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Softwarekonzern SAP : Wechselspiele in Walldorf

Lars Dalgaard

Das aber ist nicht einfach: Denn einer der Gründe für die Unruhe ist, dass sich SAP in den vergangenen fünf Jahren vor allem durch Zukäufe in Geschäftsfeldern wie dem mobilen Computing, dem Cloudgeschäft und der Datenanalyse verstärkt hat. Die Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott versuchen damit die führende Marktposition ihres Hauses im Geschäft mit Unternehmenssoftware vor dem amerikanischen Konkurrenten Microsoft zu behaupten. Im Cloudgeschäft sollen Wettbewerber wie Salesforce.com auf Abstand gehalten werden.

Und mit dem neuartigen Datenbanksystem Hana will man Marktführern wie IBM oder Oracle den Schneid abkaufen. Das ist ehrgeizig, noch ehrgeiziger ist das Umsatzziel. Im Jahr 2015 will SAP 20 Milliarden Euro erlösen, mit einer Gewinnspanne von mehr als 30 Prozent arbeiten und eines der innovationsfreudigsten Unternehmen der Softwarebranche sein.

In Aktionärskreisen wird es langsam unruhig

Von außen betrachtet, klappt das bisher sehr gut. Die jungen Geschäftsfelder allerdings haben noch nicht die kritische Masse erreicht. Der Erfolgsdruck bleibt groß, und in Aktionärskreisen wird es langsam, aber sicher wieder unruhig. Zudem verschiebt sich das Schwergewicht der Organisation immer mehr nach Amerika und damit in den Bereich des Ko-Vorstandssprechers Bill McDermott, der das Unternehmen gemeinsam und eigentlich gleichberechtigt mit dem Dänen Jim Hagemann Snabe führen soll.

Doch schon bei der Vergütung gibt es einen Unterschied. McDermott erhielt im vergangenen Jahr 8,7 Millionen Euro Gehalt, Snabe hingegen „nur“ 8,2 Millionen. Alles in allem kommt der Konzern auf eine Vergütung von rund 17 Millionen Euro für seine beiden Spitzenmanager. Damit hat SAP eine der teuersten Vorstandsspitzen der im deutschen Aktienindex Dax versammelten Konzerne.

Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott

Snabe sei aber in der Walldorfer Konzernzentrale immer weniger präsent. „Hier fragen sich viele, was ist mit Snabe los?“, heißt es. Er wohnt wohl immer noch in Kopenhagen - und ist nach Einschätzung vieler Mitarbeiter viel weniger intern und in der Öffentlichkeit präsent als Mc Dermott.

“Bei SAP fährt der Zug in die Vereinigten Staaten“, sagt ein Kenner des Konzerns. Das zeige sich nicht zuletzt an der Neuausrichtung der Kommunikationsabteilung. Die nach dem Abgang von Kommunikationschef Hubertus Külps inthronisierte Interimssprecherin Barbara Schädler geht zur Lufthansa. Nun kommt eine Amerikanerin. Den Posten übernimmt die bekennende Republikanerin Victoria Clarke mit Dienstsitz in Amerika: „Was wir von der Republikanerin erwarten sollen, wissen wir noch nicht“, heißt es.

Clarke hat früher mal für Donald Rumsfeld geredet, ist nach erstem Eindruck ein „dickes Kaliber“ und soll jetzt Marketing und Kommunikation zugleich leiten. „Das ist auf jeden Fall eine Zäsur für SAP und diese stärkt bestimmt nicht dem Europäer Snabe den Rücken“, wird hinter dessen Rücken getuschelt.

Hasso Plattner

Den Betriebsrat treibt am meisten der Weggang von Personalchefin Delgado um. Sie wird als engagiert und einnehmend beschrieben - also der Belegschaft zugetan und somit das Gegenmodell ihrer Vorgängerin. Weil der Konzern zuletzt seine ehrgeizigen internen Ziele verfehlt hat, wäre der Mitarbeiterbonus trotz eines Rekordergebnisses 2012 deutlich gesunken. Mit einem einmaligen Topf hat der Vorstand diese Lücke ausgeglichen. Die IG Metall kritisierte das „Geschenk“ dennoch als „wenig wertschätzend“.

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