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Software : Oracle kauft Bea Systems im zweiten Anlauf

  • -Aktualisiert am

Oracle ist in Sachen Bea Systems nun am Ziel Bild: AP

Etwa drei Monate dauerte das Hin und Her, jetzt einigten sich die Softwarekonzerne Oracle und Bea Systems auf eine freundliche Transaktion über 8,5 Milliarden Dollar. Investor Carl Icahn freut sich über einen satten Gewinn.

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          Der amerikanische Softwarekonzern Oracle übernimmt nun doch seinen Wettbewerber Bea Systems. Wenige Monate nachdem Oracle ein feindliches Übernahmeangebot für Bea zurückgezogen hat, haben sich die beiden Unternehmen nun auf einen freundlichen Zusammenschluss geeinigt. Oracle will für Bea nun 8,5 Milliarden Dollar oder 19,38 Dollar je Aktie zahlen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Oracle greift damit deutlich tiefer in die Taschen als ursprünglich geplant: Im Oktober legte das Unternehmen erstmals ein Angebot in Höhe von 17 Dollar je Aktie vor. Obwohl der Preis einem Aufschlag von 25 Prozent auf den damaligen Aktienkurs entsprach, lehnte Bea ihn als zu niedrig ab und forderte stattdessen 21 Dollar. Oracle zog sein Angebot zurück. Nun zahlt der Konzern deutlich mehr: Gegenüber dem Kurs vor dem ersten Angebot beträgt der Aufschlag 42 Prozent. Alfred Chuan, der Vorstandsvorsitzende von Bea Systems, deutete in einer Mitteilung an, dass Bea auch Interesse bei anderen möglichen Käufern ausgelotet habe, es seien „Gespräche mit Dritten über einen möglichen Verkauf“ geführt worden. Marktbeobachter schätzen, dass unter anderem IBM, SAP, Cisco oder Sun Microsystems Interesse an dem Softwareunternehmen haben könnten. Die Transaktion mit Oracle soll bis Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein.

          Auf „Middleware“ spezialisiert

          Bea Systems ist auf sogenannte „Middleware“ spezialisiert. Das ist Software, die die Zusammenarbeit und den Datenaustausch verschiedener betriebswirtschaftlicher Standardprogramme in Unternehmen ermöglichen. Wichtigster Wettbewerber von Bea Systems ist der Technologiekonzern IBM. Daneben bewegen sich verstärkt auch Anbieter aus der sogenannten Open-Source-Gemeinde in diesem Marktsegment und machen Oracle das Leben schwer. Open Source steht für Software mit offen zugänglichem Programmcode, der durch ein Netzwerk von Programmierern weiterentwickelt wird.

          Im Middleware-Markt ist hier J-Boss ein führender Anbieter, der 2006 vom Open-Source-Softwarehaus Red Hat gekauft wurde. Die Konkurrenz auf dem Markt für solche Infrastruktursoftware nimmt allgemein stetig zu, Marktforscher sagen ein deutliches Wachstum in diesem Segment voraus - wenngleich die Zeiten, in denen der Middleware-Markt in Europa um 50 Prozent und mehr zulegte, nach Ansicht von Branchenbeobachtern der Vergangenheit angehört.

          Serie von Akquisitionen fortgesetzt

          Bea Systems gilt schon seit Jahren als Übernahmekandidat. Das Unternehmen hat eine längere Schwächephase durchgemacht. Zwar konnte Bea Systems seine Umsätze zuletzt wieder steigern. Das Geschäft mit dem Verkauf neuer Lizenzen, das in der Branche als wichtiger Gradmesser für künftige Umsätze zum Beispiel mit Dienstleistungen gilt, war aber rückläufig. Im Geschäftsjahr 2006/2007 (31. Januar) wies Bea Systems einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar aus.

          Oracle setzt seine Serie von Akquisitionen fort. Seit dem Jahr 2004 hat das Unternehmen insgesamt rund 25 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgegeben, inklusive Bea Systems nähert sich das Volumen nun 35 Milliarden Dollar. Zu den prominentesten Akquisitionen gehörten Peoplesoft, Siebel und Hyperion. Die meisten der gekauften Unternehmen sind Anbieter von Standardsoftware. Diese Programme dienen dazu, betriebswirtschaftliche Prozesse wie Einkauf, Produktion oder Vertrieb zu steuern, SAP ist Marktführer in diesem Geschäft.

          Carl Icahn ist der große Gewinner

          Wie nun bei Bea Systems hat Oracle auch schon bei anderen Übernahmeversuchen Kehrtwenden gemacht und seine Meinung geändert: Paradebeispiel war das zähe Ringen um Peoplesoft in den Jahren 2003 und 2004, das sich über 18 Monate hinzog. Auch Peoplesoft hat sich zunächst vehement gegen Oracle gewehrt. Oracle hat dann aber wiederholt sein Angebot erhöht und Übernahmefristen verlängert. Am Ende lag der Preis für Peoplesoft bei 10,3 Milliarden Dollar.

          Großer Gewinner bei der Transaktion ist der Investor Carl Icahn, der einen Anteil von rund 13 Prozent an Bea Systems hält. Icahn ist erst im vergangenen September bei Bea Systems eingestiegen und hat das Unternehmen aufgefordert, sich zum Verkauf zu stellen. Als Bea Systems das erste Angebot von Oracle zurückwies, reichte Icahn eine Klage ein. Icahn ist damit bekannt geworden, bei Unternehmen einzusteigen und sie zum Verkauf oder zu anderen einschneidenden Veränderungen zu drängen.

          Am Mittwoch teilte der Investor mit: „Die Transaktion ist ein exzellentes Beispiel für die großartigen Ergebnisse, die man erzielen kann, wenn ein Aktivist aus dem Aktionärskreis mit dem Management kooperieren kann.“ Gegenüber dem Bea-Kurs vor dem ersten Oracle-Angebot dürfte Icahn mit seiner Investition einen Gewinn von rund 300 Millionen Dollar einstreichen.

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