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Sparkassen : Fünfzig Millionen Kunden

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Wenn's ums Geld geht - Sparkasse. Dieser Werbespruch hat seine Berechtigung. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist Marktführer in Deutschland. 50 Millionen Kunden und damit mehr als jeder zweite Bundesbürger hat eine Verbindung zu einem Unternehmen der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe.

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          Wenn's ums Geld geht - Sparkasse. Dieser Werbespruch hat seine Berechtigung. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist Marktführer in Deutschland. 50 Millionen Kunden und damit mehr als jeder zweite Bundesbürger hat eine Verbindung zu einem Unternehmen der öffentlich-rechtlichen Bankengruppe. Das Geschäftsmodell der Sparkassen funktioniert. Ihre Stärke ist die gute Marktkenntnis. Denn sie sind in ihrem Geschäftsgebiet, in der Regel eine Stadt oder ein Landkreis, fest verwurzelt. Ihre Mitarbeiter leben dort und wechseln selten ihren Arbeitsplatz. Vielmehr kennen sie die Kunden oft auch privat. Das ist ein Vorteil. Bankgeschäft ist trotz Internet und Telefon ein Geschäft mit Menschen. FRANKFURT, 4. Mai. Im besten Fall wissen die Kundenberater, bei wem es am Monatsende immer knapp wird - und wer trotzdem durchkommt; sie wissen aber auch, wem man besser früher als später den Kredit kündigt, um höhere Ausfälle für die Sparkasse zu vermeiden. Ein Nachteil kann die Kundennähe werden, wenn es der Kundenberater nicht schafft, unbequeme Entscheidungen zu treffen, weil persönliche Bindungen zu stark sind.

          Der Sparkasse kann es nur dann gutgehen, wenn es ihrer Region gutgeht. Sie kann nicht weglaufen. Deshalb fördert die Sparkasse ehrenamtliches Engagement. Ebendeshalb unterstützt die Sparkasse den Sportverein, die Schülerzeitung und vor allem: den Mittelstand. Jene Gruppe von Unternehmen, die klamm ist mit Eigenkapital und der es deshalb an Kreditsicherheiten fehlt. Die Großbanken wenden sich ab. Nach vier konjunkturell schwachen Jahren rollt die Insolvenzwelle nach wie vor durch Deutschland. Der für das mittelständische Unternehmen oft lebensnotwendige Kredit ist im Einzelfall für die Großbanken so klein, daß es sich für sie nicht lohnt, überhaupt mit der Kreditprüfung zu beginnen.

          75 Milliarden Euro an Kreditvolumen, sagt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, seien in den vergangenen fünf Jahren von den privaten Großbanken zu den Sparkassen gewandert. Drei von vier Unternehmen sind Sparkassen-Kunden. Sie schätzen die schnellen Entscheidungen, die der Berater vor Ort treffen darf, ohne den langwierigen Umweg über die Konzernzentrale in Frankfurt oder München nehmen zu müssen. Der Sparkassenverband sagt, er wäre heilfroh, wenn sich die privaten Banken wieder stärker in den Regionen engagierten, wie es zum Beispiel die Commerzbank angekündigt hat. Denn für den Geschmack der Sparkassen-Vorstände muß die Sparkasse viel zu oft allein das Kreditrisiko tragen. Die Zeiten sind inzwischen vorbei, in denen der Sparkassen-Sektor expansiv Kredite vergab. Durch die Beschränkung auf die Region häufen sich sogenannte Klumpenrisiken in den Instituten, das bedeutet: Aus einem verlorenen Kredit werden schnell drei oder vier, wenn nach dem Hauptkreditkunden noch seine Zulieferer pleite gehen. Lieber wäre es der Sparkasse oft, sie hätte zumindest eine weitere Bank mit im Boot, mit der sie das Ausfallrisiko teilen könnte. In vielen Regionen ist allein die örtliche Volksbank oder Raiffeisenbank noch Wettbewerber.

          Sparkassen-Finanzgruppe und Volksbanken-Gruppe sind sich ohnehin ähnlich. Beide haben selbständige Kreditinstitute vor Ort. Perfekt ist das Netz, wenn es nur eine Ortsbank je Region gibt; seit anno dazumal gibt es jedoch Überschneidungen. In Bad Homburg zum Beispiel, unweit von Frankfurt, hat sowohl die Frankfurter Sparkasse als auch die Nassauische Sparkasse eine Filiale; auf eine Entfernung von 25 Metern schnappen sich die beiden Institute gegenseitig die Kunden weg. Und eine dritte Sparkasse, die Taunussparkasse, hat in Bad Homburg sogar ihren Hauptsitz. Doch das sind Ausnahmen. Da der Eigentümer der Sparkasse in der Regel die Stadt oder der Landkreis ist, sind bei den Sparkassen die Überschneidungen auf Ortsebene geringer als bei den Genossenschaftsbanken.

          Sowohl die Volksbanken- als auch die Sparkassen-Finanzgruppe setzt auf das Allfinanz-Konzept. Das heißt: Gearbeitet wird in einem Netzwerk oder - wie die beiden Gruppen es nennen - in einem Verbund. Verbundpartner liefern die Produkte, die die Sparkassen und Volksbanken verkaufen. Das hat Sinn, wenn die Ortsbanken nur den Bausparvertrag oder den Fonds des Verbundpartners verkaufen. Doch mit der Verbundtreue ist es nicht überall zum besten bestellt - auch weil der Kunde Qualität verlangt. Und nicht jedes Verbundunternehmen liefert die Qualität, die auch außerhalb des Verbundes bestehen könnte.

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