu ersparen und so mehr Flugreisen zu ermöglichen. Das Konzept sieht vor, sichere Korridore zwischen ausgewählten Flughäfen zu schaffen und dann alle Passagiere auf diesen Strecken vor dem Einstieg zu testen.

          Aktuell ist aber offen, ob und wann dieser Plan umgesetzt werden kann. Seit vergangener Woche gibt nur lediglich einen Probelauf der Tochtergesellschaft Austrian Airlines zwischen Wien und Berlin. Stattdessen sieht sich der Konzern in Deutschland damit konfrontiert, dass vom 8. November an für aus Risikogebieten ankommende Passagieren eine Quarantänepflicht gelten soll, ohne dass sie direkt nach der Landung einen Test machen können.

          Lufthansa hat einen Stellenabbau begonnen. Die Zahl der Mitarbeiter in Teil- und Vollzeit, die zu Jahresbeginn 138.000 betrug, soll aber über 100.000 gehalten werden. Angehenden Piloten, die an der Lufthansa-Flugschule in Bremen lernen, hat der Konzern nahegelegt, ihre Ausbildung abzubrechen, da vorerst kein Bedarf bestehe. Nun reift der Plan, die Einrichtung in Bremen nur abgespeckt zu erhalten. „Hier bietet die Ausbildung von Piloten der Bundeswehr eine Option: Die Flugschule in Bremen soll als Standort für den Theorieunterricht gesichert werden. Die praktische Ausbildung kann in Rostock-Laage stattfinden“, heißt es in einer Konzerninformation.

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