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Sonderzahlungen : Siemens prescht mit Corona-Bonus vor

Ein Leuchtschild mit dem Schriftzug von Siemens steht auf einem Gebäude des Konzerns. Bild: dpa

Erstmals zahlt ein deutscher Industriekonzern eine Prämie von bis zu 1000 Euro an seine 235.000 Mitarbeiter. Zuvor vergaben schon Supermärkte und Discounter einen Bonus an ihre Mitarbeiter.

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          Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen erhalten sie, Mitarbeiter von Paketdiensten und in den Supermärkten ebenso, ob sie an der Kasse hinter Plexiglas sitzen oder Regale mit Toilettenpapier füllen. Mit der Siemens AG ist nun ein deutscher Industriekonzern vorgeprescht, der seinen Mitarbeitern einen Corona-Bonus von bis zu 1000 Euro zahlt – zumindest in Deutschland steuerfrei. Davon profitieren rund 235.000 Beschäftigte auf der Welt. Die auszuzahlende Summe beläuft sich auf 200 Millionen Euro. „Der Vorstand der Siemens AG hat eine weltweite Covid-Sonderzahlung an alle Mitarbeiter mit Ausnahme des Senior Managements beschlossen“, kündigte das Dax-Unternehmen am Montag an.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.
          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
          Stefanie Diemand
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Siemens geht als erstes großes deutsches Industrieunternehmen diesen Weg. Weitere dürften folgen – zumindest im Siemens-Konzern. Nach Informationen der F.A.Z. will auch die börsennotierte Medizintechnik-Tochtergesellschaft Siemens Healthineers ebenfalls einen Bonus von schätzungsweise 1000 Euro beschließen.„Damit werden die außerordentlichen Leistungen der Beschäftigten in der Pandemie honoriert, die Siemens auch dank seiner Mitarbeiter bisher hervorragend gemeistert hat“, begründet die Siemens AG die Entscheidung. Für die Prämie sei daher eine zügige Umsetzung geplant. Sie soll dort, wo es möglich ist, noch in diesem Kalenderjahr an alle berechtigten Mitarbeiter ausgegeben werden.

          Siemens steht einerseits geschäftlich im Vergleich zu Unternehmen in anderen Branchen relativ robust da, weshalb ein derartiger Bonus opportun erscheint. In den ersten neun Monaten blieb der Umsatz mit minus 1 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro nahezu stabil, das operative Ergebnis im Industriegeschäft verlor zwar 9 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro, hat sich im dritten Quartal aber mit plus 8 Prozent deutlich verbessert. Siemens hat den Mitarbeitern auch viel abverlangt: Seit dem ersten Lockdown im März sind sie zum größten Teil und fast durchgehend zur Heimarbeit verpflichtet.

          Wertschätzung für außerordentliche Leistung

          Allein in Deutschland arbeiten rund 130.000 Siemensianer auf dem Küchenstuhl, am Schminktisch im Schlafzimmer oder am Couchtisch im Wohnzimmer. Anders als bei vielen Unternehmen wurden die Maßnahmen im Sommer mit den rückläufigen Infektionszahlen nicht gelockert. Unverändert galt die strikte Regel, dass nur in Ausnahmefällen und mit Genehmigungen der Vorgesetzten ein Bürobesuch erlaubt ist. Mit der nun sich zuspitzenden Pandemie-Lage wird die Zahl der zu Homeoffice Verdammten nun auf mehr als 140.000 Mitarbeiter allein in Deutschland steigen.

          „Die vergangenen Monate waren auch für unser Unternehmen eine gewaltige Herausforderung, die wir zusammen vergleichsweise gut gemeistert haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser am Montag, der im Februar 2021 ausscheiden wird. „Mit dieser einmaligen Sonderzahlung unterstreicht der Vorstand seine Wertschätzung für die außerordentlichen Leistungen.“ Die Prämie bekommen die Mitarbeiter länderübergreifend, ausgenommen sind Führungskräfte. Der Betrag wird je Land auf Grundlage des unabhängigen Index der Weltbank angepasst, wo auch die jeweiligen steuerlichen Regelungen gelten.

          Schon im Sommer hatte die Deutsche Post DHL einen Corona-Bonus für mehr als 500.000 Beschäftigte angekündigt, womit die Bonner der erste Dax-Konzern mit einer Sonderprämie gewesen sind. Mit Ausnahme der Führungskräfte bekommen alle Mitarbeiter einen einmaligen Bonus von 300 Euro – unabhängig davon, wo in der Welt und in welcher Sparte sie tätig sind. Die Post hat dafür im Ende September abgelaufenen dritten Quartal rund 200 Millionen Euro Aufwand verbucht.

          Rund ein Drittel davon geht in diesem Monat an die Mitarbeiter im deutschen Brief- und Paketgeschäft, zusätzlich zur Lohnerhöhung von 5 Prozent in zwei Stufen Anfang 2021 und 2022. In der Paketsortierung und -zustellung herrscht wegen des stark gestiegenen Online-Handels seit Ausbruch der Pandemie Hochbetrieb. Neue Mitarbeiter werden überall in der Branche gesucht. Schon im ersten Halbjahr lagen die Paketmengen im Durchschnitt fast ein Zehntel über dem Vorjahresstand, und in der Hochsaison vor Weihnachten wird die Flut noch einmal ungewöhnlich stark anschwellen, so dass bis zu 30.000 Aushilfskräfte benötigt werden.

          Der Lebensmittelhandel dankte seinen Mitarbeitern schon im Frühjahr mit Bonuszahlungen. Im Vergleich zur Industrie fällt die Prämie jedoch gering aus. Erst vor kurzem verkündete die Schwarz-Gruppe, zu denen der Discounter Lidl und die Supermarkt-Kette Kaufland gehören, ihren Mitarbeitern einen Einkaufsgutschein von bis zu 200 Euro zu schenken. Bei mehr als 170.000 Mitarbeitern schüttet die Unternehmensgruppe damit 30 Millionen Euro an ihre Mitarbeiter aus.

          Schon in den ersten Monaten der Corona-Krise gab die Schwarz-Gruppe 35 Millionen in Form von Gutscheinen an ihre Mitarbeiter. Auch andere Lebensmittelhändler belohnten ihre Beschäftigten mit einem zusätzlichen Bonus. So erhielten Beschäftigte vom Discounter Aldi einen Einkaufsgutschein im Wert von bis zu 250 Euro, Rewe-Mitarbeiter erhielten stattdessen ein Guthaben auf ihre Mitarbeiterkarten. In der Regel gaben die Händler den Bonus über Gutscheine oder Guthaben aus steuerrechtlichen Gründen aus. Während die meisten Geschäfte im März schließen mussten, blieben die Supermärkte offen. Die Unternehmen gelten als Krisengewinner. Die Beschäftigten mussten jedoch wegen Hamsterkäufen und strengen Hygieneregeln unter erschwerten Bedingungen arbeiten.

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