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Sony Music-Deutschland-Chef : „Wir wollen Künstlern nichts verkaufen, was sie nicht verstehen“

Patrick Mushatsi-Kareba Bild: Bella Lieberberg

Patrick Mushatsi-Kareba will als Chef von Sony Music Deutschland digitale Chancen nutzen. Die Streamingdebatte, neue Konkurrenz und selbstbewusste Künstler schrecken ihn nicht.

          5 Min.

          Kein Zweifel, es gibt bessere Zeiten für lange geplante Umzüge. Das dürfte Patrick Mushatsi-Kareba unterschreiben. Ende Oktober sitzt der Sony-Music-Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz relativ einsam in der neuen Europa-Zentrale in Berlin-Schöneberg. Anfang des Monats eröffnet, sollen hier bis zu 450 Leute arbeiten. Derzeit habe er aber nur eine Belegung von maximal 50 Prozent zugelassen, so der Manager am Telefon.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einige Einheiten wie etwa Mark Forsters Label Four Music oder die Klassik-Sparte, bei der Pianist Igor Levit unter Vertrag steht, waren schon zuvor in Berlin. Im neuen Gebäude gesellen sich nun auch die lokalen Teams der bekannten Labels Columbia oder RCA dazu, ebenso wie der Verlagsarm ATV und alle anderen Kreativabteilungen. In der alten Heimat München verbleiben neben dem Kindermusik-Label unter anderem Mitarbeiter der Personal- und IT-Abteilung.

          Der bayrischen Landeshauptstadt den Rücken zu kehren war für Mushatsi-Kareba überfällig: „Bei aller Sympathie für andere Städte, es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Berlin das kreative Epizentrum Deutschlands ist.“ Mit Sony und Universal Music residieren hier nun zwei der drei großen globalen Musikunternehmen. Nur das dritte sogenannte „Major“, Warner Music, hält weiter Hamburg die Treue.

          Von Napster zu Apple und dann zu Universal

          Während es Mushatsi-Kareba fortan seltener nach München ziehen dürfte, wird der routinierte Pendler weiterhin einen Teil seines Privatlebens in Frankfurt verbringen. Dass der 47 Jahre alte Manager an seiner Heimatstadt hängt, ist kein Geheimnis und offenbart schon ein Blick auf seinen rege gepflegten Instagram-Account. Sehr beliebt: der Hashtag „dasistfrankfurtbrudi“. Ein Faible für Autos und vor allem Motorräder ist ebenfalls kaum zu übersehen.

          Mushatsi-Karebas Mutter stammt aus Italien, sein Vater aus Burundi. Aufgewachsen ist er in der Frankfurter Siedlung Goldstein. Zunächst schrieb er als Musikredakteur für das Frankfurter Stadtmagazin „Frizz“. 2002 wechselte der Politikwissenschaftler zur Telekom, wo er sich um den Aufbau des digitalen Musikdienstes Musicload kümmern sollte. Ein gutes Jahr zuvor hatte die Musikindustrie es gerade geschafft, die illegale Tauschplattform Napster kleinzukriegen.

          Von 2005 an verantwortete er den Napster-Neustart als nunmehr legales Streamingangebot in Deutschland. Drei Jahre später wechselte er zu Apple, wo er sich fortan um das Musikgeschäft rund um iTunes und später auch Apple Music kümmerte. Die Musikbranche kämpfte derweil in den folgenden Jahren gegen illegale Downloads, während die Umsätze mit den legalen das schrumpfende Tonträgergeschäft nicht auffangen konnten. Erst mit dem Durchbruch des Streamings ging es wieder bergauf, und der digital versierte Manager wechselte die Seiten. Seit 2016 arbeitete er zunächst für Universal Music, bevor er Anfang 2018 in seiner jetzigen Position bei Sony anheuerte. Dort muss er nun die Corona-Krise managen.

          „Zwangsdigitalisierung durch Corona“

          „Als wir vor gut einem Jahr Microsoft Teams eingeführt haben, werden manche vielleicht geunkt haben, das ist nur der digitalen Vergangenheit des Chefs geschuldet“, erzählt er. „Aber in der Pandemie erleichtert es uns die tägliche Arbeit noch mehr als vorher schon.“ Fernab der internen Abläufe bringt die Krise ebenfalls viele Herausforderungen mit sich. „Der Wegfall des Live-Geschäfts trifft natürlich viele in der Musikbranche sehr hart“, sagt er. „Bei manchen Künstlern hat Corona aber auch zu einer Art Zwangsdigitalisierung geführt.“ Bei der Bespielung der verschiedenen digitalen Kanäle könne Sony helfen.

          Natürlich weiß er, dass das Fehlen der Konzerteinnahmen die schwelende Debatte über die Verteilung der Streamingeinnahmen weiter befeuert. Der globale Markt für Musikaufnahmen wächst seit Jahren fast ausschließlich aufgrund des Streamings, was sich für die Majors mit ihren üppigen Werkkatalogen auch während der Pandemie in starken Zahlen niederschlägt. Von Künstlerseite kommt da oft die Forderung nach einer höheren Beteiligung. „Wir müssen immer offen sein für eine Verbesserung des Status quo. Das trifft auch auf das Thema Verteilung der Streamingeinnahmen zu“, sagt er.

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