https://www.faz.net/-gqe-7nii7

Spanische Modekette : Desigual: Spaß, Liebe und knallige Farben

Entspannt ins Frühjahr: Die neue Desigual-Kollektion, vorgestellt in Barcelona Bild: dpa

Spaniens Modekette Desigual hat einen weiten Weg hinter sich. Was als Hippieladen auf Ibiza begann, ist heute eine milliardenschwere Firma.

          Einem farbenfreudigen Unternehmer, schrägen Mustern und einer europaweiten Expansion folgt nun die Beteiligung eines der einflussreichsten Geldgeber in der Modebranche. Mit ihm peilt das spanische Textilhaus Desigual die Finanzierung seines weiteren Wachstums an. Soll doch mit neuen Produktlinien, einer Kapitalerhöhung und dem Verkauf von 10 Prozent der Anteile für 280 Millionen Euro an die französische Investmentfirma Eurazeo SA mittelfristig die Umsatzhürde von einer Milliarde Euro übersprungen werden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind nah dran“, sagte der Vorstandsvorsitzende Manel Jadraque im Gespräch mit dieser Zeitung. In zwei Jahren könnte Desigual die anvisierte Umsatzmarke meistern. Dafür werden nun quasi im Wochentakt in Europa, Amerika und Asien neue Läden eröffnet. Mit ihnen würde sich der Konzern nicht nur an die Spitze der wachstumsstärksten Gesellschaften der Textilindustrie setzen, sondern auch seinem Gründer und Mehrheitseigner Thomas Meyer die gerade erreichte Position in der Liga der reichsten Europäer festigen.

          Forbes nahm Meyer im Januar in sein Milliardärsranking auf. Der gebürtige Schweizer hat Desigual vor ziemlich genau drei Jahrzehnten auf der Ferieninsel Ibiza gegründet. Er war damals 21 Jahre alt, nähte aus alten Jeans-Hosen fetzige Hippie-Jacken, verlagerte nach den ersten Verkaufserfolgen seine kleine Unternehmung auf das spanische Festland und machte sie in Barcelona groß. Mittlerweile verkauft Desigual mehr als 20 Millionen Kleidungsstücke im Jahr. Davon werden 80 Prozent in Asien hergestellt. „Wir fertigen in Indien und China“, sagt Vorstandschef Jadraque. Kein Bangladesch, kein Vietnam, kein Kambodscha. Dort waren Nähereien im vergangenen Jahr aufgrund katastrophaler Arbeitsbedingungen und tödlicher Unfälle in die Schlagzeilen geraten. Von Hosen über Turnschuhe bis zu Taschen und Parfüms hat Meyer heute alles im Programm, womit in der Branche Geld verdient wird.

          Den deutschen Markt fest im Blick

          Während Konkurrenten wie Inditex oder H&M zuletzt ein weniger starkes Wachstum hinnehmen mussten, geht Desigual mit seinen preiswerten und bislang immer etwas schrillen Angeboten in die Offensive. Mit Umsätzen jenseits der Marke von 15 Milliarden Euro sind Inditex und H&M zwar um einiges größer als Desigual. Doch die Spanier verbuchten im vergangenen Jahr mit Erlösen von 828 Millionen Euro ein Wachstum von 16 Prozent. Dabei fuhren sie einen Reingewinn von 129 Millionen Euro ein. Das war das steilste Wachstum und eine der höchsten Margen in der Branche. Im Vorjahr hatten unter dem Strich noch 74 Millionen Euro gestanden. „Wir wollen in den kommenden drei Jahren jährlich mit 20 Prozent wachsen“, sagt Jadraque. Dabei stehen Asien und Amerika im Zentrum.

          „Vor allem aber haben wir den deutschen Markt im Blick.“ Deutschland sei das wirtschaftlich kräftigste Land Europas, die Gewinne der Unternehmen sprudelten, und das Konsumklima sei so gut wie nirgend sonst auf dem Kontinent. Daher werde Desigual bis zum Jahresende alle zwei Wochen zwischen Hamburg und München, Düsseldorf und Berlin einen neuen Laden aufmachen. Im vergangenen Jahr erlösten die Spanier allein in Deutschland 102 Millionen Euro. Vier Fünftel des Umsatzes wurde in Geschäften, ein Fünftel im Online-Handel gemacht. Das Internet mausere sich zum beliebtesten Einkaufsplatz der Deutschen. Grund sei der kräftige Marktauftritt von Internetfirmen wie Zalando oder Amazon. Mit denen arbeitet Desigual seit einiger Zeit eng zusammen. „Wir können ein Wachstum auf dem deutschen Markt von 30 bis 35 Prozent im Jahr anpeilen“, sagt Jadraque.

          „Spaß, Liebe und Farben“

          Die Firma machte ihren heute 50 Jahre alten Gründer Thomas Meyer bereits zu einem der reichsten Unternehmer der Branche. Desigual hat einen Firmenwert von derzeit 2,8 Milliarden Euro. Meyer hält 90 Prozent der Aktien. Damit ist das Vermögen des Schweizers auf 2,5 Milliarden Euro zu bemessen. Er kontrolliert Desigual über die holländische Dachgesellschaft La Vida Es Chula. Vor zwei Jahren hatte er 30 Prozent der Aktien des Unternehmens von seinem einstigen Geschäftspartner und langjährigem CEO Manel Adell zurückgekauft. Adell hatte ein Jahrzehnt an der Spitze von Desigual gestanden. Er setzte auf knallige Farben und schräge Muster. Damit war das Wachstum der bis dahin eher vor sich hin dümpelnden Firma quasi explodiert. Vor eineinhalb Jahren trat Adell vom Management zurück und gab seine Anteile an Meyer ab. Nun gewinnt Meyer mit der Investmentfirma Eurazeo einen neuen Partner.

          Desigual stehe für „Spaß, Liebe und Farben“, sagte Frans Tieleman von Eurazeo dem Branchendienst WWD. „Und wir wollen mit denen wachsen.“ Eurazeo ist unter anderem an dem italienischen Modelabel Moncler beteiligt. „Mit Eurazeo können wir unsere Wachstumsziele schneller erreichen“, sagte Desigual-Chef Jadraque. Die Franzosen werden über die kommenden Monate zwei Sitze im Verwaltungsrat der Spanier besetzen. Vier Sitze in diesem Gremium vertreten die Interessen von Meyer. Ein Sitz werde mit einem unabhängigen Kandidaten besetzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

          F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

          Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.