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DSGV-Präsident Fahrenschon : Führungsschwäche in der Sparkassengruppe

  • -Aktualisiert am

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon Bild: dpa

Vor allem die Niedrigzinsphase setzt dem Sparkassen- und Giroverband zu. Angesichts dieser Herausforderungen müsste die im Kern regionale Gruppe zusammenrücken. Doch gepflegt wird der Streit.

          3 Min.

          Als Georg Fahrenschon in die Sparkassenorganisation wechselte, galt er dort als Glücksfall. Drei Jahre später ist die Enttäuschung groß. Denn der frühere bayerische Finanzminister füllt das Amt des Sparkassenpräsidenten nur teilweise aus.

          Starke Momente hat Fahrenschon dann, wenn er die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank anprangert. Zu Recht schiebt er ihr die Verantwortung für die „kalte Enteignung“ der Kunden zu, die für ihr Erspartes keine Zinsen mehr erhalten. Doch wie die Sparkassen selbst die Niedrigzinsphase überleben können, lässt er meist offen. Auch hat Fahrenschon für sie trotz seines politischen Sinns kaum gesetzliche Erleichterungen durchsetzen können. Zwar standen die kommunalen Institute stabil in der Finanzkrise. Doch die nun rollende Regulierungswelle aus Bankenabgabe, härteren Eigenkapitalvorgaben und englischsprachigen Aufsehern trifft die kleinen Kassen mit fast genauso viel Wucht wie Großbanken.

          Als Fahrenschon im Mai 2012 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes wurde, waren die kommunalen Institute stolz. Sie hatten einen Landesminister abgeworben, der sich mit der Bundeskanzlerin duzt und dessen Alter von heute 47 Jahren noch eine größere politische Karriere versprach. Doch Fahrenschon war vor allem auch deshalb willkommen, weil er den Aufstieg eines anderen verhindert hat: den von Rolf Gerlach, dem Sparkassenverbandspräsidenten von Westfalen-Lippe.

          Wenn der Stellvertreter dem Präsidenten das Leben schwer macht

          Gerlach hatte sich zuerst für den Posten des Präsidenten aller Sparkassen beworben. Doch außerhalb von Westfalen wollten sich viele nicht von ihm vertreten sehen. Gerlach hatte mit seiner Hartnäckigkeit die Bundesregierung gegen sich aufgebracht. Schließlich war Gerlach von 2004 bis 2007 Aufsichtsratsvorsitzender, als die WestLB von einer Krise in die andere stürzte. Obwohl den nordrhein-westfälischen Sparkassen diese Landesbank mehrheitlich gehörte, gelang es Gerlach, vor ihrem Untergang im Sommer 2012 die Haftung seiner Sparkassen zu begrenzen. Land und Bund wurden Verluste und Pensionslasten in Milliardenhöhe aufgezwungen.

          Der 61 Jahre alte Gerlach wird wissen, dass er nicht mehr vom Stellvertreter zum Präsidenten des Deutschen Sparkassenverbandes aufrücken wird. Aber Gerlach schafft es, Fahrenschon das Leben schwerzumachen, auch weil der Angriffsfläche bietet. Gut vorbereitet in Gremiensitzungen zu gehen, die er leiten muss, gilt nicht als Fahrenschons Stärke. Die Sparkassenorganisation aber funktioniert wesentlich über Gremienarbeit, und Gegenspieler Gerlach ist darin jahrzehntelang als Verbandsfunktionär geübt.

          Fahrenschon dagegen war es als Finanzminister gewohnt, sich auf eine zuverlässig arbeitende bayerische Verwaltung zu stützen. Ihren Sparkassenverband hingegen halten die Mitglieder, vor allem die regionalen Sparkassenverbände, knapp. Fahrenschon sieht nun oft älter aus, als er ist. Vieles kommt in einer sich schnell wandelnden Bankenwelt zu schleppend voran, etwa technische Lösungen für Zahlungen mit Smartphones. Und als Vorsitzender des Verwaltungsrates von Deka- und Landesbank Berlin blieb Fahrenschon die Blamage nicht erspart, dass ihm die Gremien bei zuvor mit Vorständen vereinbarten Vertragsverlängerungen und Gehaltserhöhungen nicht folgten.

          2017 könnte das Eigenkapital einiger Sparkassen aufgezehrt sein

          Im Streit um den Haftungsverbund aus Sparkassen und Landesbanken wird es für Fahrenschon nun aber richtig heikel. Denn hier geht es um das, was die Gruppe im Innersten zusammenhält: das Vertrauen der Kunden. Im Mai müssen EU-konforme Regeln beschlossen sein. Gerlach fordert, die Zusagen für die Stützung von Landesbanken zu begrenzen. Das ist bei vielen Sparkassen populär, gefährdet aber die Stabilität der Gruppe.

          Noch kann Fahrenschon an diesem Donnerstag über gute Geschäftsergebnisse der 416 Sparkassen berichten. Zwei Sondereffekte stützten im vergangenen Jahr den Gewinn: Die Sparkassen mussten keine Wertkorrekturen auf ihre Beteiligungen an Landesbanken verkraften. Und weil die Konjunktur gut läuft, stellen sich viele befürchtete Kreditausfälle bei Firmenkunden nicht ein. Gleichwohl nagt die Niedrigzinsphase an den Sparkassen. Nicht nur die Bundesbank zweifelt daran, dass sie bei absehbar weiter schrumpfenden Zinsmargen ihre vielen Filialen und Mitarbeiter noch bezahlen können. Schon 2017 könnte das Eigenkapital einiger Sparkassen aufgezehrt sein. Die im Kern regional organisierte Sparkassengruppe müsste angesichts dieser Herausforderung jetzt zusammenrücken und Lösungen vorbereiten. Und Fahrenschon müsste dabei führen.

          Immerhin scheint Fahrenschon erkannt zu haben, dass es hier Defizite gibt. Zumindest haute er im November verbal kräftig auf den Tisch. In einer Rede vor Verbandsmitgliedern beklagte Fahrenschon „Auseinandersetzungen zu Lasten der wirtschaftlichen Interessen“, die „auch Mitarbeiter der Sparkassen schlecht aussehen“ ließen. Dieser Weckruf war überfällig. Doch wenn harte Worte wiederholt benutzt werden (müssen), nutzen sie sich schnell ab. Und die Führungsschwäche wird noch offensichtlicher.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

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