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Softwarekonzern : SAP bricht das Geschäft mit dem Mittelstand ein

SAP-Aktien rutschten nach Vorlage der vorläufigen Zahlen deutlich ab Bild: dpa

Die Krise der Finanzmärkte erreicht die Realwirtschaft. Bei Europas größtem Softwarehersteller SAP bricht das Geschäft mit dem Mittelstand ein. Der Kurs der Aktie verliert 16 Prozent.

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          Europas größtes Softwarehaus erwartet dramatische Monate. In der Folge der Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten hat die deutsche SAP AG in den zurückliegenden zwei Wochen ein nahezu völliges Einfrieren der Geschäfte erlebt. Vor allem der unternehmerische Mittelstand trat hart auf die Kostenbremse. Er legte nahezu alle Investitionen auf Eis. Das zog tiefe Spuren durch die Gewinn- und Verlustrechnung der SAP. Der Geschäftsverlauf des Walldorfer Softwarekonzerns wird aufgrund der weiten Verbreitung seiner Produkte und Dienstleistungen von vielen Analysten als ein Frühindikator für der konjunkturelle Entwicklung angesehen.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Was in den vergangenen zwei Wochen passierte, ist außerordentlich und habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt“, sagte Leo Apotheker, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden von SAP. „Das Geschehen auf den Märkten ist seit den letzten beiden Wochen im September faktisch nicht mehr vorhersehbar geworden“, erklärte sein Vorstandskollege Henning Kagermann. Niemand wisse, was in den kommenden Monaten an den Börsen geschehe, niemand könne die Folgen für Industrie- und Dienstleistungssektoren der Welt abschätzen. Seit der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, der sich daraufhin zuspitzenden Krise an den Finanzmärkten und dem milliardenschweren Einschreiten der Regierungen von Washington bis Berlin fürchten viele Firmen in Amerika, Europa und Asien, in eine schwere Kreditklemme bislang ungekannten Ausmaßes zu geraten.

          Hinter den Kulissen der Finanzmärkte herrschte Mitte September völlige Panik. Hedge Fonds verzeichneten milliardenhohe Abflüsse von Geldern nervöser Kunden, die Geschäftsbanken verliehen im Tagesgeschäft untereinander kaum noch Geld und der Geldmarkt trocknete aus. Das bekommen Dienstleistungsunternehmen wie das hochprofitable Softwarehaus SAP zu spüren. Die Regierung in Washington sah sich aufgrund der Zustände an den Finanzmärkten gezwungen, ein in der Geschichte bis-lang einzigartiges Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar für die angeschlagene Bankenbranche Amerika zu schnüren. In Europa sprachen einige Regierungen Garantien für die Kundeneinlagen bei Bankhäusern aus. Das hatte es zuletzt Anfang der dreißiger Jahre gegeben.

          Aktie stark im Minus

          Zwar sei SAP im abgelaufenen dritten Quartal abermals im zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Auch habe es einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro verbucht. Doch ver-fehlte es die selbst gestellten Ziele. Grund war ein völliger Einbruch der Nachfrage in den letzten beiden Wochen des Quartals. Daher wagt der Vorstand um Apotheker und Kagermann für die kommenden Monate keine Prognose. „Wir analysieren die Lage und werden wie geplant unsere Einschätzung Ende Oktober geben“, sagte Kagermann. „Wir sind auf alles vorbereitet, aber als Unternehmen nicht in der Krise. Wir fahren die Kosten zurück, wo wir können, aber wir sind jetzt nicht auf Schrumpfkurs.“ Beide Vorstandschefs gehen davon aus, die anvisierte zweistellige Zuwachsrate für das Gesamtjahr zu halten. Allerdings werde es in wenigen Wochen eine überarbeitete Prognose der Ziele geben.

          Bislang ging SAP davon aus, zwischen 24 und 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu wachsen. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 10,2 Milliarden Euro erlöst und einen Überschuss von 1,9 Milliarden Euro ausgewiesen. „Unsere Geschäftsgrundlage ist nach wie vor intakt“, beschwichtigt Kagermann die Aktionäre. Er reagierte auf einen heftigen Kursrückgang an der Börse. Dort war es zum Wochenauftakt zu massenhaften Verkäufen der SAP-Aktie gekommen. Am Montag verlor das Papier mehr als 16 Prozent an Wert. Es sank unter die Marke von 30 Euro und kostete zum Handelsschluss knapp 29 Euro.

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