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Sorgen um Surface : Microsoft erlebt Schlappe mit Tablet-Computer

Microsoft-Stand auf einer Computer-Schau in Taiwan. Bild: REUTERS

Nachdem Microsoft den Preis für das Surface-Tablet gerade gesenkt hat, schreibt der amerikanische Konzern jetzt 900 Millionen Dollar ab. Auch das Geschäft in anderen Segmenten enttäuscht.

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          Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft lieferte bei der Vorlage seiner Quartalszahlen eine böse Überraschung: Das Unternehmen kündigte eine Abschreibung von 900 Millionen Dollar in seinem Geschäft mit dem Tabletcomputer Surface an. Microsoft erlebt damit einen Rückschlag in seinen Bemühungen, sich neben seinem angestammten Softwaregeschäft auch stärker als Anbieter eigener Hardware zu etablieren. Die Abschreibung kommt nur wenige Tage, nachdem das Unternehmen den Preis für eine der beiden Surface-Varianten drastisch reduziert hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Insgesamt fielen die Quartalszahlen von Microsoft schlechter aus als erwartet. Der Aktienkurs rutschte am Freitag im Handelsverlauf um 6 Prozent auf 33,30 Dollar ab. Zuvor hatte die Microsoft-Aktie seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent an Wert gewonnen.

          Microsoft hat das Surface-Tablet erst im vergangenen Oktober auf den Markt gebracht, zeitgleich mit der Einführung seines neuen Computer-Betriebssystems Windows 8. Der Konzern wollte damit Geräten wie dem iPad von Apple Konkurrenz machen. Das Microsoft-Tablet wurde aber nicht zum erhofften Verkaufsschlager.

          Der Konzern selbst nennt zwar keine konkreten Verkaufszahlen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC hat das Unternehmen aber im ersten Quartal dieses Jahres nur 900.000 Exemplare des Surface verkauft, während Apple im gleichen Zeitraum auf 19,5 Millionen iPads kam. Erst am Wochenende senkte Microsoft die Preise für die Version Surface RT deutlich: So ist das Gerät in Deutschland jetzt zu einem Startpreis von 329 statt 479 Euro zu haben. Die Preise für die teurere Variante Surface Pro ließ Microsoft unberührt.

          Ähnlich wie jetzt Microsoft erging es vor einiger Zeit dem kanadischen Smartphone-Hersteller Blackberry. Das Unternehmen brachte vor zwei Jahren das Tablet Playbook zu Preisen auf dem Niveau des iPad heraus, sah sich dann aber nach weniger als neun Monaten zu deutlichen Preissenkungen und einer Abschreibung gezwungen.

          5 Milliarden Dollar Gewinn

          Neben dem Surface macht Microsoft auch die weiterhin schwache Entwicklung im Markt für Personalcomputer (PC) zu schaffen. Dies spürt Microsoft vor allem im Geschäft mit Windows, das der Konzern eigentlich mit der Neuauflage Windows 8 anzukurbeln hoffte. Microsoft wies in der Windows-Sparte für das abgelaufene vierte Quartal des Geschäftsjahres 2012/2013 (30. Juni) zwar ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar aus. Dies erklärt sich aber mit einem Sondereffekt im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Betriebssystems, dessen Umsätze Microsoft zum Teil auf spätere Quartale verschoben hat. Ohne diesen Effekt wäre der Umsatz in der Sparte um 6 Prozent gefallen.

          Im größten Unternehmensbereich mit der Bürosoftware Office baute Microsoft den Umsatz um 14 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar aus, aber hier gab es einen ähnlichen Sondereffekt wie im Falle von Windows, ohne den das Wachstum nur bei 2 Prozent gelegen hätte. Das Geschäft mit Software für Großrechner wie Server schaffte ein Umsatzplus von 9 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar.

          Die Unterhaltungssparte mit der Videospielekonsole Xbox verzeichnete eine Steigerung um 8 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Hier erhofft sich Microsoft Impulse vom neuen Konsolenmodell Xbox One, das noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Die Online-Sparte, zu der die Suchmaschine Bing gehört, legte um 9 Prozent auf 804 Millionen Dollar zu, blieb aber defizitär. Konzernweit stieg der Umsatz um 10 Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar, bereinigt um die Sondereffekte hätte es ein Plus von 3 Prozent gegeben.

          Analysten hatten im Schnitt mit 20,7 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn betrug 5 Milliarden Dollar, im Vorjahr hatte es wegen einer hohen Abschreibung in der Internetsparte einen Verlust von 492 Millionen Dollar gegeben. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 66 Cent war um 9 Cent niedriger als erwartet.

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