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Sparkassen und Landesbanken : "Wir bringen Gemeinwohl und Profitabilität unter einen Hut".

DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt Bild: dpa

Ohne Schadenfreude, aber durchaus mit Genugtuung zieht der Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt zurückgelehnt Bilanz. "Die Privatbanken haben ein außerordentlich schlechtes Geschäftsjahr hinter sich, und es wird nicht bei einem bleiben".

          Ohne Schadenfreude, aber durchaus mit Genugtuung zieht Dietrich Hoppenstedt zurückgelehnt Bilanz. "Die Privatbanken haben ein außerordentlich schlechtes Geschäftsjahr hinter sich, und es wird nicht bei einem bleiben." Mit der Fehleranalyse der Konkurrenz ist der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes schnell zur Hand: "Die privaten Geschäftsbanken haben in den letzten Jahren mit häufigen Strategiewechseln auf sehr kostenträchtige Trends gesetzt. Wie sich heute zeigt, sind die Erträge aus diesen Geschäften sehr schwankungsanfällig. Gleichzeitig haben die deutschen Banken auf eine kontinuierliche Bearbeitung des Heimatmarktes verzichtet, obwohl hier konstante Erträge erzielt werden können. Sanierungen, wie man sie derzeit beobachtet, lenken zusätzlich vom Kunden ab." Müssen wir uns Sorgen um die privaten Banken machen? "Wenn der Aktienmarkt nicht weiter fällt, halte ich den deutschen Bankenmarkt für stabil", antwortet Hoppenstedt. Was passiert, wenn die Kurse nochmals kräftig fallen, läßt er offen. Und wie steht es um die Sparkassen? "Wir sind heute die profitabelste Bankengruppe in Deutschland und werden unsere Wettbewerbsstärke weiter ausbauen." Er verschweigt nicht, daß es noch ein weiter Weg ist, bis die Ziele, die sich die Sparkassen-Finanzgruppe gesteckt hat, erreicht sind. Die Vorgaben lauten: Höchstens 60 Euro Aufwand dürfen anfallen, um 100 Euro an Einnahmen zu erzielen. Derzeit fallen bei einer durchschnittlichen Sparkasse 66,5 Euro Kosten an. Die Rendite auf das Eigenkapital soll von rund 9 auf mindestens 15 Prozent steigen. Muß da nicht die Gemeinwohlorientierung auf der Strecke bleiben? "Keineswegs", widerspricht Hoppenstedt. "Wir bringen Gemeinwohlorientierung und Profitabilität unter einen Hut."

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn das kein Leitmotiv für ein Gespräch ist! Woran zeigt sich denn die Gemeinwohlorientierung der öffentlich-rechtlichen Sparkassen? "Wir weisen keine Kunden zurück", antwortet Hoppenstedt und verweist auf Großbritannien, wo bis zu 3,5 Millionen Bürger kein Geldinstitut fänden, bei dem sie ein Konto eröffnen dürften. "80 bis 90 Prozent derjenigen, die sonst abgewiesen werden, sind heute bei uns." Und fügt schnell hinzu: "Wir haben aber auch die Menge, um das effizient zu machen." Also kein Schließen von Filialen? Hoppenstedt formuliert den Spagat so: "Wir müssen überall erreichbar sein. Aber wenn die Gesellschaft mobiler wird, brauchen wir nicht mehr in jedem Dorf eine Zweigstelle." Mit Zielvorgaben hält er sich zurück - auch, was die Zahl der künftig noch selbständigen Sparkassen angeht. Derzeit sind es 510. "Es wird in den nächsten Jahren bis zu 30 Fusionen im Jahr geben", schätzt er.

          Hohe Verluste wegen hoher Risiken vor allem durch die WestLB, mit der Gemeinwohlorientierung mancher Landesbanken ist es offenbar nicht weit her. "Die ist schwer zu erkennen", gibt Hoppenstedt zu. "Ich gehe aber davon aus, daß in Abstimmung mit den Eigentümern die Landesbanken ihre Geschäfte im Ausland zurückfahren und sich stärker auf das regionale Geschäft besinnen." Der Wegfall der Staatshaftung von 2005 an und das damit einhergehende schlechtere Rating der Landesbanken werde dies forcieren. "Für die Landesbanken ist das Agieren als Geschäftsbank nicht einfach. Der deutsche Markt ist weitgehend verteilt, und die Auslandsmärkte sind, wie sich gezeigt hat, sehr risikoreich. Große Chancen liegen in der engeren Zusammenarbeit mit den Sparkassen."

          Die Sparkassen sind die einzige Bankengruppe in Deutschland, die ihr Kreditgeschäft mit dem Mittelstand im vergangenen Jahr noch ausgeweitet hat. Geht die Expansion weiter? Hoppenstedt argumentiert ganz besonders sorgfältig und stellt voran: "Bei der gegenwärtigen Konjunktur mit 40 000 Insolvenzen pro Jahr gibt es keinen generellen Anspruch auf Kredit. Aber wir verweigern uns nicht", zieht er den Unterschied zu den privaten Banken. Das Ziel der Gewinnmaximierung verfolge die Gruppe nicht. Hoppenstedt teilt neue Firmenkunden, die jetzt Kredit nachfragen, in drei Kategorien ein. "Die erste Gruppe besteht aus bisherigen Kunden der Großbanken, die dort nicht mehr bedient werden, aber kreditwürdig sind. Die nehmen wir zu unseren Konditionen." Heißt das, die Sparkassen nutzen den Rückzug der Großbanken aus der Mittelstandsfinanzierung, um in diesem schwächeren Wettbewerb höhere Margen durchzusetzen? "Ich verstehe den Vorwurf nicht", erwidert Hoppenstedt. "Sonst wird uns doch immer vorgeworfen, wir wären zu günstig und machten damit die Margen kaputt. Es ist doch klar, daß Möglichkeiten zur Margenverbesserung genutzt werden müssen." In Vorbereitung auf "Basel II" seien die Bonitätsnoten für die Schuldner (Ratings) angepaßt worden. "Höhere Risiken zahlen höhere Preise. Das ist eine betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeit", sagt Hoppenstedt.

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