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Solarbank „Soofa“ : Deutsches Fräuleinwunder in Boston

Bild: Changing Environments

Parkbänke als Ladestationen für Smartphones, das ist die Idee dreier deutscher Frauen in Amerika. Sie gefällt auch Präsident Obama.

          4 Min.

          Ein angenehm fester Händedruck, eine Macher-Ausstrahlung und reichlich bohrende Fragen – so hat Sandra Richter den amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Erinnerung. Im Juni war die 30 Jahre alte Deutsche im Weißen Haus zur „Maker Fair“, einer Innovationsschau für Jungunternehmer. Richter zeigte Obama die Erfindung ihres Unternehmens Changing Environments, das sie in Boston zusammen mit zwei anderen deutschen Frauen gegründet hat: eine Parkbank namens „Soofa“ mit einer integrierten Solaranlage, an der Smartphones aufgeladen werden können.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zwei Minuten habe sie nur mit Obama gehabt, erzählt Richter. Aber der Präsident habe sich in der kurzen Zeit sehr interessiert gezeigt, kompetente Fragen gestellt und glaubhaft versichert, dass ihm die Stärkung der verarbeitenden Industrie in den Vereinigten Staaten am Herzen liege. „Es war ziemlich cool“, sagt die Unternehmerin. Die Einladung ins Weiße Haus war für Richter und ihre Mitgründerinnen eine Bestätigung, dass aus ihrer Idee etwas werden könne. Und Obama ist nicht der erste, der auf das Unternehmen aufmerksam geworden ist.

          Die drei Frauen haben mit der Solarbank schon den Bürgermeister von Boston begeistert und Unterstützung von Unternehmen wie Verizon und Cisco Systems gefunden. Ihre Ambitionen reichen aber weiter und sind voll von amerikanischem Optimismus. Richter sagt, ihr gehe es nicht darum, das Unternehmen so weit zu bringen, dass es vielleicht einmal wie manch anderes Start-up von einem Technologiegiganten wie Google gekauft wird. Sie traut sich zu, eines Tages selbst in einer Liga mit Unternehmen der Größe von Google oder Facebook mitzuspielen.

          Jede Bank hat einen eigenen Namen

          Changing Environments verfolgt das Ziel, intelligente Möbel für Städte zu entwickeln – und passt zu einem Trends der Technologiebranche, dem Internet der Dinge, also der Vernetzung von Gegenständen des Alltags wie Autos, Haushaltsgeräten oder eben Bänken. Die Soofa-Bänke sind nicht nur Ladestationen, sie erfassen über Sensoren auch Informationen aus der Umgebung wie Luftqualität oder Geräuschpegel, die ins Netz hochgeladen werden. Ein Dutzend Soofas hat das Unternehmen bisher von Bostoner Produktionspartnern herstellen lassen.

          Die Bänke stehen in Boston, eine Ausweitung auf andere Städte ist geplant. Richter sagt, derzeit werde jedes Soofa im Durchschnitt von 17 Personen am Tag genutzt. Jede Bank hat einen eigenen Namen. Es gibt zum Beispiel „Hedy“, „Mia“ und „Boris“. Die Bänke sehen recht robust aus, mit Füßen aus Metall und einer Sitzfläche aus Holz, die Solaranlage mit den USB-Anschlüssen zum Aufladen steckt in einer trapezförmigen Zementhülle. Richter hält die Soofas für weitgehend wetterfest und sicher vor Vandalen: „Wir sind selbst auf den Bänken herumgesprungen und haben sie nicht kaputt gekriegt.“

          Affinität für Sonnenenergie

          Erst in Boston haben sich die Wege der drei Frauen gekreuzt. In einer Kneipe hat Richter ihre heute 29 Jahre alte Mitgründerin Nan Zhao kennengelernt, Jutta Friedrichs kam als Dritte später dazu. Richter brachte eine fast angeborene Affinität für Sonnenenergie mit. Sie stammt aus Freiburg – „der Stadt mit den meisten Sonnentagen in Deutschland“, wie sie stolz sagt –, ihre Eltern haben seit langer Zeit Solarzellen auf dem Dach. Richter studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin und kam dabei mit Umweltthemen in Berührung, zum Beispiel in einem Beratungsprojekt für den Energiekonzern Vattenfall, das sich um Elektroautos drehte.

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