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Sparkassen-Gruppe : Deka und Helaba sollen Fusionsgespräche führen

Helmut Schleweis will als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands strukturelle Entscheidungen treffen. Bild: dpa

Die Struktur der deutschen Sparkassen soll straffer und effizienter werden. Dazu gehört auch die Idee, die Helaba und die Deka zu einem Spitzeninstitut zusammenzuführen. Das könnte Arbeitsplätze kosten.

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          In den Plan, aus mehreren Landesbanken und der Fondsgesellschaft Deka ein Spitzeninstitut für alle 384 deutschen Sparkassen zu bilden, kommt neue Bewegung. Am Dienstag forderten die obersten Vertreter der zwölf regionalen Sparkassenverbände Deka und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) auf, Gespräche „zur Prüfung einer vertieften Zusammenarbeit bis hin zu einer Zusammenführung aufzunehmen“, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) knapp mitteilte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieser Beschluss ist ein Erfolg für DSGV-Präsident Helmut Schleweis, der seit mehr als einem Jahr das Vorhaben verfolgt, aus der Deka, der Immobilienbank Berlin Hyp sowie großen Landesbanken wie LBBW, BayernLB, Nord LB und Helaba ein Spitzeninstitut für alle Sparkassen zu formen. Eine Fusion der beiden Frankfurter Institute Deka und Helaba wäre ein erster Schritt dahin. Allerdings ist nicht klar, ob die bisherigen Widerstände gegen Schleweis’ Plan überwunden werden können.

          Der Sparkassenverband Baden-Württemberg, dem 16,1 Prozent der Sparkassenfondsgesellschaft Deka gehören, blockierte nach Informationen der F.A.Z. schon mehrmals Fusionsversuche mit der Helaba. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Die baden-württembergischen Sparkassen wollen mit der Helaba nicht einen Wettbewerber ihrer Landesbank LBBW stärken. Und sie wollen nicht ihre Anteile an der recht rentablen Deka gegen eine nach einer Fusion den Widrigkeiten der Negativ-Zinsen stärker ausgesetzten Bank-Fondsgesellschaft tauschen.

          Der am Dienstag von den Spitzen der Sparkassengruppe gefasste Beschluss zur Aufnahme von Fusionsgesprächen zwischen Helaba und Deka ist daher im Fall des Erfolges offen auch als Einladung etwa an die LBBW formuliert. Darin heißt es nach Informationen der F.A.Z.: „Über geeignete Strukturen soll weiteren Instituten der Gruppe sofort oder später eine Beteiligung ermöglicht werden.“

          Schleweis’ Vorbild für eine Sparkassen-Zentralbank ist offenbar die DZ Bank der Volks- und Raiffeisenbanken, die aus mehreren Dutzend regionalen Genossenschaftszentralbanken entstanden ist und zu der die Fondsgesellschaft Union Investment, die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die R+V Versicherung gehören. Die Sparkassengruppe dagegen ist in zwölf Regionen mit noch vier großen Landesbanken zersplittert. „In guten Zeiten mit ordentlichen Gewinnen konnten wir uns Ineffizienzen leisten. Heute geht das nicht mehr“, hatte Schleweis im Mai im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt.

          Die Sparkassen können seiner Ansicht nach nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn Landesbanken ihnen Leistungen etwa im Zahlungsverkehr und im Auslandsgeschäft zu günstigeren Preisen anböten. Schleweis’ Argument, dass dies einer Sparkassenzentralbank besser gelingen kann als mehreren Landesbanken, teilen viele. Auch werden sich die Vorstände der Helaba und der Deka dem Wunsch nach Fusionsgesprächen nicht verschließen. Ob aber am Ende die Eigentümer einer Fusion zustimmen, ist unklar.

          Das liegt nicht nur am Widerstand der baden-württembergischen Sparkassen in der Deka. Noch komplizierter ist die Eignerstruktur der Landesbanken, denn sie gehören nicht nur regionalen Sparkassenverbänden, sondern auch Bundesländern. Im Fall der Helaba allerdings dürften das Land Hessen (8 Prozent) und der Freistaat Thüringen (5 Prozent) das Vorhaben unterstützen, mit der Deka zusammenzugehen. Zwar drohen dann hohe Arbeitsplatzverluste, schließlich arbeiten die meisten der 6100 Helaba-Mitarbeiter und der 4800 Deka-Mitarbeiter in Frankfurt.

          Die beiden Bankzentralen liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt, allein in der Helaba-Zentrale arbeiten 3300 Mitarbeiter. Aber auch dem Land Hessen dürfte klar sein, dass die Helaba die andauernde Niedrigzinsphase und womöglich bald zunehmende Kreditausfälle treffen. Der Vorstand hat gerade einen moderaten Stellenabbau angekündigt. Durch einen Zusammenschluss mit der Deka, die vom Fondsverkauf und den damit verbundenen Gebühren lebt, würde ein weniger als die Helaba von Zinseinnahmen abhängiges und damit ausbalancierteres Finanzinstitut entstehen.

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