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Softwarekonzern SAP : Wechselspiele in Walldorf

Das variable Vergütungssystem der traditionell sehr gut bezahlten SAP-Belegschaft wird nun umgemodelt, es soll einfacher und transparenter werden, und mitten in diesem Umbruch geht die Personalchefin.

Delgado, so heißt es, habe im Vorstand wenig bewegen können, was auch an der SAP-Kultur liege, in der strategische Personalfragen von Plattner und den jeweiligen Vorstandschefs beantwortet würden. SAP-Beobachter gehen daher nicht davon aus, dass die Personalstelle in der Zukunft wieder einem eigenständigen Vorstandsressort zugeordnet wird. Allerdings gehe der langjährige Finanzvorstand Werner Brandt, der das Amt jetzt mit übernommen hat, im nächsten Jahr in den Ruhestand. Spätestens dann brauche SAP eine neue Lösung.

Die Neuausrichtung sorgt für Aufregung

Doch nicht nur in der höchsten Chefetage gibt es Unruhe. Wegen der schrittweisen Verschiebung des Softwaregeschäfts weg vom bisherigen Verkauf von Programmpaketen an die Kunden, hin zur Mietsoftware aus dem Rechenzentrum (Cloud), hatte SAP Anfang des Jahres damit begonnen, seinen Vertrieb neu auszurichten. Damit sollen Verbundvorteile gehoben, Kosten gesenkt und das Wartungsgeschäft effizienter als bisher gestaltet werden. Das klingt zunächst gut, liest sich aber schon kompliziert - und sorgt für manche Aufregung.

So wurden die bislang getrennt geführten Regionen Nord- und Südamerika vereint, die erst im Mai 2012 als Nordamerika-Chefin berufene Geraldine McBride abgesetzt und die Leitung der neuen SAP-Region Americas in die Hände des bisherigen Südamerika-Zuständigen Rodolpho Cardenuto gelegt. Mit 109 000 Kunden sind die sogenannten Americas die größte Vertriebsregion für SAP.

Das Geschäft in Zentral- und Osteuropa sowie dem Mittleren und Nahen Osten - in diesen Bereich gehören so wichtige Regionen wie Deutschland, Österreich, die Schweiz und Länder der ehemaligen Sowjetunion - wiederum ist unter die Führung von Michael Kleinemeier gestellt worden. Der bei Kunden als Deutschland-Chef geschätzte Manager hatte SAP unter der Führung des glücklosen Vorstandssprechers Léo Apotheker einst verlassen, das neue Vorstandsteam hat ihn zurückgeholt.

Wahr ist, dass es trotz der Personalrochaden operativ derzeit nicht schlecht läuft. Das liegt vor allem an Aufsichtsratschef Plattner. Der streitbare Gründer und Mäzen bleibt die bestimmende Figur im Konzern. Er ist im Tagesgeschäft präsent und hat mit der Ausrichtung auf das neue Hana-System das mit der Finanzkrise von 2008 ins Schwank, geratene Schiff vermutlich wieder einmal in besseres Fahrwasser und auf den richtigen Kurs gebracht. Das aber ist zugleich ein Problem, denn bisher hat sich niemand unter ihm dauerhaft emanzipiert.

Plattner ist der letzte aus dem Gründerquintett von SAP. Er hat den Aufstieg von der kleinen Entwicklerbude in Baden zum größten Hersteller von Unternehmenssoftware der Welt maßgeblich gestaltet und vorangetrieben. Er hält den Laden bis heute zusammen: Das macht ihn zum Übervater des Konzerns. Im nächsten Jahr wird der umtriebige Visionär 70 Jahre alt. Plattner ist die Lösung und die Herausforderung für die Zukunft von SAP zugleich.

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