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Untreue als Vorwurf : Streit im Aldi-Familienclan

Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht Bild: dpa

Seit Jahren tobt im Aldi-Familienclan ein Streit unter den Familienmitgliedern. Nun soll ein Firmenerbe seine Schwestern angezeigt haben. Der Vorwurf lautet Untreue in Millionenhöhe.

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          Der jahrelange Streit im Aldi-Clan erreicht eine neue Dimension: Die Kieler Staatsanwaltschaft geht Untreue-Vorwürfen gegen Mitglieder der Unternehmerfamilie Albrecht und einen Rechtsanwalt nach. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hat Nicolay Albrecht, Sohn von Aldi-Erbin Babette Albrecht, seine Schwestern angezeigt. Er wirft ihnen und ihrem Anwalt vor, sich im vergangenen Jahr unerlaubt Ausschüttungen in Millionenhöhe von der unternehmensnahen Jakobus-Stiftung abgebucht zu haben.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Unbekannt ist, in welcher genauen Höhe Geld an die Familienmitglieder ausgeschüttet wurde. Nach Medienberichten soll es sich in den vergangenen Jahren um 25 Millionen Euro nach Steuern handeln, die jedes Jahr ausgezahlt wurden. Nicolay soll nur in der letzten Ausschüttungsrunde, im Gegensatz zu seinen Geschwistern, kein Geld erhalten haben. Dies könnte ihn zur Anzeige vor der Kieler Staatsanwaltschaft bewogen haben.

          Die Familie Albrecht taucht regelmäßig auf der Liste der reichsten Deutschen auf. Trotzdem ist nur wenig über sie bekannt: Sie gilt als verschwiegen, tritt kaum in der Öffentlichkeit auf. Bekannt ist jedoch, dass der Streit der Familie Albrecht seit Jahren tobt. Eigentlich kämpfen Nicolay und seine Geschwister dabei auf einer Seite: Seitdem Berthold Albrecht, Vater von Nicolay und seinen Geschwistern, in seinem Testament die Einflussmöglichkeiten seiner Kinder auf den Discounter Aldi Nord erheblich eingeschränkt hat, gehen die Geschwister und ihre Mutter dagegen vor. Berthold Albrecht war der Sohn des im Jahr 2012 verstorbenen Aldi-Gründers Theo Albrecht.

          „Nur eine Strafanzeige, mehr nicht“

          Im Mittelpunkt stehen dabei die zum Unternehmen gehörenden Stiftungen, die Markus-, Lukas- und die Jakobus-Stiftung. Über große Investitionen oder Entscheidungen können die Stiftungen nur einstimmig entscheiden. Der jeweilige Vorstand entscheidet daher auch darüber, ob und wem Geld aus den Stiftungen ausgezahlt wird. Vor seinem Tod legte Berthold Albrecht den größten Teil seines Vermögens in die Jakobus-Stiftung. Sein Wunsch war es, den Einfluss seiner Familie auf die Stiftung gering zu halten, dafür änderte der Sohn des Firmengründers kurz vor seinem Tod die Satzung der Stiftung. Dagegen hatten seine Erben geklagt, jedoch bisher ohne Erfolg. Im vergangenen Jahr verloren Barbette und ihre Kinder in letzter Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht. Bis heute wurde das Urteil jedoch nicht umgesetzt. 

          Der Bruder von Berthold, Theo Albrecht, vermutete schon vor Jahren, dass Babette und ihre Kinder sich hohe Beträge von der Stiftung auszahlen lassen. Er kämpft wie sein Bruder gegen den Einfluss von Babette und ihren Kindern. Einen Beweis gab es dafür bisher nicht. Auch jetzt soll laut Staatsanwaltschaft kein Anfangsverdacht bestehen. Die Vorwürfe würden zunächst geprüft. Wann neue Erkenntnisse zu erwarten sind, sei völlig offen „Wir haben erst mal nur eine Strafanzeige, mehr nicht“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kiel.

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